Nächstes deutsches Rettungsschiff steuert Italien an und dreht ab

Rom/Hamburg - Nachdem in der vergangenen Woche das deutsche Seenotrettungsschiff "Sea Watch 3" mit 50 Flüchtlingen an Bord ohne Erlaubnis den Hafen von Lampedusa in Italien ansteuerte, stand der nächste Konflikt kurz bevor.

Das Rettungsschiff Alan Kurdi nahm im Mittelmeer 65 Migranten auf.
Das Rettungsschiff Alan Kurdi nahm im Mittelmeer 65 Migranten auf.  © Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Hilfsorganisation Sea-Eye nahm bereits Kurs auf Italien, drehte aber im letzten Moment ab.

Das Schiff mit 65 Migranten an Bord wird vorerst nicht in italienische Hoheitsgewässer einfahren, wie Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler erklärte.

Der italienische Zoll habe der Besatzung am Morgen ein Dekret des italienischen Innenministers Matteo Salvini ausgehändigt, mit dem die Einfahrt in die Hoheitsgewässer des Landes untersagt wurde.

Erneut kommen Hunderte von Bootsmigranten in der EU an
Flüchtlinge Erneut kommen Hunderte von Bootsmigranten in der EU an

"Wir beachten erstmal dieses Verbot", versicherte der gebürtige Hamburger Isler. Ohne triftigen Grund werde Sea-Eye nicht gegen das Dekret verstoßen.

Die "Alan Kurdi" hatte nach Sea-Eye-Angaben 65 Migranten in internationalen Gewässern vor Libyen von einem Schlauchboot gerettet.

Im Bundesinnenministerium war am Freitagabend ein Brief Salvinis eingegangen. Darin drängt er Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Verantwortung für die "Alan Kurdi" zu übernehmen.

Die Flüchtlinge wurden von einem Schlauchboot gerettet.
Die Flüchtlinge wurden von einem Schlauchboot gerettet.  © Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Deutschland hat der EU-Kommission nach Angaben Seehofers angeboten, Migranten von der Sea-Eye und vom Rettungsschiff "Alex" der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans im Mittelmeer aufzunehmen.

"Auch im Fall der "Alan Kurdi" und der "Alex" sind wir im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung bereit, einen Teil der aus Seenot Geretteten aufzunehmen", sagte Seehofer am Samstag.

Die "Alan Kurdi" befand sich am Samstagvormittag nach Angaben Islers etwa eine Seemeile vor den italienischen Hoheitsgewässern und rund 13 Seemeilen vor der italienischen Insel Lampedusa.

Eine per Mail an die Behörden in Rom und Valletta, der Hauptstadt Maltas, geschickte Bitte um Zuweisung eines sicheren Hafens für die "Alan Kurdi" sei bis zum Vormittag ohne Antwort geblieben, sagte der Einsatzleiter weiter.

Update, 16.40 Uhr: Italienisches Schiff ruft Notstand aus

Eine schwangere Frau wird auf dem Rettungsboot untersucht.
Eine schwangere Frau wird auf dem Rettungsboot untersucht.  © Olmo Calvo/AP/dpa

Die italienische Hilfsorganisation Mediterranea will mit ihrem Rettungsschiff "Alex" in den Hafen von Lampedusa einlaufen, obwohl Italiens Innenminister Matteo Salvini dies per Dekret verboten hat.

"Angesichts der unerträglichen Gesundheits- und Hygienesituation an Bord, hat #ALEX den 'Notstand' erklärt und steuert auf den Hafen von #Lampedusa zu, den einzig möglichen sicheren Ort, um von Bord zu gehen", hieß es in einem Tweet der Organisation am Samstag.

Die italienische Regierung hatte die Organisation zuvor aufgefordert, mit dem Rettungsschiff Malta anzusteuern. Die elfstündige Reise sei aber zu lang und gefährlich, sagte Mediterranea.

Nach Angaben der Organisation befänden sich nahezu 60 Menschen an Bord, darunter 41 Gerettete. Zugelassen sei das Schiff lediglich für 18 Menschen.

Mehr zum Thema Flüchtlinge: