Wintersport der Zukunft? Ruhpolding testet Sommer-Biathlon

Ruhpolding - Nach dem Biathlon-Weltcup rüstet sich Ruhpolding für die Weltmeisterschaft. Im Sommermonat August geht es für die Skijäger in diesem Jahr um Titel und Medaillen.

Magdalena Neuner ist auch im Sommer Biathlon-Weltmeisterin geworden.
Magdalena Neuner ist auch im Sommer Biathlon-Weltmeisterin geworden.  © Sven Hoppe/dpa

Magdalena Neuner ist auch im Sommer Biathlon-Weltmeisterin geworden - doch kaum einer hat davon Kenntnis genommen.

"Zum damaligen Zeitpunkt lag da noch nicht der Fokus drauf", sagt Jörg Heger, Neuners langjähriger Manager. Im September 2009 feierte die Olympiasiegerin gleich drei WM-Siege. Damals fanden in Oberhof erstmals in Deutschland Titelkämpfe auf Skirollern statt.

Elf Jahre später ist es wieder soweit: Im August startet Ruhpolding einen neuen Versuch, in jenem Monat also, in dem auch der Ski Club sein stolzes 100-jähriges Gründungsjubiläum feiert. Sport-Manager Heger glaubt: "Titel werden jetzt stärker im Fokus stehen als in der Vergangenheit."

Angesichts des Klimawandels ist Sommer-Biathlon vielleicht eine Blaupause für die Zukunft, doch erst sind die Welt-Titelkämpfe vom 19. bis 23. August als Test gedacht.

"Im Grunde ist es ja mit Biathlon in den 70er-Jahren nicht viel anders gewesen. Da hat es auch so angefangen, dass die Pioniere das Gefühl hatten, es könnte was sein", erinnert sich Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler. "Man hat damals mit überschaubarem Aufwand und sehr überschaubaren Zuschauerzahlen begonnen. Mit der Sommer-WM ist es vielleicht ähnlich."

Bei dem am Sonntag zu Ende gegangenen Weltcup feierten insgesamt rund 44.000 Zuschauer am Finalwochenende auch ohne deutsche Siege ein Volksfest. "Diejenigen, die vor über 40 Jahren begonnen haben", sagt Pichler, "die konnten sich auch nicht vorstellen, wie es heute ausschaut. Das Entscheidende ist, ob es uns gelingt, die Begeisterung der Menschen zu entfachen."

Neue Strategie für Ruhpolding

Olle Dahlin, Präsident der Internationalen Biathlon Union, glaubt an ein tolles Event.
Olle Dahlin, Präsident der Internationalen Biathlon Union, glaubt an ein tolles Event.  © Sven Hoppe/dpa

Daran glaubt Olle Dahlin, der Präsident der Internationalen Biathlon Union: "Ich bin mir sicher, dass wir wieder ein tolles Biathlon-Event in Ruhpolding erleben werden."

Der Weltverband will künftig auch im Sommer ins Geschäft kommen, erhofft sich durch die Vergabe an etablierte und bei den Fans beliebten Standorte wie Ruhpolding und 2021 Nove Mesto/Tschechien "einen Schub für Sommer-Biathlon", sagt IBU-Sportdirektor Felix Bitterling. "Diese Wettbewerbe können die Grundlage für eine Weiterentwicklung des Sommer-Biathlons sein."

Die neue Strategie passt für Ruhpolding, denn in der Chiemgau Arena soll es künftig nicht nur im Winter rundgehen. Dafür wurde die Firma triceps, die ursprünglich als Partner-Agentur für Athleten des Deutschen Ski-Verbandes entstanden ist, ins Boot geholt. Für Andreas Steiniger, neben Heger Geschäftsführer, "hilft solch eine Sommer-WM ein ganzes Stück".

Die Sportmanager haben bereits Hochrechnungen angestellt, wollen an jedem der Wettkampftag 5000 bis 7000 Zuschauer in die Arena locken. Eine relevante TV-Präsenz in ARD und ZDF scheint garantiert. Man könne, sagt Steiniger, "auch Sponsoren ansprechen, die nicht im Weltcup unterwegs sind, für die vielleicht das Sommerhalbjahr interessanter und wichtiger ist".

Hat der Winter-Weltcup ein Kostenvolumen von rund drei Millionen Euro, rechnen die Veranstalter damit, im Sommer mit etwas weniger als einem Drittel auszukommen. Schon jetzt verspricht der deutsche Damen-Trainer Kristian Mehringer: "Wir fahren mit der stärksten Mannschaft hin. Wir wollen keinen verheizen, aber es soll eine schlagkräftige Truppe am Start stehen."

In den ehemaligen Ostblockstaaten hat Sommer-Biathlon schon lange einen sehr viel höheren Stellenwert. Denn der Unterschied für die Athleten ist eigentlich gar nicht so groß, im Sommer wird eh auf den Rollern trainiert. "Vom Bewegungsablauf her", erklärt Mehringer, sei das "kein riesengroßer Unterschied". Man benötige etwas mehr Kraft. "Und die Skiroller", sagt der Trainer. Der Grund liegt auf der Hand: "Sind halt kürzer."

Wintersport der Zukunft? Ruhpolding testet Sommer-Biathlon. (Symbolbild)
Wintersport der Zukunft? Ruhpolding testet Sommer-Biathlon. (Symbolbild)  © Ralf Hirschberger dpa/lsn/lby/lth

Titelfoto: Ralf Hirschberger dpa/lsn/lby/lth

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