Kinder führen die Religions-Kriege ihrer Eltern ins Klassenzimmer

Berlin - Morddrohungen und sogar ein ISIS-Enthauptungsvideo gingen an der Paul-Simmel-Grundschule in Berlin-Tempelhof um. Die erschreckenden Vorfälle, die sich hier zugetragen haben, zeugen von der aktuellen Entwicklung weltweiter Konflikte und wie diese immer mehr Einzug in die hiesigen Klassenzimmer halten. Der Lehrerverband warnt bereits vor "amerikanischen Zuständen an deutschen Schulen."

Auch der Konflikt zwischen Kurden und Türken könnte ebenfalls bald auf die Schulen ausweichen. So gab es bereits mehrere Anschläge auf Moscheen türkischer Verbände - wie in Berlin-Reinickendorf.
Auch der Konflikt zwischen Kurden und Türken könnte ebenfalls bald auf die Schulen ausweichen. So gab es bereits mehrere Anschläge auf Moscheen türkischer Verbände - wie in Berlin-Reinickendorf.  © Paul Zinken/dpa

Die Eltern übertragen den Fanatismus an ihre Kinder, die den Konflikt der Erwachsenen schließlich im Klassenzimmer ebenfalls - mit verstörendem Ausmaß - weiter praktizieren. Die Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren werden zunehmend instrumentalisiert.

"Unsere Tochter wurde von muslimischen Schülern angepöbelt, weil sie nicht an Allah glaubt", berichtete der Vater eines bedrohten Mädchens, dass die Paul-Simmel-Grundschule besucht, dem Berliner Kurier.

Das Mädchen soll auch eine Morddrohung von einem Mitschüler erhalten haben. Man solle sie schlagen und danach umbringen, bekam das Mädchen in der zweiten Klasse zu hören. Kein Einzelfall.

Dieses ausufernde Mobbing gehört zur Tagesordnung an vielen Schulen - nicht nur in den Brennpunkt-Bezirken von Berlin.

Schulen können zunehmend zum Austragungsort sozial-religiöser Konflikte werden, mahnt Meidinger an.
Schulen können zunehmend zum Austragungsort sozial-religiöser Konflikte werden, mahnt Meidinger an.  © DPA

Heinz-Peter Meidinger (63), Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), sieht vor allem Schulen mit extrem hohen Migrationsanteil von über 70 Prozent als betroffen. Bewaffnung mit Messern oder CS-Gas sind nicht selten Bestandteil des Schulranzens.

Zudem seien "grausame Gewaltvideos in den sozialen Netzwerken [...] längst im Schüleralltag angekommen. In Chat-Foren wie WhatsApp verbreiten sich Filme wie das beschriebene ISIS-Enthauptungsvideo wie ein Lauffeuer", so Meidinger im BILD-Interview.

Die Auswirkungen solcher Videos im Zusammenhang mit expliziten Drohungen, seien für die Kinder-Psyche fatal. "Das kann ein Auslöser für schwerste Traumatisierungen sein" und "bei Kindern Todesangst" auslösen.

Dennoch sieht der 63-Jährige "noch kein flächendeckendes Problem an deutschen Schulen". Bisher konzentriere sich die "wachsende Polarisierung und Verschlechterung der Zustände an Problemschulen" vornehmlich auf Ballungsräume wie Berlin oder dem Ruhrpott.

Politiker reagierten nach den antisemitischen Vorfällen entsetzt

Annette Widmann-Mauz erklärt dem Antisemitismus den Kampf.
Annette Widmann-Mauz erklärt dem Antisemitismus den Kampf.  © dpa/JFDA (Bildmontage)

"Es ist unerträglich, dass ein Kind antisemitisch angegriffen und mit dem Tode bedroht wird", teilte Sawsan Chebli (39, SPD), Staatssekretärin in der Berliner Senatskanzlei, auf Twitter mit. "Muslime in Deutschland dürfen hier nicht schweigen. Müssen gemeinsam Antisemitismus bekämpfen."

Bundesaußenminister Heiko Maas (51, SPD) nannte die Vorfälle an der Paul-Simmel-Grundschule in der BILD-Zeitung "beschämend und unerträglich".

Auch die neue Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (51, CDU), verurteilte das religiöse Mobbing und fordert zum Kampf gegen Antisemitismus auf. "Die Regeln unseres Zusammenlebens klar zu vermitteln, kann nie früh genug anfangen - schon in den Kitas und Grundschulen", sagte sie am Montag der BILD-Zeitung. "Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz."

Von der jüngste Aussage "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" von Bundesinnenminister Horst Seehofer (68, CSU) distanzierte sich Widmann-Mauz in der Rheinischen Post und sieht dies ebenfalls . "Solche Sätze bringen uns nicht weiter. Sie liefern keinen Beitrag zur Lösung der Herausforderungen, vor denen wir stehen".

Solche Aussagen bestärken auch das Auseinanderbrechen der Gesellschaft und fördern solche Entwicklungen im Klassenzimmer, so Experten. Der Neuköllner Psychologe Kazim Erdogan, Gründer der ersten türkischen Väter- und Männergruppe führt zudem folgendes Problem an: "Auch fast 60 Jahre nach den ersten Einwanderern aus der Türkei hat sich offenbar noch kein wirkliches 'Wir-Gefühl in der Gesellschaft herausgebildet, sagte er der Berliner Zeitung.

Die Schulen sehen sich der wachsenden Problematik nicht gewachsen und alleine gelassen. Eine Lösung: "Die Regeln unseres Zusammenlebens klar zu vermitteln, kann nie früh genug anfangen - schon in den Kitas und Grundschulen", merkte Widmann-Mauz an. Es wird definitiv Zeit zum Handeln, bevor die Situation außer Kontrolle gerät.


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