Sea-Watch-Kapitänin Rackete hatte große Angst an Bord!

Rom/Kiel - Ohne Erlaubnis steuerte Kapitänin Carola Rackete mit ihrem Seenotrettungsschiff "Sea Watch 3" den Hafen von Lampedusa an. Dort angekommen wurde die gebürtige Niedersächsin festgenommen.

Kapitänin Carola Rackete ist an Bord ihres Seenotrettungsschiffs "Sea Watch 3".
Kapitänin Carola Rackete ist an Bord ihres Seenotrettungsschiffs "Sea Watch 3".  © Till M. Egen/Sea-Watch.org/dpa

Am Sonntag bekräftigte Rackete noch einmal ihre Entscheidung unerlaubt in den Hafen einzufahren.

"Die Situation war hoffnungslos. Und mein Ziel war es lediglich, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen", sagte die 31-Jährige über ihre Anwälte der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera".

"Ich hatte Angst." Sie habe Suizide befürchtet.

Rackete war vergangene Woche zunächst unerlaubt in die italienischen Hoheitsgewässer und schließlich auch in den Hafen eingefahren und hatte sich damit über die Anweisungen der italienischen Behörden hinweggesetzt. Ihr drohen mehrere Anklagen, unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Migration.

Bei der Ankunft auf Lampedusa war die bei Kiel geborene und im Kreis Celle aufgewachsene Rackete festgenommen worden und steht unter Hausarrest. Am Montag wird ihre Vernehmung und eine mögliche Bestätigung des Haftbefehls erwartet.

Der Vater der Kapitänin, Ekkehart Rackete, sagte dem "Corriere", seine Tochter habe nie einen Fehler begangen. "Carola ist nicht impulsiv, sie weiß immer, was sie macht, und sie ist eine starke Frau."

Darüber, was in Italien auf sie zukommen würde, sei sie sich schon vor der Ankunft in Lampedusa bewusst gewesen. "Das, was passiert ist, war keine Überraschung, ich bin sicher, dass sie sich der Konsequenzen bewusst war, denen sie entgegen ging."

Unterdessen hat in ihrer Heimat die Unterstützung weiter zugenommen. Eine gemeinsame Spendenaktion von den TV-Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf ist ein voller Erfolg. Gegen 11.45 Uhr waren bereits rund 340.000 Euro zusammengekommen.

Update, 16.31 Uhr

iedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat der Seenotretterin Carola Rackete seine Hochachtung ausgesprochen. "Ohne der italienischen Justiz vorzugreifen, habe ich persönlich große Hochachtung vor der Kapitänin und ihrem humanitären Einsatz", sagte Weil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Dem italienischen Innenminister Matteo Salvini warf Weil eine "unerträgliche Zuspitzung" der Situation vor.

Er hoffe sehr, "dass es nun mithilfe der italienischen Justizbehörden eine ruhige und sachliche Regelung dieser Angelegenheit geben kann."


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