Rudolf Molleker: Wird er nach Zverev Deutschlands nächster Tennis-Star?

Australien/Oranienburg - Ganz Deutschland blickt momentan auf Alexander "Sascha" Zverev (21) als potenziellen Nachfolger von Boris Becker. Seit dem Gewinn der inoffiziellen Tennis-Weltmeisterschaft in London, als Zverev Roger Federer und Novak Djokovic schlug, gilt der 21 Jahre alte Hamburger als heißer Anwärter auf den Titel bei den am Montag startenden Australian Open.

Rudolf Molleker erreichte erstmals das Hauptfeld der Australien-Open.
Rudolf Molleker erreichte erstmals das Hauptfeld der Australien-Open.  © DPA

Doch in seinem Schatten steht für Tennis-Deutschland noch ein weiteres Kronjuwel in den Startlöchern.

Denn mit Rudolf "Rudi" Molleker machte schon im Nachwuchs ein extrem gut veranlagter Spieler auf sich aufmerksam. Nun kämpfte sich der gebürtige Ukrainer, der mit drei Jahren mit seinen Eltern und seinem Bruder nach Oranienburg kam, durch die Qualifikation und steht ab Montag in Australien erstmals im Hauptfeld eines Grand Slam, und das mit gerade einmal 18 Jahren!

Doch wer ist eigentlich der Typ, der bei Insidern ganz ähnlich wie Zverev, als schwieriger Charakter gilt?

Schon früh in der Karriere wurde Molleker mit Becker-, später Zverev-Vergleichen konfrontiert. Der talentierte Spieler reagiert im Interview mit "tennismagazin.de" leicht genervt: "Mal war ich der kommende Boris Becker. Jetzt sehen die Leute mich in den Fußstapfen eines Sascha Zverevs. Ich nehme das wahr, aber ich kann ja nichts dagegen machen. Ich will ein sehr erfolgreicher Rudi Molleker werden."

Posieren mit den Förderern: Mittig, Mollekers Vater Roman und rechts daneben Manager Benjamin Thiele.
Posieren mit den Förderern: Mittig, Mollekers Vater Roman und rechts daneben Manager Benjamin Thiele.  © Imago

Während Becker unzählige, Zeverv bislang zehn Titel sammelte, steht Molleker dagegen erst am Anfang seiner Profi-Laufbahn. Obwohl der Rechtshänder im jungen Alter schon so einiges erlebte.

Er wurde in der Ukraine geboren, kam mit drei Jahren nach Deutschland. Seine Familie zog es nach Oranienburg, wo sie in einfachen Verhältnissen lebten. Molleker sieht sich selbst aber als Berliner, wie er dem Tagesspiegel erzählt.

Es wurde schnell klar - in Rudi schlummert ein außergewöhnliches Können. Er galt schon zu Kindertagen als Talent, das den Traum vom Profitum leben will. Seine Jugend-Karriere lief bilderbuchmäßig ab - zumindest ergebnistechnisch. Er wurde Jugend-Europameister und feierte mehrere nationale und internationale Titel.

Trotz der Erfolge ist der junge Molleker, der als Tennis-Allrounder gilt, in der Szene schon berühmt berüchtigt. Die Vorwürfe: Er wirke teilweise arrogant, sei ein spezieller Typ, der seine gewonnenen Punkte meist "übertrieben" feiert.

Bejubelt jeden Punkt frenetisch: Rudi Molleker, ein Spieler mit Ecken und Kanten.
Bejubelt jeden Punkt frenetisch: Rudi Molleker, ein Spieler mit Ecken und Kanten.

Molleker: Es "gehört auf dem Court für mich dazu. Manchmal vergesse ich während eines Matches alles um mich herum. Dann zählt nur Tennis", wie er "tennismagazin.de" verriet.

Diese besondere Art polarisiert sicherlich, doch Molleker sagt: "Die Emotionen auf dem Platz sind meine Basis.

Das weiß mittlerweile auch Daviscup-Teamchef Michael Kohlmann: "Ich habe mich in manchen Szenen auch gefragt, ob das sein muss. Aber manchmal muss die Anspannung auch raus, und grundsätzlich hat er seine Ausbrüche mittlerweile viel besser im Griff."

Manager Benjamin Thiele ist von der Vorwürfen genervt und sagt gegenüber "tennismagazin.de": "Wir lechzen hierzulande nach echten Typen, die mitreißen und auch mal polarisieren. Wenn es dann mal jemanden gibt, regen sich viele Beobachter schnell auf und es wird einem das Negative vorgehalten."

Molleker mag es privat lässig und hört vor allem Hip Hop von "Capital Bra".
Molleker mag es privat lässig und hört vor allem Hip Hop von "Capital Bra".  © Imago

Viele vergessen, dass Roger Federer, Rudis Vorbild, am Anfang seiner Karriere auch mit emotionalen Ausbrüchen zu kämpfen hatte und nun vielleicht der beste Tennis-Spieler aller Zeiten ist. Nicht weniger ambitioniert sind Mollekers Ziele, erzählt er dem Tagesspiegel: "Mein größtes Ziel, wäre irgendwann mal die Nummer eins zu werden. Vielleicht reicht es eines Tages auch für einen Grand-Slam-Titel. Klar sind das Träume, aber die kann man ja vielleicht eines Tages realisieren. Bis dahin muss ich noch hart arbeiten."

Die harte Arbeit in den Jugend-Tagen trug schon erste Früchte. Im Mai 2018 der erste Challenger-Erfolg in Heilbronn, dann der Sieg in Hamburg gegen French-Open-Finalist David Ferrer (36). Im Januar 2019 nun der erste große Meilenstein.

Im letzten Quali-Match der Australien-Open traf er auf den Kölner Oscar Otte (25), der in der Weltrangliste mit Platz 169 38 Plätze vor Molleker steht (207). Dabei wehrte der Oranienburger zwei (!) Matchbälle ab und gewann noch mit 4-6, 6-4, 7-5. Das Erreichen des Hauptfelds eines Grand Slam ist zweifellos der Höhepunkt seiner Karriere. Jetzt wartet der an 18 gesetzte Argentinier Diego Schwartzman (26).

Markus Zoecke (50), Sportdirektor seines Heimatvereins LTTC Rot-Weiß, verrät der B.Z., dass er durchaus Chancen sieht: "Ja, das ist ein schweres Los. Aber durchaus machbar."

Man darf also gespannt sein, wie der erste Grand-Slam-Auftritt von Molleker verlaufen wird.

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