Oberbürgermeister Kämpfer: "Sollten die Gasspeicher leer sein, werden wir (...) radikale Maßnahmen ergreifen müssen"

Kiel - Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel prüft weitreichende Maßnahmen gegen eine mögliche Gasknappheit ab Herbst.

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (50, SPD): "Sollten die Gasspeicher leer sein, werden wir im Winter oder im Frühjahr radikale Maßnahmen ergreifen müssen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können."
Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (50, SPD): "Sollten die Gasspeicher leer sein, werden wir im Winter oder im Frühjahr radikale Maßnahmen ergreifen müssen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können."  © Markus Scholz/dpa

Mit einem konkreten Szenario befasst sich derzeit eine Arbeitsgruppe, wie Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (50, SPD) der Deutschen Presse-Agentur sagte.

In städtischen Räumen werde nur noch die gesetzliche Mindestanforderung von 20 Grad erfüllt. "Ich bin auch bereit, noch weiter herunterzugehen, wenn es rechtlich vom Bund erlaubt wird." Ansonsten bereite die Stadt diverse Maßnahmen vor, die im Laufe der Heizperiode wahrscheinlich umgesetzt werden müssen.

"Dann werden wir sehen, welchen Instrumentenkoffer wir haben - von der Nachtbeleuchtung bis hin zur Wärme in Schulen, Schwimmbädern und anderen Einrichtungen", sagte Kämpfer, der auch stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetags ist. Er forderte den Bund auf, drohende Insolvenzen von Stadtwerken mit Liquiditätshilfen abzufangen.

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"Sollten die Gasspeicher leer sein, werden wir im Winter oder im Frühjahr radikale Maßnahmen ergreifen müssen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können", sagte Kämpfer. Derzeit sei noch ungewiss, wie tief die Krise am Ende sein wird und welche schmerzhaften Einschnitte sie erfordert.

Klar sei, dass Schulen und Kitas in ihrem Betrieb nicht gefährdet sein dürfen.

"Wir fangen mit kleinen Dingen an"

Zuallerletzt würden im Fall der Fälle Heizungen von Privatleuten betroffen sein, betonte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (50, SPD).
Zuallerletzt würden im Fall der Fälle Heizungen von Privatleuten betroffen sein, betonte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (50, SPD).  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Bisher wurden nur wenige Maßnahmen beschlossen. So haben die Stadtwerke das populäre Eisfestival abgesagt, und das Außenbecken im Hörnbad wird nicht beheizt. "Wir fangen mit kleinen Dingen an", erläuterte Kämpfer. "Wir werden wahrscheinlich Woche für Woche, Monat für Monat schauen müssen, was geht."

Jedes Konzept werde vorläufig sein, weil sich die Dinge täglich änderten. "Bevor ich das Schulschwimmen in unserem Hörnbad stoppe, werde ich sicher erst die Sauna dort schließen, und davor sie sicher erst einmal um zwei, drei Grad herunterschalten." Bevor die Stadt eine Einrichtung schließe, werde sie gewiss erst einmal prüfen, ob das Herunterschalten um einige Grad möglich und ausreichend ist.

Die Stadtverwaltung prüfe Energiesparmaßnahmen auf technische und rechtliche Machbarkeit, um sie dann mit der Ratsversammlung auch im Hinblick auf die Priorisierung zu beraten, sagte der Oberbürgermeister.

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"Es geht ja nicht nur um reines Verwaltungshandeln, wenn zu entscheiden ist, was mit den Schwimmbädern geschehen soll oder mit dem Stadion der Zweitligafußballer von Holstein Kiel." Viele sagten, es müsse gespart werden - aber nicht bei ihnen.

"Wir als Kommune müssen sagen, was geht."

Zukunftsaussichten sind noch ungewiss

Niemand wisse zurzeit, ob das Gasproblem glimpflich ausgeht oder ob es wirklich dramatisch wird, sagte Kämpfer. "Wir müssen in den nächsten Wochen verbindliche Ziele und Vorgaben festlegen, um die angestrebten 20 Prozent Energieeinsparung zu erreichen, und wir müssen sagen, in welcher Reihenfolge wir das machen wollen."

Wichtig sei dabei auch, welchen konkreten Nutzen eine Maßnahme hat und wie hoch der jeweilige Einspareffekt ist. "Wir dürfen nicht panisch und irrational vorgehen, aber wir werden alle miteinander unsere Komfortzone verlassen müssen."

Zuallerletzt würden im Fall der Fälle Heizungen von Privatleuten betroffen sein, betonte Kämpfer. Im Übrigen tue sich in der Industrie schon sehr viel, was Einsparungen angeht, während das nach Einschätzung der Bundesnetzagentur bei Privatverbrauchern noch nicht so erkennbar sei.

"Verbindliche Vorgaben werden desto geringer sein, je mehr wir freiwillig etwas tun", sagte Kämpfer.

Titelfoto: Markus Scholz/dpa

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