Die kleine Farm der Knackis in der JVA Zeithain

Eine Delikatesse: In der JVA Zeithain werden neben anderem Getier sogar gefleckte Weinbergschnecken gezüchtet -zum späteren Verzehr!
Eine Delikatesse: In der JVA Zeithain werden neben anderem Getier sogar gefleckte Weinbergschnecken gezüchtet -zum späteren Verzehr!

Riesa - Schafe grasen auf dem Grün, im Garten züchten sie essbare Schnecken, ein Bienenvolk soll Honig liefern: „Unsere kleine Farm“ im Knast! In der JVA Zeithain (bei Riesa) arbeiten Gefangene sogar als Farmer.

Micha J. (37) beobachtet die Bienen, wie sie ihre letzten Runden drehen, sich in ihrer Beute auf den Winter vorbereiten. 

„Es beruhigt mich, entspannt mich“, sagt der muskelbepackte Knacki. Seit 2010 sitzt er ein. „Wegen Einbrüchen und Diebstahl“, wie er sagt. „Ich komme vom Dorf. Bienen sind wichtig, faszinieren mich irgendwie.“

Die Bienen sind nur die jüngste Errungenschaft im eingezäunten und kameraüberwachten JVA-Außengelände, das ganze drei Fußballfelder groß ist. Im Garten mit Gewächshaus bauen Gefangene Kartoffeln, Chili, Salat und Erdbeeren an. Wenige Meter daneben grasen Schafe und Ziegen. 

In Stallungen leben Kaninchen und Hühner. In einem eingezäunten Areal züchten die Knackis sogar gefleckte Weinbergschnecken, deren Fleisch als Delikatesse gilt. JVA-Mitarbeiter durften schon kosten.

Doch die im Freistaat einzigartige Knast-Farm dient nicht der Eigen-Versorgung. Sie ist Teil der Drogen-Therapie: Nur ein Dutzend Gefangene im offenen Vollzug dürfen teilnehmen, müssen sich vorher dafür bewerben. Wer auf die Farm darf, hat bereits neun Monate Suchttherapie im geschlossenen Bereich hinter sich.

Die Gefangenen haben nicht nur die Bauten der Farm selbst errichtet. „Sie kontrollieren, pflegen und füttern die Tiere, misten Ställe aus, arbeiten im Garten“, sagt René Hofmann (41), Leiter des arbeitstherapeutischen Betriebes. „Es hilft den Männern auch, wieder Strukturen zu erfahren, etwas zu schaffen.“

Die Arbeit im Freien ist auch eine Abwechslung zum tristen Alltag hinter Gittern. „Dabei bekomme ich den Kopf frei. Auch von Problemen hier drinnen“, sagt Insasse Micha. Sollte er wie geplant 2017 entlassen werden, will er sich vielleicht sogar ein eigenes Bienenvolk anschaffen.

Hobby-Imker Jens Wachtel betreut das Bienenvolk in der JVA, die Häftlinge unterstützen ihn.
Hobby-Imker Jens Wachtel betreut das Bienenvolk in der JVA, die Häftlinge unterstützen ihn.  © Petra Hornig

Titelfoto: Petra Hornig


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