Dieser Rentner baut die Grenze zu Preußen wieder auf

Mit viel Engagement, Schweiß und Herzblut richtet Manfred Steinmann (76) die Steine und gibt ihnen frische Farbe.
Mit viel Engagement, Schweiß und Herzblut richtet Manfred Steinmann (76) die Steine und gibt ihnen frische Farbe.

Von Jan Berger

Bautzen - Mit großer Leidenschaft und viel Herzblut baut ein Rentner die alte Grenze zwischen Sachsen und Preußen wieder auf.

Manfred Steinmann (76) aus Reichenbach in der Oberlausitz lässt sogar schwere Technik anrollen, um die massiven Granitblöcke aufzustellen.

Kürzlich am Autobahn-Rasthof „Am Wacheberg“ an der A4 Richtung Dresden: Mit einem Spezialfahrzeug der Straßenmeisterei wird ein 750 Kilo schwerer Grenzstein in ein Loch gesetzt.

Manfred Steinmann hat ihn aus einem Rohling selbst hergestellt und dann nach historischen Vorlagen akribisch angemalt.Und die Aktion - mit Hilfe einiger Sponsoren - aus eigener Tasche bezahlt.

Bei seiner Grenzziehung orientiert sich der Grenzstein-Mann exakt an historischen Karten und Materialbeschreibungen.
Bei seiner Grenzziehung orientiert sich der Grenzstein-Mann exakt an historischen Karten und Materialbeschreibungen.

Der Grenzstein mit der laufenden Nummer 58 ist nicht der erste, den der Ingenieur in die Landschaft setzen ließ. Aber er stellt einen Lückenschluss dar.

Der alte Stein, der hier die Trennlinie zwischen dem Königreich Preußen und dem Kurfürstentum Sachsen markierte, war wohl beim Bau der Autobahn abhandengekommen.

Vor etwa zwölf Jahren entdeckte Steinmann bei einem aufmerksamen Spaziergang einen Stein dieser vor genau 200 Jahren beschlossenen Grenze. Sein Interesse führte ihn in verschiedene Archive und erweckte eine bis heute nicht zu stillende Leidenschaft.

Steinmann: „Inzwischen habe ich die komplette Grenze bereist und jeden Stein - so noch vorhanden - aufgesucht und dokumentiert.“

Diese Karte von der ehemaligen Grenze zeichnete Manfred Steinmann als Orientierungstafel. Die Oberlausitz wurde durch den Wiener Kongress geteilt, Sachsen verlor ein Drittel seiner Fläche.
Diese Karte von der ehemaligen Grenze zeichnete Manfred Steinmann als Orientierungstafel. Die Oberlausitz wurde durch den Wiener Kongress geteilt, Sachsen verlor ein Drittel seiner Fläche.

So sah man den Hobby-Historiker zwischen Polen und Schkeuditz - mit GPS und alten Karten in der Hand - durch das Unterholz strolchen und nach alten Wegen suchen. Denn viele der Steine sind ins Erdreich versunken oder überwuchert.

Dass er die Steine mit den Nummern Eins, zwei und drei überhaupt finden konnte, verdankt er sogar einer Katastrophe. Als 2010 der Damm des Witka-Stausees brach und die Wassermassen bis nach Görlitz schossen, legte die Flut auch die alten Steine wieder frei.

Den Stein Nummer Eins - gelegen auf dem Grund des Sees - konnte Steinmann mit ein paar Enthusiasten freibuddeln.

Doch warum tut sich das der Grenzstein-Mann in seinem stolzen Alter noch an? Manfred Steinmann: „Ich wünsche mir, dass sich die Leute für die Geschichte ihrer Heimat interessieren.“

Und es gibt auch einen nicht ganz uneigennützigen Grund: „So ein Hobby hält richtig fit, geistig und körperlich.“

So sucht er jede Woche mindestens drei Grenzsteine auf und befreit sie - preußisch akkurat - von Wildwuchs oder Moos.

Manchmal hat er auch Pinsel und Farbe dabei. Und auf seiner Pirsch hat er jetzt auch neue Freunde kennengelernt.

Steinmann: „Die GeoCacher-Szene nutzt ganz gern meine Steine als Orientierungspunkt für ihr Verstecke-Spiel.“ Info: www.grenzsteine-sachsen-preussen.de

Fotos: privat (3), Pawel Sosnowski (1)


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