Muslimbewegung: "Flüchtlinge haben Pflicht, sich zu integrieren"

Rheinstetten/Karlsruhe - Rund 40.000 Muslime der Bewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) kommen an diesem Wochenende zum Jahrestreffen nach Rheinstetten bei Karlsruhe (Baden-Württemberg).

Die Loyalität der Flüchtlinge müsse dem neuen Land gelten, nicht dem Herkunftsland, so ein Sprecher der Bewegung. (Archivbild)
Die Loyalität der Flüchtlinge müsse dem neuen Land gelten, nicht dem Herkunftsland, so ein Sprecher der Bewegung. (Archivbild)  © DPA

Vor dem Hintergrund fremdenfeindlicher Ausschreitungen in Chemnitz will die Gemeinschaft dabei verstärkt für Toleranz und Gewaltfreiheit werben - und gleichzeitig Flüchtlinge zu Integration und Loyalität gegenüber Deutschland aufrufen.

"Gewalt von beiden Seiten ist zu verurteilen", sagte ein AMJ-Sprecher mit Blick auf Chemnitz und äußerte sich vor allem besorgt über die Gewalt von Rechts. "Niemand hat das Recht, dass Gewaltmonopol des Staates zu untergraben."

In der sächsischen Stadt hatten tagelang rechte Kräfte demonstriert, nachdem dort ein 35 Jahre alter Mann erstochen worden war. Tatverdächtig sind ein Syrer und ein Iraker. Zum Teil war es zu heftigen Ausschreitungen gekommen.

Die AMJ sehe sich in diesem Zusammenhang allerdings auch in der Rolle zu betonen, "dass in einem gastgebenden Land - in diesem Fall Deutschland - Flüchtlinge die Pflicht haben, sich zu integrieren", sagte der Sprecher. "Loyalität gilt nicht dem Herkunftsland, sondern dem neuen Land."

Nach der religiösen Rechtsauffassung der Bewegung ist die Loyalität zu Deutschland ein Teil des Glaubens. Dazu wird sich auch der Kalif, das religiöse Oberhaupt der Ahmadiyya-Bewegung, anlässlich des dreitägigen Jahrestreffens äußern.

Zum 43. AMJ-Jahrestreffen von 7. bis 9. September kommen eigenen Angaben zufolge sowohl Delegierte der Bewegung aus Dutzenden verschiedenen Ländern zusammen wie auch rund 3000 weitere Gäste, die an Begegnungen mit der AMJ interessiert sind.

Die Ahmadyya bezeichnet sich als größte islamische Gemeinde der Welt. Sie sieht sich als liberale, aber wertkonservative Reformgemeinde und ist in Hamburg und Hessen als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Damit hat sie einen vergleichbaren Status wie die christlichen Kirchen.

Titelfoto: DPA


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