Deshalb will Skisprung-Legende Jens Weißflog nie wieder eine Schanze betreten

Leipzig - "Mit der Pistole im Rücken würde ich oben losfahren - also nicht freiwillig!" Das sagt ausgerechnet Skisprung-Legende Jens Weißflog (54)! Der einstige "Floh vom Fichtelberg" war jahrelang die Instanz auf der Schanze, war der, an dem sich die Skisprung-Weltspitze messen musste. Heute würde er aber auf keinen Fall mehr eine Sprungschanze betreten.

War am Freitag im MDR-Riverboat zu Gast: Skisprung-Legende Jens Weißflog (54).
War am Freitag im MDR-Riverboat zu Gast: Skisprung-Legende Jens Weißflog (54).  © Imago

Das verriet der Erzgebirgler jetzt im MDR-Riverboat. "Es gibt so Anfängerschanzen, wo die Kleinsten runterspringen, die gehen fünf oder zehn Meter - da würde ich runterspringen. Da tut sich ja niemand was", gesteht Weißflog im Gespräch mit Moderatorin Kim Fisher (49). "Seit dem 15. Juni 1996, seit dem Abschiedsspringen, habe ich keinen Sprung mehr gemacht, zumindest keinen zählbaren mehr. Und deswegen lieber nicht."

Eigentlich schade! Aber: Den Namen Weißflog werden wir in Zukunft vielleicht dennoch auf Wettkampflisten im Skispringen entdecken. Denn seine Tochter Greta (8) eifert ihrem berühmten Papa nach und übt sich jetzt im Skisprung-Verein.

"Die wollte das unbedingt, sie hat uns genervt, meldet mich doch endlich an - und dann haben wir das auch gemacht", sagt Weißflog. "Sie macht es mit Leib und Seele, ist acht Jahre alt und da ist noch viel Zeit, bis mal irgendwas passiert. Jetzt kommt sie gerade erst einmal über den Schanzentisch drüber. Also schauen wir mal."

Jens Weißflog (oben, hier beim Jubel über die Olympia-Goldmedaille 1994 im norwegischen Lillehammer) gewann drei olympische Goldmedaillen und wurde dreimal Weltmeister.
Jens Weißflog (oben, hier beim Jubel über die Olympia-Goldmedaille 1994 im norwegischen Lillehammer) gewann drei olympische Goldmedaillen und wurde dreimal Weltmeister.  © DPA

1996 beendete Jens Weißflog seine Karriere. Bis heute kann er sich genau erinnern, wie er die Zeit damals erlebte.

An seinem letzten Tag im internationalen Skisprung-Zirkus musste er mehrere Sprünge absolvieren. "Also, es waren ja drei Sprünge an dem Tag. Der Probesprung und die zwei Wertungsdurchgänge", erzählte Weißflog in der Talkrunde. "16. März 1996 war mein letzter Weltcup-Sprung. Und dann bin ich nicht mehr gesprungen, hatte aber viel zu tun. Das Haus und das Hotel wurden gebaut, Kind kam in die Schule, öffentliche Termine, Autogrammstunden - ich hatte nur zu tun. Dann habe ich das Abschiedsspringen nebenbei organisiert, mit den 35 besten Springern aus dem Weltcup, die ARD und der MDR haben übertragen."

Er stand unter immensem Druck!

"Ich gehe also in die Schanze, war in der Woche vorher doch schon nochmal springen, ich dachte, damit du nicht ganz so blöd aussiehst. Es war für mich kein sportlicher Wert, es war eine Geste an die Fans." Weißflog hatte sich für seinen letzten Wettkampf keinen Platz auf dem Treppchen als Ziel gesetzt. Er wollte seinen Fans einen tollen Abschied bereiten. "Ob ich nun Zehnter, Zweiter oder Dritter werde, war mir egal. Und dann gehe ich dort an den Start und hatte das Gefühl meines Lebens! Weil ich frei war. Ich habe sogar spüren können, ob ich mit dem kleinen Zeh wackle. Das war früher, wenn du fokussiert und angespannt im Wettkampf bist, nicht möglich. Beim ersten Sprung: Schanzenrekord, springe im zweiten Sprung Schanzenrekord!"

Das hätte die Skisprung-Legende damals selbst nicht für möglich gehalten.

"Und beim dritten Sprung sitzt ARD-Sportreporter Bodo Boeck neben mir auf der Latte - das war so ausgemacht. Er sollte mich fragen: Und wie ist es jetzt, so vor dem letzten Sprung? Und ich dachte dann in dem Moment: Mensch, frage mich doch jetzt nicht so etwas, da kann ich doch jetzt nicht antworten, ich will doch jetzt den Wettkampf gewinnen." Da war der so gelassene Weißflog plötzlich gar nicht mehr so relaxed.

"Plötzlich war das Gefühl weg und ich wieder im Wettkampfmodus. Und springe runter und kürzer als Janne Ahonen und werde dann am Ende Zweiter. Was für mich auch völlig ok war."

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