Kachelmann nach Flutkatastrophe frustriert: "Es hat sich seither nichts verändert"

Schweiz - Jörg Kachelmann (63) klingt frustriert. Der Meteorologe übt angesichts der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie dem Hochwasser in Bayern scharfe Kritik an den Medien.

Jörg Kachelmann (63) will durch bessere Berichterstattung Menschenleben schützen.
Jörg Kachelmann (63) will durch bessere Berichterstattung Menschenleben schützen.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Während im Westen Deutschlands noch Vermisste gesucht werden und die Aufräumarbeiten laufen, steigen wegen Dauerregens im Alpenraum die Pegelstände. Im Berchtesgadener Land wurde der Katastrophenfall ausgerufen.

Dass schwere Unwetter bevorstanden, war absehbar. Die Modelle der Meteorologen hatten es seit Tagen vorhergesagt.

Zuletzt rechnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) damit, dass am Wochenende im Alpenraum innerhalb weniger Stunden bis zu 90 Liter Regen auf den Quadratmeter fallen können – in Staulagen sogar 160 Liter. Genauso kam es. Nochmal ganz deutlich: Man war vorgewarnt.

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Was Kachelmann nun kritisiert: Aus seiner Sicht haben die öffentlich-rechtlichen Medien versagt. Statt Reporter an Bäche und Flüsse zu schicken und aus Krisenzentren zu berichten, lief am Samstagabend das normale TV-Programm im BR. Und das nur wenige Tage, nachdem dem WDR das gleiche Verhalten vorgeworfen wurde.

"Ich werde es nie verstehen. Das Geld von den Menschen nehmen. Für die Menschen nichts tun", schrieb der 63-Jährige auf Twitter.

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Jörg Kachelmann greift Fall aus der Vergangenheit auf

Am Wochenende überschwemmte Dauerregen den Alpenraum.
Am Wochenende überschwemmte Dauerregen den Alpenraum.  © Kilian Pfeiffer/dpa

Auf den Hinweis, dass auf BR24 aktuelle Informationen laufen würden, antwortete er ironisch: "Genau, das ist ganz sicher das Medium, das die meisten Menschen erreicht."

Dann zählte er auf, was er vom Sender erwarte: "Mit vielen Live-Schalten um zu zeigen, wie das Wasser steigt und wo. Mit Karten. Wer gefährdet ist und wer nicht. Wo es wie viel geregnet hat. Und wo wie viel noch kommt."

In seiner Medienkritik fühlt sich der in der Schweiz lebende 63-Jährige an das Jahr 2016 erinnert. Ab Ende Mai gab es damals eine Unwetter-Serie mit Starkregen, Überschwemmungen und sogar Tornados. Elf Menschen starben, etliche wurden verletzt – darunter mehr als 80 durch Blitzeinschläge beim Festival "Rock am Ring".

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Schon damals kritisierte Kachelmann die öffentlich-rechtlichen Medien sowie abgebaute Sirenen und schrieb: "Die Toten aus Schlamm und Wasser sind Tote, die hätten vermieden werden können." Die Sender hätten ihren "eigentlichen Auftrag schamlos, wissentlich und willentlich ignoriert".

"Es wäre so wichtig gewesen, dass die öffentlich-rechtlichen Medien ihre Verantwortung wahrnehmen, weil viele Menschen verlernt haben, sich selbst aktiv zu bemühen, wenn es um Wettervorhersage und den Schutz des eigenen Lebens geht."

Fünf Jahre danach zieht Kachelmann angesichts der aktuellen Unwetter ein bitteres Fazit. "Es hat sich seither nichts verändert."

Titelfoto: Montage: Kilian Pfeiffer/dpa, Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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