Wegen Brennnesseln gehen mir 20.000 Euro flöten!

Schäfer Maik Hahn (39) wollte sich mit der Schafweide auf die nächste Überflutung vorbereiten. Nun scheitert sein Plan an Unkraut.
Schäfer Maik Hahn (39) wollte sich mit der Schafweide auf die nächste Überflutung vorbereiten. Nun scheitert sein Plan an Unkraut.

Von Eric Hofmann

Riesa - So eine Brennnessel kann schon ganz schön schmerzen. Einem Schaf macht sie aber in der Regel nichts aus. Doch nun drohen im beschaulichen Nünchritz ein paar dieser Pflanzen einer ganzen Herde den Garaus zu machen.

2013 schlug das Hochwasser auch in Nünchritz zu, traf unter anderem den Ortsteil Grödel. Um das künftig zu verhindern, pachtete sich Schäfer Maik Hahn (39) direkt an der Elbe ein Grundstück, schaffte sich im Mai hundert Schafe an: „Die Tiere halten den Bewuchs flach und verdichten den Boden. So kann das nächste Hochwasser besser abfließen und der Deich wird fester.“

Weil die Schäferei sich nicht alleine rechnet, beantragte Landwirt Hahn 20000 Euro Förderung beim Freistaat. Das Amt schickte Kontrolleure - und die winkten ab.

Das Problem: Das zuständige Amt sieht den Brennnessel-Bewuchs als schlechte Voraussetzung für eine Schafweide.
Das Problem: Das zuständige Amt sieht den Brennnessel-Bewuchs als schlechte Voraussetzung für eine Schafweide.

„Auf den Flächen befindet sich nicht wie erforderlich Gras oder andere Grünfutterpflanzen, sondern überwiegend Unkraut in Form von Brennnesseln“, begründet Frank Hofer (39) aus dem Umweltministerium.

„Das ist in einer EU-Verordnung so vorgeschrieben.“ An die muss sich das Ministerium halten, da die Gelder aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft stammen.

Schäfer Hahn versteht die Welt nicht mehr: „Gerade die Brennnesseln zeigen doch, wie ungepflegt diese Wiesen sind. Die Schafe würden die doch abfressen. Sonst kommt doch niemand mit einem Rasenmäher auf diese Wiese.“

Doch ohne die Fördergelder keine Schäferei: „Dann werde ich die Tiere wohl schlachten müssen. Zum Glück habe ich nicht noch mehr angeschafft.“

Fotos: imago, Eric Münch


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