Nach Riesen-Loch: Ostseeautobahn erst viel später fertig

Berlin - Eigentlich hatte man damit gerechnet, dass die Autobahn 20 bei Tribsees nach dem zerstörten Teilstück wieder frühestens 2021 vollständig befahrbar sei. Doch daraus wird nichts. Die Bauarbeiten verzögern sich. Nun rechnet man mit frühestens Ende 2023.

Gut zu erkennen: Die abgesackte Autobahn 20 bei Tribsees.
Gut zu erkennen: Die abgesackte Autobahn 20 bei Tribsees.  © DPA

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Zuvor hatte die "Ostsee-Zeitung" (Mittwoch) berichtet.

Eine Sprecherin des Landesverkehrsministeriums in Schwerin sagte am Mittwoch, die Bauplanungen liefen noch, weshalb nicht seriös gesagt werden könne, wann die im Moor versunkene Autobahn wieder vollständig hergerichtet sein werde. Auch wann die Planungen abgeschlossen und mit den Ausschreibungen begonnen werde, könne sie derzeit nicht sagen.

Klarer sind die Summen, die der Bau voraussichtlich kosten wird. Allein der Neubau des rund 100 Meter langen, abgesackten Stücks werde wohl 100 Millionen Euro kosten. Ursprünglich war dieser Abschnitt laut Bundesregierung gut 36,6 Millionen Euro teuer. Für Planung, Bau und Miete der Behelfsbrücke, die bereits in Betrieb ist, sollen noch einmal rund 58,4 Millionen Euro hinzukommen, so dass sich die Gesamtkosten wohl auf knapp 160 Millionen Euro summieren werden.

Mit der Brücke einer niederländischen Spezialfirma kann das abgesackte Teilstück seit Dezember immerhin in jede Richtung einspurig befahren werden. Zuvor war der gesamte Autobahnverkehr für 14 Monate über angrenzende Dörfer geleitet worden, was für die Einwohner eine große Belastung darstellte.

An der Behelfsbrücke für die abgesackte Autobahn A20 wird das letzte Bauteil verlegt.
An der Behelfsbrücke für die abgesackte Autobahn A20 wird das letzte Bauteil verlegt.  © DPA

Doch die Brücke bringt angeblich auch neue Probleme für Autofahrer mit sich. Laut dem Bericht der "Ostsee-Zeitung" verlieren Fahrzeuge immer wieder Teile wie Radkappen. Der Grund: Das Bauwerk besteht aus Teilsegmenten, an deren Fugen es beim Überfahren zu Erschütterungen kommt. Die Geschwindigkeit ist deshalb auf 60 km/h begrenzt.

Es handele sich bei der Brücke um keine Autobahn, sondern um eine Notlösung - entsprechend vorsichtig müssten Autofahrer fahren, betonte die Ministeriumssprecherin.

Die beiden Blitzer, die das Tempolimit überwachen sollen, lösen dem Landkreissprecher zufolge etwa 850 Mal pro Woche aus. Allerdings erst seit Ende Januar wieder: Zuvor war das Stromkabel der Blitzanlage geklaut worden, so dass vier Wochen gar nichts ging, wie er sagte. Das neue Kabel liege nun in der Erde.

Was genau zu dem straßenbaulichen Debakel führte, das im Herbst 2017 begann und von Bundeskanzlerin Angela Merkel (64, CDU) kürzlich als "fürchterliche Schmach" bezeichnet wurde, ist weiter ungeklärt. Tribsees liegt in Merkels Wahlkreis. Zwar wird allgemein davon ausgegangen, dass die Gründung der Fahrbahn aus zahlreichen ins Moor getriebenen Säulen versagte, doch wieso dies geschah, ist laut Bundesregierung noch immer nicht geklärt.


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