Flutkatastrophe in Deutschland: Anzahl der Toten steigt weiter an

Mainz/Köln - Während sich die Wassermassen aus vielen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz langsam zurückziehen, wird in den Trümmern der Katastrophengebiete weiterhin nach Todesopfern gesucht. Bis zum Samstagmittag stieg diese Zahl auf mehr als 143.

Rheinland-Pfalz, Kordel: Mit Eimern und Schubkarre entsorgen Anwohner die Schlammmassen nach dem Hochwasser der Kyll. Zahlreiche Häuser im Ort waren betroffen, Bewohner mussten evakuiert werden.
Rheinland-Pfalz, Kordel: Mit Eimern und Schubkarre entsorgen Anwohner die Schlammmassen nach dem Hochwasser der Kyll. Zahlreiche Häuser im Ort waren betroffen, Bewohner mussten evakuiert werden.  © Harald Tittel/dpa

In Rheinland-Pfalz kamen nach offiziellen Angaben mindestens 98 Menschen ums Leben, in Nordrhein-Westfalen 45.

Allein im Großraum Ahrweiler starben nach Angaben der Polizei über 90 Menschen. Es sei zu befürchten, dass noch weitere hinzukämen, teilte die Polizei Koblenz mit.

In beiden Bundesländern werden zudem noch viele Menschen vermisst, ihre genaue Zahl bleibt weiterhin unklar. Am Samstag sollten die Such- und Rettungsarbeiten weitergehen.

Sachsenwetter: Packt die Herbstklamotten aus, es ist (fast) soweit!
Wetter Sachsenwetter: Packt die Herbstklamotten aus, es ist (fast) soweit!

Bei mancherorts sinkenden Pegelständen und weniger Regen deutete sich immerhin etwas Entspannung an. Dennoch: Einige Orte bleiben weiterhin evakuiert. Am Freitagnachmittag waren noch rund 102.000 Menschen ohne Strom.

Auch in Baden-Württemberg machten Unwetter und Hochwasser den Menschen zu schaffen. In einigen Regionen wurden erneut Straßen gesperrt, im Allgäu stand ein Wohngebiet unter Wasser.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Starkregen und Gewittern etwa in Oberschwaben. Vor allem in kleineren Gewässern könne der Wasserstand schnell ansteigen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) kommt am Samstag in den von der Flutkatastrophe besonders hart getroffenen Rhein-Erft-Kreis (Nordrhein-Westfalen), Angela Merkel (67, CDU) plant am Sonntag einen Besuch in der schwer verwüsteten Region in Rheinland-Pfalz.

Bei einer Videokonferenz mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) hatte sie am Freitag kurz- und langfristige Unterstützung durch den Bund für die betroffenen Menschen zugesichert.

+++ Was in den vergangenen Tage bereits in den betroffenen Katastrophengebieten passierte, lest Ihr im TAG24-Ticker zur Flutkatastrophe vom gestrigen Freitag. +++

Update, 17. Juli, 20.41 Uhr: Laschet lacht bei Steinmeier-Rede und entschuldigt sich nun für "falschen Eindruck"

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) hat sich für den Eindruck entschuldigt, er habe sich während der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) im nordrhein-westfälischen Hochwassergebiet unangemessen verhalten.

Er bedauere den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden sei. "Dies war unpassend und es tut mir leid", schrieb Laschet am Samstagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. "Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben."

Auf Fernsehbildern und Aufnahmen von Fotografen ist der CDU-Politiker während einer Rede des Bundespräsidenten in Erftstadt im Hintergrund zu sehen. In einer Sequenz scherzen Laschet und seine Begleiter. Zu sehen ist, wie er sich lachend zu seinen Begleitern dreht. Mehr dazu im TAG24-Artikel Laschets Lachen während der Hochwasser-Katastrophe.

So lachte und feixte Bundeskanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) am Samstag während Bundespräsident Steinmeier ein paar Meter vor ihm sein Beileid für alle Flutopfer ausdrückte.
So lachte und feixte Bundeskanzlerkandidat Armin Laschet (60, CDU) am Samstag während Bundespräsident Steinmeier ein paar Meter vor ihm sein Beileid für alle Flutopfer ausdrückte.  © Marius Becker/dpa

Update, 17. Juli, 20.03 Uhr: Zahl der Toten nach Überschwemmungen in Belgien steigt auf 27

Die Hochwasserkatastrophe in Belgien hat mindestens 27 Menschen das Leben gekostet.

Das Nationale Krisenzentrum des Landes teilte mit, dass noch über 100 Menschen vermisst würden. Darunter könnten Menschen sein, die zum Beispiel ihr Handy verloren haben. Die Rettungskräfte setzten ihre Bemühungen vor Ort fort, nachdem die Regenfälle vielerorts am Freitag aufgehört hatten.

Update, 17. Juli, 18.50 Uhr: Zahl der Toten steigt in NRW auf 45

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe auf 45 gestiegen.

Das teilte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Samstagabend mit. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer gegenüber Freitag um zwei erhöht.

Während die Zahl der Todesfälle steigt und sich die Wassermassen langsam zurückziehen, wird in den Überschwemmungsgebieten nach und nach das Ausmaß der Schäden sichtbar.
Während die Zahl der Todesfälle steigt und sich die Wassermassen langsam zurückziehen, wird in den Überschwemmungsgebieten nach und nach das Ausmaß der Schäden sichtbar.  © Marius Becker/dpa

Update, 17. Juli, 18.30 Uhr: Vier Feuerwehrleute bei Hochwasser-Einsätzen in NRW gestorben

Bei den Hochwassereinsätzen in Nordrhein-Westfalen haben mindestens vier Feuerwehrleute ihr Leben verloren. Das teilte der Verband der Feuerwehren (VdF) am Samstag mit.

Neben den beiden in Altena und Werdohl gestorbenen Männern seien zwei weitere Todesfälle gemeldet worden. In Nettersheim (Kreis Euskirchen) sei ein Feuerwehrangehöriger bei einem Rettungseinsatz ums Leben gekommen. Ein weiterer Feuerwehrangehöriger der Feuerwehr Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) sei im Einsatz leblos aufgefunden worden und später im Krankenhaus gestorben.

Update, 17. Juli, 18.08 Uhr: Niederländer kämpfen weiter gegen Hochwasser entlang der Maas

Im Süden der Niederlande haben die Anwohner entlang der Maas am Samstag mit Sandsäcken und Schutzmaßnahmen den Kampf gegen das Hochwasser fortgesetzt.

Mit einem Absinken des Wassers wurde in Roermond am Sonntagmorgen und in Venlo am Sonntagabend gerechnet, teilten die Behörden mit. In Venlo an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen war am Freitag ein Krankenhaus mit 200 Patienten vorsorglich evakuiert worden. In der Stadt und umliegenden Orten wurden Tausende Menschen zum Verlassen ihrer Wohnungen aufgerufen. Zwar richteten die Fluten erhebliche materielle Schäden an, Berichte über Verletzte gab es aber nicht.

Die Hochwasserkatastrophe betrifft nicht nur Deutschland: Auch die Maas in Belgien und den Niederlanden ist über ihre Ufer getreten.
Die Hochwasserkatastrophe betrifft nicht nur Deutschland: Auch die Maas in Belgien und den Niederlanden ist über ihre Ufer getreten.  © Eric Lalmand/belga/dpa

Update, 17. Juli, 17.35 Uhr: Kuh wird 100 Kilometer von Hochwasser mitgetrieben

Eine in den Niederlanden von der Hochwasser führenden Maas mitgerissene Kuh ist rund 100 Kilometer weiter aus dem Fluss gerettet worden.

"Es ist für uns sehr überraschend, dass die Kuh so eine Strecke überstanden hat", sagte ein Feuerwehrmann dem Sender "Omroep Brabant" am Samstag. "Ob das Tier die ganze Zeit mitgetrieben wurde, ober ob es auch Abschnitte gab, wo es mit den Füßen den Boden berührte, wissen wir nicht."

Die schließlich im Uferbereich der Maas feststeckende Kuh wurde am Samstag in Escharen südlich der Grenzstadt Nimwegen gerettet, nachdem Anwohner die Hilfsdienste alarmiert hatten. Wie sich herausstellte, stammt die Kuh aus dem Ort Echt im Süden der Niederlande, rund 100 Kilometer entfernt.

Update, 17. Juli, 17.13 Uhr: Anzahl der Toten in Rheinland-Pfalz steigt weiter an

Nach der Hochwasserkatastrophe ist die Zahl der bestätigten Todesopfer in Rheinland-Pfalz auf 98 gestiegen.

"Es ist zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen", sagte ein Sprecher der Polizei in Koblenz am späten Samstagnachmittag. Zudem waren der Polizei 670 verletzte Personen im Kreis Ahrweiler bekannt. Auch mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst. Über die genaue Zahl konnte der Sprecher keine Angaben machen.

Ein Bild der Fluten in Bad Neuenahr im Landkreis Ahrweiler, dort hat das Hochwasser in Rheinland-Pfalz besonders heftig zugeschlagen.
Ein Bild der Fluten in Bad Neuenahr im Landkreis Ahrweiler, dort hat das Hochwasser in Rheinland-Pfalz besonders heftig zugeschlagen.  © Thomas Frey/dpa

Update, 17. Juli, 16.58 Uhr: Behörden geben teilweise Entwarnung für Hochwasserlage in Bayern

Die befürchteten schweren Hochwasser bleiben in Bayern überwiegend aus.

In Niederbayern werden für den Inn und die Donau keine größeren Überschwemmungen erwartet, wie die Stadt Passau am Samstag mitteilte. Die erwarteten Pegel für die beiden Flüsse wurden demnach nach unten korrigiert. Für die Donau erwartete der Hochwassernachrichtendienst (HND) in der Nacht auf Sonntag maximal das Erreichen der Meldestufe 2. Der Inn soll nicht einmal Meldestufe 1 erreichen.

Update, 17. Juli, 16.41 Uhr: Landkreistag-Präsident für Katastrophen-Warnungen per SMS

Nach den massiven Überflutungen im Westen Deutschlands sieht der Landkreistag Reformbedarf im Katastrophenschutz.

"Die Landkreise als Katastrophenschützer vor Ort tun alles Mögliche, die Lage in den betroffenen Landkreisen in den Griff zu bekommen", sagte der Präsident des kommunalen Spitzenverbandes, Reinhard Sager, am Samstag. "Wir brauchen allerdings eine noch besser eingespielte Zusammenarbeit zwischen den Kommunen, den Ländern und dem Bund", fügte Sager hinzu.

Beispielsweise wäre es gut, wenn Warnungen per SMS auf allen Mobiltelefonen sofort sichtbar würden, sobald konkrete Gefahr droht. "Das sollte bei größeren sich anbahnenden Katastrophen damit auch auf älteren Handys und ohne zu installierende Apps möglich sein", sagte Sager. In diesen Fragen sei die Politik generell noch zu zögerlich.

Update, 17. Juli, 16.26 Uhr: Ministerpräsident Laschet besucht Notunterkunft für Hochwasser-Opfer

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) hat am Samstag in Erftstadt ein Unterkunft für durch das Hochwasser wohnungslos gewordene Menschen besucht.

In der zum Aufenthaltsraum umfunktionierten Kantine eines Gymnasiums traf der CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat mit etwa 20 Bewohnern zusammen, wie ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Dort waren Frauen mit Kindern, Paare und Alleinstehende versammelt. Anschließend sah sich der Ministerpräsident Kleiderspenden für die Menschen an, die ihr Obdach verloren haben.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU, M.) macht sich ein eigenes Bild einer Notunterkunft in Erftstadt.
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU, M.) macht sich ein eigenes Bild einer Notunterkunft in Erftstadt.  © Oliver Berg/dpa

Update, 17. Juli, 16.10 Uhr: Polizeihubschrauber zeigt Bilder der Zerstörung nach dem Ahr-Hochwasser

Die Polizei Thüringen hat auf Twitter eine Reihe an Bildern geteilt, auf denen das Ausmaß der Zerstörung durch das Hochwasser in der Ahr zu erkennen ist.

"Aktuell fliegt unser Hubschrauberteam mit dem Habicht einen Aufklärungseinsatz mit einem Geologen. Wir sollen den Flusslauf der Ahr aufklären und die Gefahr durch Erdrutsche, Umweltschäden & die Steilhänge beurteilen", heißt es darin.

Update, 17. Juli, 15.48 Uhr: "Überwältigende Hilfsbereitschaft" - Nach Flut treffen Spenden ein

Nach der Flutkatastrophe in Teilen von Rheinland-Pfalz gehen Abertausende von Sachspenden zur Linderung der Not ein.

"Die Hilfsbereitschaft aus Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern ist überwältigend", sagte ein Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Sowohl verschiedene Feuerwehren des Landes als auch Hilfsorganisationen, Unternehmen und private Initiativen hätten mittlerweile in vielen Kommunen des Landes Sammelstellen eingerichtet. "Im Moment kommt soviel an, dass es für die Helfer schwierig ist, den Überblick zu behalten", sagte der Sprecher.

Titelfoto: Thomas Frey/dpa

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