46 Tote am Rathaus entdeckt: Wurden hier Sklaven begraben?

Riesa - Lagen hier Sklaven begraben? Knapp 50 Skelette haben Sachverständige des Landesamts für Archäologie jetzt auf dem Riesaer Rathausplatz freigelegt. Wer dort genau begraben wurde, wissen die Experten aber noch nicht.

Das Gra­bungs­feld auf dem Rat­haus­platz ist rund 3 500 Qua­drat­me­ter groß.
Das Gra­bungs­feld auf dem Rat­haus­platz ist rund 3 500 Qua­drat­me­ter groß.  © Thomas Türpe

"Die 46 Skelette sind alle auf die Zeit zwischen 1150 bis 1300 zu datieren", sagt Thomas Westphalen (61) vom Landesamt für Archäologie.

"Die Toten wurden in Tücher gewickelt, manche auch vollkommen nackt beerdigt, so wie es zu dieser Zeit üblich war."

Wer dort allerdings begraben lag, wissen die Forscher nicht.

"Das können Sklaven, aber auch einfache Bürger oder Nonnen und Mönche gewesen sein.“

Jetzt werden die Skelette abtransportiert und nach Dresden gebracht.

"Wir werden sie anthropologisch untersuchen, um die Geschlechter zu bestimmen, den Sterbezeitpunkt näher einzugrenzen und vielleicht herauszufinden, woran die Menschen gestorben sind und welche Krankheiten sie hatten." Das wird allerdings einige Monate dauern. "Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, kann ich noch nicht sagen."

Der Fund der Ske­let­te auf dem Vor­platz der Kir­che ist kei­ne Über­ra­schung. Im Um­kreis be­fand sich der Fried­hof des erst­mals 1119 er­wähn­ten Klos­ters.
Der Fund der Ske­let­te auf dem Vor­platz der Kir­che ist kei­ne Über­ra­schung. Im Um­kreis be­fand sich der Fried­hof des erst­mals 1119 er­wähn­ten Klos­ters.  © Thomas Türpe

Eine Überraschung waren die Funde aber nicht.

"Insbesondere im Bereich vor der Kirche aus dem Rathausplatz befand sich einst der Friedhof des 1119 erstmals erwähnten Klosters", so Westphalen.

Zu Anfang des 13. Jahrhunderts beherbergte das Kloster sowohl Nonnen als auch Mönche, später wurde es als Benediktinerinnenkloster deklariert.

Aufgrund des Baus einer neuen Leitungs- und Kanalstraße wurden die Arbeiten auf dem rund 3.500 Quadratmeter großen Grabungsfeld überhaupt erst möglich.

Die knapp 50 Skelette sind übrigens die nicht die einzigen Riesaer Leichen.

In der Klosterkirche wurden 1828 bei der Öffnung der Gruft mumifizierte Leichen gefunden. Der älteste damals entdeckte Leichnam stammt vermutlich aus dem Jahr 1636.

Heute befindet sich im ehemaligen Südflügel des Klosters übrigens das Rathaus der Stadt. Im Westflügel ist der Kapitelsaal der alten Klosteranlage angesiedelt. Im östlichen Teil des Geländes gibt es heute eine Auqarienanlage für Elbfische.

Sie fasst rund 20.000 Liter Wasser und ist damit die größte entlang der Elbe. Ebenfalls beheimatet in den alten Klosterräumen ist ein Natur- und Kulturraum und ein Naturkundekabinett. Der ehemalige Klostergarten wird heute als Tierpark genutzt.

Bei den Bauarbeiten zur Neugestaltung des Riesaer Rathausplatzes kamen sie zum Vorschein: 46 Skelette aus dem Hochmittelalter wurden gefunden. Grabungshelfer Peter Körber (56) zeigt eines der Skelette.
Bei den Bauarbeiten zur Neugestaltung des Riesaer Rathausplatzes kamen sie zum Vorschein: 46 Skelette aus dem Hochmittelalter wurden gefunden. Grabungshelfer Peter Körber (56) zeigt eines der Skelette.  © Thomas Türpe

Titelfoto: Thomas Türpe

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