Tote Rentnerin in Koffer gesteckt: Angeklagter bricht sein Schweigen

Jena - Knapp ein Jahr nach dem Mord an einer Rentnerin in Jena-Winzerla hat der Angeklagte am Mittwoch sein Schweigen vor Gericht gebrochen. Dabei bestritt er, Hand an die Frau gelegt zu haben.

Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte, versteckte sich hinter einem Ordner.
Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte, versteckte sich hinter einem Ordner.

Der Afghane sagte, er sei seit Längerem von einem Landsmann bedroht worden.

Am Tattag sei dieser mit weiteren Männern in seine Wohnung gekommen. Dort sei er gerade im Gespräch mit der Nachbarin gewesen. Als sie die Wohnung verlassen wollte, habe der Mann sie an Armen und Hals gepackt und zu Boden gebracht.

Später habe er helfen müssen, den in einen Koffer gestopften Körper nach unten zu tragen, sagte der Angeklagte.

Der Koffer war zwei Tage später im Keller des Hauses entdeckt worden. Die Anklage wirft dem nach Gerichtsangaben dem 24-Jährigen vor, seine damalige Nachbarin am 10. Januar 2019 aus Habgier getötet zu haben. Ziel sei gewesen, an das Vermögen der Frau zu gelangen.

Dazu soll er versucht haben, 7000 Euro von einem Konto der Seniorin auf sein Konto zu überweisen. Die 87-Jährige war laut Rechtsmedizin infolge stumpfer Gewalt gegen den Hals erstickt. Zudem sei ein Schal mindestens viermal um den Kopf der Seniorin geschlungen gewesen, sodass Nase und Mund verschlossen waren, hieß es.

Der Angeklagte selbst gab an, vor fast 22 Jahren in Afghanistan geboren zu sein und seit 2011 in Deutschland zu leben. Er habe sich von einem Landsmann 10.000 Euro geliehen, um seiner kranken Mutter in Afghanistan zu helfen. Der habe dafür Gegenleistungen wie Dienste als Drogenkurier verlangt und ihm Konsequenzen angedroht, sollte er sich widersetzen.

Anwälte hatten empfohlen, sich nicht zu äußern

Die Tochter des Opfers tritt als Nebenklägerin auf, brachte ein Bild ihrer toten Mutter mit.
Die Tochter des Opfers tritt als Nebenklägerin auf, brachte ein Bild ihrer toten Mutter mit.  © DPA

Dass sei der Grund gewesen, warum er nach dem Tod der Nachbarin nicht zur Polizei gegangen sei, erklärte er. Stattdessen hatte er bei einem Bekannten Zuflucht gesucht und war schließlich von der Polizei in Erfurt festgenommen worden.

Der Fall wird seit Oktober am Landgericht Gera verhandelt. Warum er denn erst jetzt aussage, wollte Richter Uwe Tonndorf wissen. Er habe sich auf Empfehlung seiner Anwälte bisher nicht geäußert - sich ihnen zuvor aber auch nicht so umfänglich offenbart, betonte der Angeklagte.

Und warum musste die Seniorin dann sterben? Die Männer hätten wohl befürchtet, dass er ihr von den kriminellen Machenschaften erzählt habe, vermutete er. Außerdem habe sie durch die Begegnung in seiner Wohnung ihre Gesichter gesehen.

Die Befragung des Angeklagten soll am Freitag fortgesetzt werden. Dann soll nach dem Willen des Gerichts auch ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten vorgestellt werden. Zudem hat die erste Strafkammer weitere Termine bis Anfang Februar anberaumt.

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