Wetter-Katastrophe in NRW dauert an: Bislang 30 Todesopfer

Köln/NRW - Das schwere Unwetter mit Starkregen und Hochwasser hat in Nordrhein-Westfalen nach ersten Erkenntnissen mindestens 30 Menschenleben gefordert. Die Polizei Köln hat nach eigenen Angaben 45 Ermittler extra im Einsatz. Noch seien nicht alle Leichen geborgen.

Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist bei Hochwasser im Stadtteil Kornelimünster in Aachen unterwegs.
Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist bei Hochwasser im Stadtteil Kornelimünster in Aachen unterwegs.  © Ralf Roeger/dmp press/dpa

Ganze Landstriche sind verwüstet, Orte von der Außenwelt abgeschnitten, Häuser weggespült: Nach den Unwettern im Westen Deutschlands sind mindestens 52 Menschen gestorben, 30 davon in NRW.

Im Kreis Euskirchen im Süden des Landes kamen nach Behördenangaben 15 Menschen ums Leben.

Genauere Angaben zur Todesursache machte der Kreis zunächst nicht.

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Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland führten am Donnerstag weiterhin Hochwasser und waren am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag über die Ufer getreten.

Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll. Tausende Feuerwehrleute waren landesweit im Einsatz.

Der Bahnverkehr ist teilweise gestört. In Deutschland traf das Unwetter vor allem NRW und die Eifel in Rheinland-Pfalz.

Extrem-Regen kostet zwei Menschen in Köln das Leben

Bundeswehrsoldaten bringen einen Pionierpanzer Luchs in Hagen in Stellung, um bei der Beseitigung der Schäden zu helfen, die die Überflutung der Nahmer gestern Abend mit sich gebracht hat.
Bundeswehrsoldaten bringen einen Pionierpanzer Luchs in Hagen in Stellung, um bei der Beseitigung der Schäden zu helfen, die die Überflutung der Nahmer gestern Abend mit sich gebracht hat.  © Roberto Pfeil/dpa

In Köln wurden zwei Menschen von der Feuerwehr tot in ihren mit Wasser vollgelaufenen Kellern entdeckt.

Die Leiche einer 72 Jahre alten Frau war am Mittwoch kurz nach 21.30 Uhr, die eines 54-jährigen Mannes kurz vor Mitternacht gefunden worden.

In Rheinbach bei Bonn wurde am Donnerstag eine Frau tot auf einer Straße entdeckt. Ein Zusammenhang mit dem Unwetter sei wahrscheinlich, erklärte die Bonner Polizei.

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Ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann kollabierte bei einem Unwettereinsatz im sauerländischen Werdohl und starb trotz Reanimationsversuchen. Die Polizei ging von einer Herzattacke aus.

Wenige Stunden zuvor war in Altena im Sauerland ein Feuerwehrmann bei der Rettung eines Mannes ertrunken.

Der 46-Jährige war nach Angaben der Polizei im Märkischen Kreis nach der erfolgreichen Bergung beim Einsteigen ins Feuerwehrfahrzeug ins Wasser gefallen und abgetrieben. Kurze Zeit später habe man ihn nur noch tot bergen können.

In Kamen (Kreis Unna) kam ein 77-Jähriger im unter Wasser stehenden Keller seines Hauses ums Leben. In Solingen starb ein 82 Jahre alter Mann nach einem Sturz ebenfalls im überfluteten Hauskeller.

Solingen, Wuppertal und Stolberg schwer getroffen

Ein Auto ist in Hagen von Schutt bedeckt, den die Überflutung des Nahmerbach am Vorabend mit sich gebracht hatte.
Ein Auto ist in Hagen von Schutt bedeckt, den die Überflutung des Nahmerbach am Vorabend mit sich gebracht hatte.  © Roberto Pfeil/dpa

Mehrere Häuser sowie ein Tierheim wurden am frühen Donnerstagmorgen in Solingen-Unterburg aufgrund des Hochwassers evakuiert.

In Wuppertal stellte die Justiz die Rechtsprechung ein. Das Justizzentrum liegt unmittelbar an der Hochwasser führenden Wupper.

In Leverkusen wurde ein Krankenhaus geräumt.

Unwetterartige Regenfälle hatten seit Mittwochnacht für Überschwemmungen und Hochwasser gesorgt. Nach Angaben des DWD waren im Süden von NRW bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) machte sich in Altena und in Hagen ein Bild von der Lage. Rund 440 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk und 100 Kräfte der Bundeswehr waren allein in Hagen unterwegs, um der Wassermassen Herr zu werden.

Eine Reise durch Süddeutschland hatte Laschet abgebrochen und auch seine Teilnahme an der CSU-Klausur im bayerischen Seeon abgesagt.

Update, 21.57 Uhr: Viele Hilfsangebote aus Bonn für Ahrweiler

Über 600 Menschen in Bonn haben spontan eine Unterkunft für im Kreis Ahrweiler in Not geratene Bürger angeboten.

Die Stadt Bonn hatte am Nachmittag einen Aufruf gestartet. Die ersten Hilfesuchenden aus dem Kreis Ahrweiler und ihre Bonner Gastgebenden konnten inzwischen zusammen gebracht werden, teilte die Stadt Bonn mit.

Viele Bonnerinnen und Bonner werden möglicherweise erst in den kommenden Tagen kontaktiert werden, um Menschen aus dem Kreis Ahrweiler bei sich unterzubringen, da sich viele Betroffene noch überhaupt nicht melden konnten.

Bei dem großen Angebot an Unterkünften kann es auch sein, dass manche gar nicht kontaktiert werden.

Update, 21.27 Uhr: Maastricht: 10.000 Menschen sollen Wohnungen verlassen

Die südniederländische Stadt Maastricht hat rund 10.000 Bürger und Bürgerinnen aufgerufen, ihre Wohnungen zu verlassen und sich vor dem Hochwasser in Sicherheit zu bringen.

Mehrere Viertel der Stadt in der Provinz Limburg würden evakuiert, teilte die Stadt am Donnerstagabend mit. Es wird erwartet, dass in der Nacht die Maas so stark über die Ufer tritt, dass Wohnviertel überschwemmt werden.

Update, 20.48 Uhr: Erneut Warnung vor Starkregen in Wuppertal und Schwelm

Für Wuppertal und Teile des Ennepe-Ruhr-Kreises hat der Deutsche Wetterdienst am Donnerstagabend erneut vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen gewarnt.

Innerhalb einer Stunde könnten dabei bis zu 40 Liter Regen fallen. Auch vor Sturmböen wurde gewarnt. Eine amtliche Unwetterwarnung galt zunächst bis 20.45 Uhr.

Auch nordöstlich davon in Hagen, Dortmund, im Kreis Unna und in Hamm warnte die Wetterbehörde am Abend vor starkem Gewitter mit kräftigem Regen.

Update, 20.09 Uhr: NRW-Innenministerium meldet mindestens 30 Tote in NRW

Im Zusammenhang mit dem schweren Unwetter sind in Nordrhein-Westfalen mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte das NRW-Innenministerium am Donnerstagabend mit.

57 Personen seien zudem verletzt. Es handele sich bei den Zahlen um den Stand von 18 Uhr.

Stand 18 Uhr wurden der Polizei Köln aus dem Kreis Euskirchen 20 und aus Rheinbach und Swistal drei Tote gemeldet. Noch immer sind nicht alle dieser Leichen geborgen, teilte die Polizei Köln am Abend mit.

Die Suche nach neun vermissten Menschen aus dem Raum Bonn und elf aus dem Raum Euskirchen laufe auf Hochtouren, hieß es.

Update, 19.49 Uhr: Wasserverband: Rurtalsperre läuft gegen 20 Uhr über

Der Wasserverband Eifel-Rur rechnet mit einem Überlaufen der Rurtalsperre am Donnerstag nach 20 Uhr.

Das könnte Folgen für den Unterlauf der Rur haben, sagte ein Sprecher des WVER in Düren. Evakuierungen seien möglich, die Anwohner werden gewarnt.

Zuvor sei bereits die Urfttalsperre übergelaufen, die der Rurtalsperre vorgelagert ist. Dies habe aber nur insofern Folgen gehabt, dass sich die Rurtalsperre schneller gefüllt habe.

Update, 19.48 Uhr: Aufruf in Bonn: Unterkünfte für Menschen aus Ahrweiler gesucht

Ein Einsatzfahrzeug der Bundeswehr räumt in Aachen Geröll von der Straße.
Ein Einsatzfahrzeug der Bundeswehr räumt in Aachen Geröll von der Straße.  © Dagmar Roeger/dpa

Angesichts der großen Unwetterschäden im Kreis Ahrweiler hat die Bonner Oberbürgermeisterin Menschen in ihrer Stadt dazu aufgerufen, Hilfe anzubieten: "Liebe Bonnerinnen und Bonner, bitte stellt Unterkünfte zur Verfügung! Meldet Euch, die Stadt stellt den Kontakt zu Menschen her, die Eure Hilfe brauchen", schrieb Katja Dörner (Grüne) am Donnerstag auf Twitter.

Viele Menschen hätten in Ahrweiler durch den Starkregen in teils dramatischen Aktionen ihr Zuhause verloren. Melden könnten sich nun Privatpersonen, Hotels und Pensionen in Bonn, die noch Zimmer frei hätten.

Die Stadt richtete dafür eine zentrale Koordinierungsstelle ein. Im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler starben bei der Hochwasserkatastrophe mindestens 19 Menschen.

Update, 19.03 Uhr: Einige Städte im Ruhrgebiet sollen Trinkwasser abkochen

In mehreren Städten im Ruhrgebiet sollen Anwohner wegen des Hochwassers ihr Trinkwasser abkochen. "Es ist mit gravierenden Geschmacks- und Geruchsveränderungen zu rechnen", teilte die Stadt am Donnerstag mit. Betroffen seien die Versorgung von Mülheim an der Ruhr (ohne Mintard), Ratingen-Breitscheid und Teile von Oberhausen und Bottrop.

Durch das Hochwasser sei das Uferfiltrat von Flusswasser beeinträchtigt worden, hieß es in der Mitteilung. Die Wasserwerksgesellschaft desinfiziere das Wasser daher mit Ozon, UV-Licht und Chlor "in extrem hoher Konzentration".

Update, 18.27 Uhr: Zwei tote Menschen in überflutetem Keller gefunden

Rettungskräfte haben in einem überfluteten Keller eines Hauses in Geilenkirchen (Kreis Heinsberg) am Donnerstag zwei leblose Personen gefunden.

Die Wiederbelebungsversuche blieben nach Mitteilung der Polizei erfolglos. Nach ersten Ermittlungen handelte sich um zwei Bewohner des Hauses im Alter von 74 und 78 Jahren.

Sie starben noch am Einsatzort. Die genaue Todesursache ist noch Teil der Ermittlungen, wie die Polizei mitteilte.

Titelfoto: Dagmar Roeger/dpa

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