Lukaku rassistisch beleidigt: Reaktion der eigenen (!) Fans macht fassungslos

Mailand - Rassismus in Fußball-Stadien ist leider keine Seltenheit. Und wieder einmal war die italienische Serie A am Wochenende betroffen. Inters Romelu Lukaku wurde von gegnerischen Fans beleidigt - und ausgerechnet die eigenen Zuschauer relativieren nun die Vorkommnisse.

Die Inter-Fans gelten als sehr hingabevoll. Hier mit einer Choreo um Rivalen Juventus Turin hämisch an deren Ausscheiden in der UEFA Champions League zu erinnern.
Die Inter-Fans gelten als sehr hingabevoll. Hier mit einer Choreo um Rivalen Juventus Turin hämisch an deren Ausscheiden in der UEFA Champions League zu erinnern.  © Alberto Lingria/XinHua/dpa

Es war der Aufreger des vergangenen Serie-A-Spieltags. Inter Mailands Neuzugang Romelu Lukaku legt sich den Ball zum Strafstoß hin - was vorher vereinzelt und leise zu vernehmen war, wurde nun immer lauter: Affenlaute gegen den dunkelhäutigen Belgier hallten durch die Sardegna Arena in Cagliari!

Lukaku davon sichtlich getroffen, schob dennoch zum 2:1-Siegtreffer ein (72.). Doch das Verhalten vieler derer, die im Stadion waren und sich an den Schmähungen beteiligten, stimmte ihn nachdenklich, wütend und traurig zugleich.

Nach dem Spiel meldete er sich via Instagram zu Wort, lud all seinen Frust und seine negativen Gedanken ab. Spieler aus aller Welt sprangen ihm zur Seite. Unter anderem auch Bundesliga-Profi Jadon Sancho (19) von Borussia Dortmund.

Nun meldete sich die "Curva Nord", die Ultra-Szene von Inter Mailand zu Wort. Auf ihrer Facebook-Seite "L'urlo della Nord" schrieben sie, nach eigener Aussage stellvertretend für die Tifosi im Land, einen offenen Brief an den 26-Jährigen.

Was darin steht, macht einen regelrecht fassungslos.

Sorry, aber alles nicht so gemeint

Lukaku nach einem Treffer im Spiel gegen US Lecce. Erst vor wenigen Wochen wurde er von Manchester United in die italienische Dom-Stadt transferiert.
Lukaku nach einem Treffer im Spiel gegen US Lecce. Erst vor wenigen Wochen wurde er von Manchester United in die italienische Dom-Stadt transferiert.  © Luca Bruno/AP/dpa

Der Verfasser beginnt seine Zeilen mit den Worten: "Hallo Romelu, wir schreiben dir stellvertretend für die Curva Nord, genau die Typen, die dich bei deiner Ankunft in Mailand willkommen geheißen haben".

Was anschließend folgt, klingt fast schon niederschmetternd ignorant: "Es tut uns wirklich leid, dass Du gedacht hast, dass das, was in Cagliari geschah, wirklich rassistisch war. Du musst verstehen, dass Italien nicht so ist wie andere nordeuropäische Länder, in denen Rassismus ein wirkliches Problem ist."

Was sich wie eine Verharmlosung der Vorfälle durch gegnerische Fans klingt, kommt hier tatsächlich vom eigenen Anhang.

Weiter führt der Verfasser aus, dass man durchaus Verständnis dafür habe, dass Lukaku die Affenlaute als rassistisch aufgefasst hat, jedoch sei dies nicht das Ziel des gegnerischen Anhangs gewesen.

Man nutze nur andere Wege um die gegnerische Mannschaft "nervös zu machen und unserem Team zu helfen, jedoch nicht des Rassismus Willen, sondern, um es mit ihnen aufzunehmen".

"Auch wir haben es schon getan und werden es wieder tun"

Ausschnitte des Textes der Ultra-Gruppierung von Inter Mailand.
Ausschnitte des Textes der Ultra-Gruppierung von Inter Mailand.  © Screenshot/Facebook Lurlo della Nord

Anschließend wird darauf eingegangen, dass man Fans verschiedenster Nationen, ethnischer Zugehörigkeit und Teilen Italiens bei sich in der Fan-Gemeinde hat. Darüber hinaus, hat man Spieler von überall her bereits "willkommen geheißen".

"Wir haben das bereits oft getan mit Spielern anderer Teams und werden es in Zukunft sicherlich wieder tun", bauten die Ultras schon einmal vor. "Wir sind genauso wenig rassistisch, wie es die Cagliari-Fans sind".

Der Belgier solle es doch bitte so verstehen, dass man Respekt und Angst hat "vor den Toren, die Du möglicherweise erzielen könntest" gegen "deinen Gegner". Wirklicher Rassismus sehe "anders aus und alle italienischen Fußball-Fans wissen das auch."

"Bitte hilf uns, aufzuklären was Rassismus wirklich ist und dass italienische Fußball-Fans keine Rassisten sind", so die Bitte an den 81-fachen belgischen Nationalspieler. "Um echten Rassismus zu bekämpfen, muss man in den Schulen anfangen, nicht im Stadion. Fans sind nur Fans und die benehmen sich im Stadion anders, als sie es im Alltag tun würden."

Abschließend wird der Belgier mit kongolesischen Wurzeln noch einmal willkommen geheißen: "Italienische Fans mögen nicht perfekt sein und wir verstehen Deine Frustration, die Du zum Ausdruck gebracht hast, aber es war nicht rassistisch gemeint. Nochmals ... Herzlich Willkommen Romelu."

Der Belgier hat sich bislang nicht geäußert.

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