Ostsee-Urlaub: Rettungsschwimmer befürchten mehr Badeunfälle

Dahme - Drohen in diesem Sommer mehr Badeunfälle? Das befürchten zumindest Rettungsschwimmer der DLRG an der Ostsee. 

Eine Rettungsschwimmerin steht auf einem DLRG-Turm. (Archivbild)
Eine Rettungsschwimmerin steht auf einem DLRG-Turm. (Archivbild)  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Das Wetter im Norden stellt sich gerade auf Sommer mit viel Sonne und Hitze ein. Die Schulferien in Mecklenburg-Vorpommern haben begonnen. Berlin, Brandenburg und Hamburg ziehen am Donnerstag nach. Schleswig-Holstein und das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen folgen am Montag. 

Wegen der Corona-Pandemie werden vermutlich viele Menschen Urlaub in Deutschland machen, vor allem an Nord- und Ostsee dürfte es voll werden. 

Hochsaison auch für die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). 

Die stehen angesichts der vielen Urlauber und der Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus vor vielen Problemen

Denn die gelten auch für die Lebensretter. Eigentlich müssten sie den Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten sowie Mund- und Nasenschutz tragen. Das ist bei der Rettung von Menschen aber kaum möglich. 

Auf die Mund-zu-Nase-Beatmung sollen die Rettungsschwimmer im Ernstfall verzichten. Stattdessen soll nur die Herzdruckmassage durchgeführt werden, berichtet Helena Liebich dem Spiegel

Die Rettungsschwimmerin ist am Ostseestrand in Dahme an der Lübecker Bucht stationiert und sieht sich in einem Gewissenskonflikt. "Weil man genau weiß und gelernt hat, dass der Sauerstoff wichtig ist." 

In den meisten Notfällen sei die Herzdruckmassage trotzdem ausreichend. Außerdem hat das DLRG Defibrillatoren, die zum Einsatz gebracht werden können. Im Ernstfall gehen Menschenleben aber vor Hygiene.

Kinder konnten nicht zum Schwimmunterricht gehen

Mona Ebermann (links) und Louis Colli sind am Ostseestrand von Karlshagen auf der Insel Usedom für die Sicherheit der Badegäste im Einsatz.
Mona Ebermann (links) und Louis Colli sind am Ostseestrand von Karlshagen auf der Insel Usedom für die Sicherheit der Badegäste im Einsatz.  © Stefan Sauer/dpa

Auch die Unterkünfte für die ehrenamtlichen Retter sind ein Problem. Wegen der Abstandsregeln darf in Dahme nur noch ein Freiwilliger pro Zimmer untergebracht werden. Die andere Hälfte muss anderweitig schlafen. 

In Dahme klappt das, aber wo das nicht geht, besteht die Gefahr, dass manche Strandabschnitte schlechter beobachtet werden können. 

Daher appelliert die DLRG, generell nur in den Zonen zwischen den gelb-roten Flaggen zu baden. Das signalisiert, dass der Strandabschnitt von Rettungsschwimmern bewacht wird. 

Die müssen sich dieses Jahr wohl auf mehr Badeunfälle einstellen. "Ich denke schon, dass es dieses Jahr leider erhöht zu Verletzungen kommen wird, hoffentlich nicht zu Toten", sagt Ralf Grimmling, DLRG-Teamleiter in Dahme zum Spiegel. 

Vor allem Kinder sind gefährdet. Daran ist der fehlende Schwimmunterricht schuld.

Durch die coronabedingte Schließung der Schwimmbäder  und der Schulen verfügt einer DLRG-Schätzung zufolge ein Drittel der Grundschüler nicht über ausreichende Schwimmfähigkeiten. 

In erster Linie sind es aber vermeintlich geübte Schwimmer, die verunglücken. Die Hauptursachen für schwere Badeunfälle seien in erster Linie Leichtsinn, Selbstüberschätzung und mangelnde Schwimmfähigkeiten. Im Jahr 2019 ertranken 417 Menschen, davon 80 Prozent Männer. 950 Menschen wurden gerettet. 

Titelfoto: Stefan Sauer/dpa

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