Reiche Ölstaaten helfen keinen Flüchtlingen

Will keine syrischen Flüchtlinge in seinem Land und finanziert lieber Camps in Jordanien und im Libanon: Saudi-König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (79).
Will keine syrischen Flüchtlinge in seinem Land und finanziert lieber Camps in Jordanien und im Libanon: Saudi-König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud (79).

Riad/Dubai - Sie haben Geld und genügend Kapazitäten: Aber Flüchtlinge wollen Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Oman, Kuwait oder die Vereinigten Arabischen Emirate lieber keine aufnehmen - dabei handelt es sich zumeist um ihre muslimischen Glaubensbrüder aus Syrien, Irak oder Afghanistan.

Die Scheichs betreiben lieber Scheckbuch-Diplomatie. In Deutschland wollen die Saudis zum Beispiel für syrische Flüchtlinge 200 Moscheen bauen.

Allein aus Syrien sind seit Beginn des Bürgerkriegs rund vier Millionen Menschen geflohen - viele haben in der benachbarten Türkei oder den viel ärmeren Ländern Jordanien und Libanon Unterschlupf gefunden. Oder in Europa. „Die Golfstaaten sollten sich schämen“, schimpft der syrische Flüchtling Abu Mohammed, der in Jordanien lebt. „Während Europa seine Türen öffnet, machen sie die Schotten dicht.“

Riad und Dubai konzentrieren sich auf den Krieg im Jemen, in dem sie selbst mitmischen. Sie wollen verhindern, dass die schiitischen Huthi-Rebellen dort ihre Macht konsolidieren. Mit den Bomben machen Saudis und Emirate allerdings dort noch mehr Menschen zu Flüchtlingen.

Syrische Flüchtlingskinder mit einer Mutter in einem Lager in Jordanien: Hunderttausende Syrer sind in das Haschemiten- Königreich geflohen.
Syrische Flüchtlingskinder mit einer Mutter in einem Lager in Jordanien: Hunderttausende Syrer sind in das Haschemiten- Königreich geflohen.

Syrer wollen die Saudis nicht aufnehmen, weil sie Angst um die Destabilisierung ihres Königreichs haben. In den kleinen Scheichtümern wie den Emiraten und Katar ist die einheimische Bevölkerung durch die zahlreichen Gastarbeiter aus Südasien bereits in der Unterzahl - dort fürchten sie nun, noch weiter in die Minderheit zu geraten.

Auch die undurchsichtige Rolle der durch Öl reich gewordenen Golf-Scheichs bei der Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) löst Bedenken aus. Wegen ihrer Einmischung in Syrien seien die Golf-Regierungen darüber besorgt, „was diejenigen unternehmen könnten, die zu ihnen kommen“, sagt Sultan Barakat vom Brookings-Institut in Doha.

Laut der libanesischen Zeitung „Al Diyar“ bietet Riad den muslimischen Flüchtlingen, die in Deutschland aufgenommen werden, den Bau von 200 Moscheen an - selbstverständlich nur in Absprache mit der Bundesregierung.

+++ Ticker +++

„Wir sind uns alle darüber im Klaren, dass es nicht bei 800.000 bleiben wird.“
„Wir sind uns alle darüber im Klaren, dass es nicht bei 800.000 bleiben wird.“

+++ NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (54, SPD) hält die Prognose von 800.000 Flüchtlingen für Deutschland in diesem Jahr für überholt: „Wir sind uns alle darüber im Klaren, dass es nicht bei 800.000 bleiben wird.“

+++ Deutschland und Schweden bestehen gemeinsam auf einer verbindlichen Quote für die Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU. Bei einem Treffen verlangten Kanzlerin Angela Merkel (61, CDU) und der schwedische Premier Stefan Löfven (58) einen festen Verteilungsschlüssel für alle 28 EU-Mitglieder.

+++ Die EU-Kommission will überschüssige Milch und andere Molkereiprodukte kostenlos an Flüchtlinge verteilen: Damit könne sowohl den Migranten als auch den Landwirten geholfen werden. Über Details muss noch beraten werden.

+++ Bei der Flucht über das Mittelmeer haben allein seit Freitag 58 weitere Menschen ihr Leben verloren. Unter den Toten ist laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auch wieder ein Kleinkind.

+++ Vizekanzler Sigmar Gabriel (55, SPD) hält es für verkraftbar, dass Deutschland auch in den nächsten Jahren in großem Stil Flüchtlinge aufnimmt: „Ich glaube, dass wir mit einer Größenordnung von einer halben Million für einige Jahre sicherlich klarkämen.“

+++ Auf der griechischen Insel Lesbos ist es erneut zu Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und der Polizei gekommen. Rund 6000 Migranten versuchten, auf eine Fähre nach Piräus zu kommen. Diese kann aber höchstens 2 500 Menschen aufnehmen. Laut Augenzeugen setzte die Polizei Schlagstöcke ein, um die Flüchtlinge daran zu hindern, auf das überfüllte Schiff zu gelangen.

Fotos: imago, dpa


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