"Wollte mich zersägen und in den Ofen hauen": Opfer berichtet von übler Folter in Gartenlaube

Rostock – Nachdem Manuel L. (39) von seinen Nachbarn in einer Gartenlaube in Rostock über Stunden gefoltert und gequält wurde, hat das Opfer am Freitag von den furchtbaren Qualen berichtet.

Jürgen K. sitzt neben seinem Anwalt.
Jürgen K. sitzt neben seinem Anwalt.  © Stefan Tretropp

Der 39-Jährige aus Lalendorf berichtete vor dem Rostocker Landgericht, dass die beiden Angeklagten Patrick J. (35) und Jürgen K. (63) ihn unter einem Vorwand in die Gartenlaube gelockt und dort mit Fäusten und einem Axtstiel auf ihn eingeschlagen hätten.

"Nachdem mein Handy zertrümmert und in den Ofen geworfen wurde, wurde ich unvermittelt geschlagen", erklärte der Hartz-Vier-Empfänger zitternd.

Ein Untersuchungsbericht der Rechtsmedizin bewies, dass die Verletzungen zu dem beschriebenen Geschehen passten. Das Opfer erlitt unter anderem ein Schädelhirntrauma und Gesichtsfrakturen. Der 39-Jährige lag mehrere Tage auf der Intensivstation.

In einigen Aspekten verstrickten sich der homosexuelle Mann und sein Ehemann, der anschließend ausgesagt hatte, jedoch in Widersprüche. So sagte der 39-Jährige, er könne sich nicht erinnern, dass er wenige Tage vor der Tat schon von dem Angeklagten geschlagen worden sei und ein blaues Auge davon trug. Das betonte jedoch der Ehemann.

Die Verletzung soll auch auf einem Foto zu erkennen sein, das in der Gartenlaube aufgenommen worden sein soll und dem Gericht vorgelegt wurde. Der Ehemann berichtete, dass das Opfer schon lange unter Gedächtnislücken leide.

Auch über andere Details des Tatgeschehens gab es Zweifel. So war sich das Opfer sicher, dass der 35-Jährige ihn mit einer Kettensäge der Marke Stihl bedroht habe. "Patrick J. machte dann eine Kettensäge an, wollte mich zersägen und in den Ofen hauen", schilderte Manuel L. im Gerichtssaal.

Opfer musste nackt Holz hacken

Zwei Gartennachbarn sollen den 39-Jährigen stundenlang gequält haben.
Zwei Gartennachbarn sollen den 39-Jährigen stundenlang gequält haben.  © Stefan Tretropp

Der Angeklagte besitzt nach eigenen Angaben aber eine Säge einer anderen Marke, die sich zudem am Tattag nicht in der Gartenlaube befunden habe, wie er zum Prozessauftakt ausgesagt hatte. Einer der Verteidiger nannte die Aussage des Opfers "teilweise unrichtig".

Beim Prozessauftakt am Mittwoch hatten die beiden Angeklagten die Taten teilweise eingeräumt. Der 35-jährige Hauptbeschuldigte habe mehrfach auf den Mann eingeschlagen und ihn gezwungen, sich vollständig auszuziehen und nackt Holz zu hacken, was er mit seinem Smartphone filmte. Er trank während der Tat nach eigenen Worten Bier und konsumierte Kokain.

L., der angab, vorher nie "Stress mit den Angeklagten" gehabt zu haben, hatte während des Martyriums Angst, dass er das nicht überleben werde. Ein Arm sei ihm gebrochen und ein Zahn ausgeschlagen worden. "Ich habe eine Stunde am Stück auf die Fresse bekommen", sagte der 39-Jährige und fügte hinzu: "Ich wurde mit dem Tode bedroht, falls ich das zur Anzeige bringe. Ich sollte sagen, dass mich zwei Neger zusammengeschlagen hätten."

Der ältere Angeklagte hatte nur einen Schlag eingeräumt, was das Opfer in seiner Aussage am Freitag als Quatsch bezeichnete. Wenn der andere mutmaßliche Täter eine Pause machte, habe der 63-Jährige mit Fäusten und einem Axtstiel auf ihn eingeprügelt. Der Angeklagte bat am Freitag um Entschuldigung: "Es tut mir leid, dass alles so gekommen ist." Am Montag soll der Prozess fortgesetzt werden.

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