Story-Fälscher Relotius geht gegen Enthüllungsbuch vor

Hamburg - Der ehemalige "Spiegel"-Journalist Claas Relotius (33) geht nun juristisch gegen den Mann vor, der ihn einst als Betrüger entlarvte. Das berichtet die "Zeit".

Ex-Spiegel-Journalist Claas Relotius (33).
Ex-Spiegel-Journalist Claas Relotius (33).  © dpa/Ursula Düren

Es war der Medien-Skandal des Jahres: Im Dezember 2018 kam heraus, dass unzählige Geschichten des preisgekrönte "Spiegel"-Reporters Claas Relotius (33) frei erfunden waren. Oder zumindest Teile davon.

Relotius' damaliger Kollege Juan Moreno (47) deckte den Schwindel auf. In seinem Buch "Tausend Zeilen Lüge" beschreibt Moreno ausführlich, wie er dem Story-Fälscher auf die Schliche kam und ihn schließlich entlarvte.

Doch nun ist es Relotius selbst, der seinem Ex-Kollegen unterstellt, Unwahrheiten zu verbreiten:

Laut einem Bericht der "Zeit" wirft der ehemalige "Spiegel"-Journalist dem Enthüllungsautor vor, in seinem Buch Tatsachen verdreht zu haben.

In mehr als 20 Passagen würden "erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen" auftauchen. Relotius habe über seinen Anwalt Christian Schertz (53) bereits eine Unterlassungsklage eingereicht, heißt es.

Zweifel am Wahrheitsgehalt der Schlusspassage

Er deckte den Fälscher-Skandal auf: Juan Moreno (47)
Er deckte den Fälscher-Skandal auf: Juan Moreno (47)  © Mirco Taliercio/Rowohlt Verlag/dpa

Auf den hinteren Seiten seines Buches behauptet Moreno etwa, dass Relotius nachdem er aufgeflogen war, weiter gelogen hat. So schreibt Moreno, dass eine "Spiegel"-Sekretärin Relotius auf einem Fahrrad in Hamburg gesehen hat. Relotius habe aber jemand anderem erzählt, er sei in einer Klinik in Süddeutschland.

Problem: Moreno hat gar nicht mit der Sekretärin gesprochen, heißt es in der "Zeit". Zudem sei unklar, ob es tatsächlich Claas Relotius war, den die Sekretärin in Hamburg gesehen haben will

Relotius selbst sagte gegenüber der "Zeit":

"Ich bin mir meiner eigenen großen Schuld heute sehr bewusst und will durch die Auseinandersetzung mit diesem Buch nicht davon ablenken. Ich stelle mich allem, wofür ich verantwortlich bin, aber ich muss keine unwahren Interpretationen und Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen."


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