Krasse Ostern: Hier werden aus Eiern kleine Kunstwerke

Reutlingen - Seit Aschermittwoch hat es Jana Wendt höchstens zum Umpacken ihrer Koffer nach Hause geschafft.

Die auf die Eier gemalte Kalinka-Beere ist in Russland ein Symbol für die Liebe.
Die auf die Eier gemalte Kalinka-Beere ist in Russland ein Symbol für die Liebe.  © DPA

"Die Vor-Osterzeit bedeutet Hochsaison", erzählt die Osterei-Künstlerin. Dann reist sie von Markt zu Markt und bietet ihre Werke an: Sie malt Burgen und Schlösser oder kleine Geschichten auf Porzellan-Eier.

Auch auf Natur-Eier von Wachteln oder Enten bringt sie Aquarelle und Acrylbilder. "Das schwierigste sind Gebäude, denn gerade Linien erscheinen auf dem Ei schief. Wir müssen mit der Eiform malen", erklärt die 46-Jährige.

Die Holz-Eier von Tatjana Hailfinger glänzen, als seien sie aus Glas oder Porzellan. "Ich arbeite mit Lackmalerei", erläutert sie - die Technik habe sie in ihrer Heimat Russland gelernt.

Bis zu zwei Wochen sitzt Hailfinger an besonders aufwendigen Motiven. Für ihre kleinteiligen Miniaturen benutzt sie ausschließlich Pinsel aus Russland. "Das sind die besten. Sie müssen vorne besonders spitz sein."

Gerade verziert sie ein Ei mit einem ihrer Lieblingsmotive: Der Kalinka-Beere. "Sie ist in Russland ein Symbol für die Liebe. Über sie gibt es sogar Lieder." Auch Szenen mit Liebespaaren finden sich in ihrer Werkschau, ebenso Engel und andere christliche Symbole.

Jana Wendt mit einem aufwändigen Porzellan-Ei.
Jana Wendt mit einem aufwändigen Porzellan-Ei.  © DPA

Hailfinger und Wendt bieten ihre Werke seit ein paar Tagen im Osterei-Museum in Sonnenbühl (Kreis Reutlingen) an.

Das Museum auf der Schwäbischen Alb ist nach eigenen Angaben das älteste Deutschlands zum Thema Ostereier. Es wurde vor 26 Jahren gegründet. Im Bestand gibt es rund 8000 Eier, etwa 1000 von ihnen sind in den Vitrinen öffentlich ausgestellt. "Ein Drittel unseres Archivs ist rot grundiert oder mit roten Motiven verziert", sagt Museumsleiterin Anna Barkefeld.

Die Farbe erklärt sich aus einem katholischen Brauchtum - und mit ihr lässt sich auch verstehen, wie Ostern überhaupt zum Ei kam. "Das Ur-Osterei ist ein gekochtes rot gefärbtes Ei, und es erhielt derjenige, der in die Osternacht-Mette ging", sagt der Brauchtumsforscher und Theologe Manfred Becker-Huberti.

Es handle sich um ein Symbol für das überwundene Grab: Das Ei selbst sei tot, während das Rot auf das Leben des auferstandenen Christus verweise. "Der Brauch kam schon im Mittelalter auf, im ersten Jahrtausend."

Weil in der Fastenzeit Eier, die als flüssiges Fleisch galten, tabu waren, gab es einen regelrechten Eierüberschuss zu Ostern, wie Becker-Huberti erklärt. Sie seien gekocht und verschenkt worden. In einem Körbchen brachten Katholiken diese Schenk-Eier am Ostermorgen mit in die Kirche für den Eier-Segen.

Im 16. Jahrhundert hätten Protestanten den katholischen Brauch für sich umgewandelt und die Eier in der Natur versteckt. "Als Erklärung für die Kinder, wer die Eier dort hingelegt hat, gab es Fuchs, Kranich oder Huhn - durchgesetzt hat sich schließlich der Hase", so Becker-Huberti.

Denn so, wie er über die Wiese flitze, kurz stehen bleibe, um dann weiter zu sprinten, habe man zumindest Stadtkindern weismachen können, dass er da gerade Eier legt.

Eier mit gemalten Landschaften auf dem Ostereier-Künstlermarkt im Ostereiermuseum Sonnenbühl.
Eier mit gemalten Landschaften auf dem Ostereier-Künstlermarkt im Ostereiermuseum Sonnenbühl.  © DPA

Titelfoto: DPA

Mehr zum Thema Stuttgart Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0