Schicht im Schacht Mülsen: Förderturm wird gesprengt

Mülsen - Mit Wehmut schaut der Zwickauer Ex-Bergmann Klaus Hertel (84) auf die Nachbargemeinde Mülsen. Das Oberbergamt Zwickau lässt dort die letzten Zeitzeugen des Mülsener Steinkohlebergbaus schleifen.

Ex-Bergmann Klaus Hertel (84) vor den Resten des Martin-Hoop-Schachts IX in Mülsen. Die Gebäude werden abgerissen.
Ex-Bergmann Klaus Hertel (84) vor den Resten des Martin-Hoop-Schachts IX in Mülsen. Die Gebäude werden abgerissen.  © Pro Picture/Ralph Köhler

Arbeiter reißen die teils baufälligen Gebäude des Schachtes Martin Hoop IX ab. Der markante Förderturm wird Anfang März gesprengt.

Ob sich Klaus Hertel, heute Ehrenvorsitzender des Steinkohlenbergbauvereins Zwickau, diesen Anblick antun wird, weiß er noch nicht: "Ich war beim Abteufen von 1953 bis 1956 als Diplomingenieur für Bergvermessungstechnik beteiligt. Der Abriss tut weh - aber alles hat ein Ende."

Der Steinkohlenbergbau im Revier Zwickau hat eine 630-jährige Geschichte. Zur Hochzeit gab es 1096 Tagesöffnungen - vertikal, horizontal und diagonal. Die letzten vertikalen Schächte wurden in den 50er-Jahren in Mülsen gegraben (abgeteuft) - die Schächte Martin Hoop IX und X, benannt nach einem kommunistischen Opfer des Nationalsozialismus.

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Schacht X wurde vor 40 Jahren verfüllt, abgerissen und planiert. Nun folgt Martin Hoop IX an der Vettermannstraße.

Das Oberbergamt ließ bereits 1978/79 den Schacht verfüllen und mit einer Stahlbetonplatte abdecken. Nun geht es den Kauen, Verwaltungs-, Schacht- und Trafogebäude an den Kragen.

Erhalten bleibt neben der Halde allein das Pumpenhaus, das zum Fledermausquartier umgebaut wird. Der Abriss soll 2,3 Millionen Euro kosten.

Steinkohle aus dem Revier Zwickau: Unter anderem im Bergbaumuseum Oelsnitz/E. ist das "schwarze Gold" noch zu sehen.
Steinkohle aus dem Revier Zwickau: Unter anderem im Bergbaumuseum Oelsnitz/E. ist das "schwarze Gold" noch zu sehen.  © Jan Woitas/dpa

Wenn der Förderturm gesprengt sein wird, ist endgültig Schicht im Mülsener Schacht. Doch unweit der Gemeinde, auf Zwickauer Flur, recken sich die Gebäude der Schächte Martin Hoop IV und IVa weiterhin als Industriedenkmale in den Himmel.

Titelfoto: Pro Picture/Ralph Köhler

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