Mordanschlag auf Hells-Angels-Boss: Beginn der Plädoyers möglich

Hamburg - Im Prozess um die beinahe tödlichen Schüsse auf den Rockerboss Dariusch F. auf St. Pauli wird am Dienstagvormittag das Plädoyer der Staatsanwaltschaft erwartet.

Dariusch F. wurde in diesem weißen Sportwagen angeschossen. (Archivbild)
Dariusch F. wurde in diesem weißen Sportwagen angeschossen. (Archivbild)  © dpa/Mücahid Güler

Allerdings wird dafür nach Angaben eines Gerichtssprechers die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Der Grund: Auch ein Gutachten zum Zustand des Opfers war im Prozess ohne Zuhörer vorgestellt worden.

Der damals 38-jährige Hells Angel war am 26. August vergangenen Jahres angeschossen und schwer verletzt worden, als er mit seinem weißen Bentley an einer roten Ampel am Millerntorplatz stand.

Angeklagt ist der 28-jährige Arasch R., der einst den Mongols angehörte und ihr Vize-Chef war, einer mit den Hells Angels verfeindeten Rockergruppe.

Er soll seine Freundin zu der Tat angestiftet haben.

Als direkter Täter kommt er nicht in Betracht, er saß damals wegen einer anderen Sache in Strafhaft.

Der Angeklagte unterhält sich mit seinen Verteidigern im Gerichtssaal. (Archivbild)
Der Angeklagte unterhält sich mit seinen Verteidigern im Gerichtssaal. (Archivbild)

Seiner 24 Jahre alten Lebensgefährtin Lisa S. wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord und schwere Körperverletzung als Mittäterin vor.

Motiv der beiden soll Rache für einen unaufgeklärten Anschlag gewesen sein, der zwei Jahre zuvor auf das Paar verübt wurde.

Die Angeklagte hat nach Angaben des Gerichtssprechers über ihren Verteidiger eingeräumt, den Mercedes gefahren zu haben, aus dem heraus geschossen wurde.

Sie habe aber nicht gewusst, was der ihr unbekannte Täter vorhatte, als er bei ihr einstieg.

Möglicherweise werde darum vor dem Plädoyer noch die Frage erörtert, welche Informationen nun zu dem unbekannten Schützen vorliegen.

Die Hells Angels sind in Hamburg eigentlich seit 1983 verboten, es gibt aber weiterhin einen Szene-Treffpunkt. Die Hamburger Mongols gelten seit Anfang 2016 als aufgelöst.

Update, 12.41 Uhr

Ein Teilgeständnis hat am Dienstag die geplanten Plädoyers verzögert.

In der Sitzung hatte die 24 Jahre alte Angeklagte über ihren Verteidiger erklärt, sie habe am 26. August vergangenen Jahres den Mercedes gefahren, aus dem heraus auf den Hells Angel geschossen wurde. Sie kenne den Schützen aber nicht.

Nun müssen Staatsanwaltschaft und Gericht prüfen, ob die Angaben der Angeklagten strafmildernd sein könnten.

Die Staatsanwaltschaft gab nach dem Teilgeständnis bislang unbekannte Passagen aus einem abgehörten Gespräch der Angeklagten bekannt, in dem die Frau über den Schützen sagt: "Der sieht aus wie ein Obdachloser."

Titelfoto: DPA

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