Auf Helgoland gibt es einen der begehrtesten Jobs Deutschlands

von Birgitta von Gyldenfeldt

Helgoland - Einen Nachmittag mit der Freundin am Strand verbringen, eine Tour mit dem Börteboot machen, Robben beobachten: Was Felix Vorndran aus Bergisch Gladbach bei Köln auf Helgoland macht, klingt nach einem ganz normalen Urlaub auf Deutschlands einziger Hochseeinsel.

Felix Vorndran von der Freiwilligen Feuerwehr Bergisch-Gladbach sitzt an der Feuerwehrwache während seines Dünendienstes auf der Düne der Hochseeinsel Helgoland.
Felix Vorndran von der Freiwilligen Feuerwehr Bergisch-Gladbach sitzt an der Feuerwehrwache während seines Dünendienstes auf der Düne der Hochseeinsel Helgoland.  © Marcus Brandt/dpa

Doch etwas unterscheidet die 14 Tage Aufenthalt Vorndrans von denen anderer Gäste auf der Hauptinsel vorgelagerten Düne.

Der 38-Jährige ist einer der freiwilligen Feuerwehrleute aus ganz Deutschland, die während der Saison helfen, auf der Düne den Brandschutz sicherzustellen - und "mit ihrem Einsatz die touristische Nutzung der Düne aufrechterhalten", wie es bei der Gemeinde heißt. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands gibt es landesweit kein vergleichbares Projekt.

Denn die Gemeinde Helgoland mit ihren rund 1500 Einwohnern hat eine Besonderheit, die es auch auf anderen Inseln nicht gibt und auf dem Festland schon gar nicht. Helgoland besteht nicht nur aus dem markanten Felsen, sondern eben auch aus der vorgelagerten Düne.

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Die ist im Winterhalbjahr zwar nicht bewohnt, aber im Sommer werden auf der Düne Bungalows touristisch vermietet. Zudem gibt es einen Zeltplatz. Auf die Düne kommt man nur mit dem Boot.

Doch auch hier muss die Hilfsfrist von wenigen Minuten gewahrt bleiben. Von der Hauptinsel brauchen die Feuerwehrleute zu lange. Daher wurde der sogenannte Dünendienst eingerichtet.

"Solange auf der Düne vermietet wird, laden wir Feuerwehrkameraden vom Festland ein, hier für 14 Tage Feuerwehrdienst zu machen", sagt Gemeindewehrführer Heiko Ederleh. Das ist in der Regel von März bis Oktober.

Bundesweite Nachfrage an Feuerwehrjob auf Helgoland

Die Feuerwehrwache im Hafen auf dem Unterland der Hochseeinsel Helgoland.
Die Feuerwehrwache im Hafen auf dem Unterland der Hochseeinsel Helgoland.  © Marcus Brandt/dpa

Die Helgoländer haben keine Probleme, genug Kameraden für den Dienst auf der Düne zu gewinnen. "Das ist ein ganz begehrter Job", sagt Ederleh. Es bestehe bundesweit Nachfrage.

Das erste Zugriffsrecht haben aber die Feuerwehren im Kreis Pinneberg, zu dem Helgoland gehört. Restplätze werden bundesweit verteilt. Man könne sich bewerben, sagt Vorndran. "Und mit viel Glück erhält man den Zuschlag."

Untergebracht werden die Feuerwehrleute vom Festland in Bungalows auf der Düne, bis zu drei Familienangehörige dürfen kostenlos mitreisen. Die Leute sollten auf der Düne eine schöne Zeit verbringen - und im Fall der Fälle schon einmal eingreifen, bis die Einsatzkräfte von der Hauptinsel übergesetzt haben.

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Kleinere Unfälle passierten laut Ederleh immer mal wieder. "Gott sei Dank hatten wir auf der Düne in den letzten Jahren aber nichts Größeres gehabt."

Wer auf der Düne Dienst tun will, muss besondere Qualifikationen mitbringen. Zum Beispiel einen Lkw-Führerschein haben, um das Feuerwehrfahrzeug, das auf der Düne stationiert ist, auch lenken zu dürfen, und insbesondere Atemschutzgeräteträger sein.

Felix Vorndran ist ein solcher Atemschutzgeräteträger. Er tut in diesem Sommer zum ersten Mal Dienst auf der Düne, gemeinsam mit drei Kameraden aus dem Kreis Pinneberg. Auf der Hauptinsel hat er aber schon mehrfach ausgeholfen.

"Weil die Kräfte der freiwilligen Feuerwehr zu dem Zeitpunkt aufs Festland gefahren sind, um Urlaub zu machen."

Aus der Suche nach einer Urlaubsvertretung entstand die Idee

Felix Vorndran kontrolliert die Gerätschaften des Einsatzfahrzeugs in der Feuerwehrwache während seines Dünendienstes auf der Düne der Hochseeinsel Helgoland.
Felix Vorndran kontrolliert die Gerätschaften des Einsatzfahrzeugs in der Feuerwehrwache während seines Dünendienstes auf der Düne der Hochseeinsel Helgoland.  © Marcus Brandt/dpa

Ederleh steht im Gerätehaus auf dem Oberland. Noch so eine Besonderheit auf Helgoland: Wegen der zum Teil sehr steilen und nur wenigen mit großen Fahrzeugen zu befahrenden Straßen zwischen dem oberen und dem unteren Teil der Insel gibt es zwei Feuerwehrhäuser mit vier beziehungsweise drei Feuerwehrfahrzeugen. Eines auf dem Oberland und eines auf dem Unterland.

An diesem Abend ist die Fahrzeughalle auf dem Oberland leer. Die Kameraden sind wie jede Woche zu einer Übung ausgerückt. Jetzt im Sommer sind die meisten da.

Ederleh erinnert sich aber an einen Fall vor ein paar Jahren, als in den Herbstferien fast die gesamte Feuerwehr in den Urlaub fahren wollte. "Da mussten wir uns was einfallen lassen. Wir können ja nicht einfach sagen, wir machen zu."

Damals kam jemand auf die Idee, es so zu machen wie auf der Düne und bundesweit nach Urlaubsvertretungen zu suchen. "Das Ganze hat sechs Minuten gedauert, dann lagen über 1500 E-Mails bei der Gemeinde vor", sagt Ederleh. "Und dann wurden die Leute eingeladen, hierherzukommen - und wir konnten alle in Urlaub fahren."

Einem der Kameraden, der damals mit Vorndran zu den ersten vier Verstärkungskräften auf der Insel gehörte, hat es so gut gefallen, dass er nach einigen Vertretungen nach Helgoland gezogen ist. Er ist jetzt als hauptamtlicher Gerätewart bei der Gemeinde angestellt.

Auch Vorndran kommt immer wieder gerne nach Helgoland zurück. Der Verwaltungsbeamte findet es schön, Freizeit und Hobby vereinen zu können, seine Familie mitbringen zu dürfen.

Auch die Freundschaften, die Kameradschaft, die bei seinen Aufenthalten hier entstanden sind, möchte er nicht missen. "Ich würde es auf jeden Fall wieder machen."

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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