Zwickauer Möbel-Künstlerin erobert Moskau mit "Ostalgie"

Zwickau - Während andere dicke Bücher über die DDR-Geschichte schreiben, packt die Zwickauerin Henrike Naumann (37) das Thema auf etwas andere Weise an - mit Stühlen, Tischen und Lampen. Ihre Möbel-Kunst erobert gerade die Kultur-Szene, ab Montag gastiert sie sogar in Moskau.

Künstlerin Henrike Naumann (37) zeigt ihre Installation "Ostalgie" ab Montag in der Moskauer "Tretjakow"-Galerie.
Künstlerin Henrike Naumann (37) zeigt ihre Installation "Ostalgie" ab Montag in der Moskauer "Tretjakow"-Galerie.  © Stiftung für Kunst und Kultur Bonn

Henrike Naumann enthüllt ihre Arbeitsweise: "Bei meiner Kunst stelle ich einen CD-Ständer oder einen Stuhl hin und sage: 'Ich möchte über die Treuhand sprechen.'" In ihrer Installation "DDR Noir" etwa kombiniert sie Original-Möbelstücke der Nachwendezeit mit Kunstwerken ihres Großvaters Karl Heinz Jakob (1929-1997), zu DDR-Zeiten ein namhafter Grafiker. Dafür erhielt sie den Max-Pechstein-Preis ihrer Heimatstadt.

Die Inspiration für ihr Schaffen zieht Henrike Naumann aus ihrer Kindheit. "1989 war ich fünf Jahre alt, da habe ich die Wiedervereinigung noch nicht verstanden", sagt sie. "Aber ich habe gemerkt, dass plötzlich die Barbie-Puppen kamen." Indem sie gewöhnliche Objekte zur Kunst erhebt, will sie eine neue Perspektive eröffnen: "In der DDR gab es mehr als die Stasi auf der einen und die Opposition auf der anderen Seite - es gab auch den Alltag."

Doch auch die dunklen Seiten spielen eine große Rolle. In "Evolution Chemnitz" arbeitete sie revolutionäre Strömungen in der Lokalgeschichte auf, von den Aufständen der Chemnitzer Bevölkerung gegen teure Lebensmittel im Jahr 1919 bis zu den rechtsextremen Ausschreitungen 2018.

In den Kunstsammlungen Chemnitz war Henrike Naumann (37) vergangenes Jahr mit "Evolution Chemnitz" zu Gast.
In den Kunstsammlungen Chemnitz war Henrike Naumann (37) vergangenes Jahr mit "Evolution Chemnitz" zu Gast.  © Roman Mensing

Mit ihrer Kunst kam Henrike Naumann schon bis nach Japan und Marokko, stellt bundesweit in Galerien aus. Ab Montag zeigt sie eine Arbeit in der berühmten Moskauer "Tretjakow"-Galerie. Der Titel: "Ostalgie".

Titelfoto: Fotomontage: Stiftung für Kunst und Kultur Bonn, Roman Mensing

Mehr zum Thema Zwickau: