Möllner Brandanschläge jähren sich zum 30. Mal, das Entsetzen bleibt

Mölln - Am 23. November jähren sich die rassistischen Brandanschläge von Mölln (Schleswig-Holstein) mit drei Toten zum 30. Mal.

Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern 1992 das nach einem rechtsextremistischen Brandanschlag völlig ausgebrannte Haus in der Möllner Mühlenstraße.
Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern 1992 das nach einem rechtsextremistischen Brandanschlag völlig ausgebrannte Haus in der Möllner Mühlenstraße.  © Rolf Rick/dpa

Die Stadt erinnert mit einem Gedenkgottesdienst und Kranzniederlegungen an den beiden Anschlagsorten an die Ereignisse, die bis heute bundesweit für Erschütterung sorgen.

Das dokumentieren auch fast 500 Briefe an die Überlebenden, die seit 2021 im Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) in Köln archiviert werden.

"Unter den Briefen, Postkarten, Trauerkarten und Zeichnungen aus dem In- und Ausland sind auch rührende Botschaften der Anteilnahme von Kindern und konkrete Hilfsangebote für die Familien, die bei den Anschlägen Angehörige verloren haben", sagte der Pressesprecher des Dokumentationszentrums, Timo Glatz.

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In der Nacht zum 23. November 1992 hatten zwei Neonazis Brandsätze auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser in der Möllner Altstadt geworfen. Dabei wurden die 51 Jahre alte Bahide Arslan sowie ihre Enkelinnen Yeliz Arslan (10) und Ayşe Yilmaz (14) getötet. Neun weitere Menschen wurden verletzt.

Die damals 19 und 25 Jahre alten Täter wurden wegen dreifachen Mordes zu zehn Jahren Jugendstrafe beziehungsweise zu lebenslanger Haft verurteilt. Beide haben ihre Strafen inzwischen verbüßt.

Briefe erreichten die Hinterbliebenen zunächst nicht

Zwei Neonazis hatten Brandsätze auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser geworfen.
Zwei Neonazis hatten Brandsätze auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser geworfen.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Stadt Mölln rief unmittelbar nach den Anschlägen dazu auf, den Hinterbliebenen zu schreiben und so Anteilnahme zu bekunden. "Aus unbekannten Gründen erreichten die meisten dieser Briefe die Familien aber nicht", sagte Glatz. Stattdessen seine sie im Möllner Stadtarchiv gelandet.

Erst im Jahr 2019 wurde İbrahim Arslan, einer der Überlebenden des Brandanschlages, auf die Briefe aufmerksam. "Wenn wir damals von der Anteilnahme und Solidarität in der Gesellschaft gewusst hätten, hätte uns das damals geholfen und ein wenig Trost gespendet", sagte er.

"Die meisten Briefe waren an eine türkische Teestube als Treffpunkt der türkischen Gemeinschaft adressiert", sagte Möllns Bürgermeister Ingo Schäper.

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"Als die geöffneten Briefe unserem Stadtarchiv übergeben wurden, haben wir es leider versäumt, das den Hinterbliebenen mitzuteilen", räumte er ein. Zu der Gedenkveranstaltung am Mittwoch erwartet er wie in den Vorjahren viele Teilnehmer.

Titelfoto: Rolf Rick/dpa

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