Mega-Andrang, Panne & Kritik: So lief die Russen-Discounter-Eröffnung in Leipzig

Leipzig - Am Dienstagmorgen hat der russische Billig-Discounter Torgservis in Leipzig seine erste deutsche Filiale eröffnet. Nach wenigen Minuten war der "Mere"-Markt voller neugieriger Kunden, die sich ein Bild machen wollten vom großen Unbekannten, der Aldi, Lidl & Co. Konkurrenz machen will. TAG24 hat mit den ersten Käufern gesprochen - doch es gibt auch harte Kritik aus Gewerkschaftskreisen.

Und rein geht's! Standen pünktlich um 9 Uhr nur etwa 20 Kunden vor dem "Mere", waren es nur 20 Minuten später fast zehnmal so viele.
Und rein geht's! Standen pünktlich um 9 Uhr nur etwa 20 Kunden vor dem "Mere", waren es nur 20 Minuten später fast zehnmal so viele.  © Nico Zeißler

Es ist 9.01 Uhr in Leipzig-Portitz. Direkt neben der Autobahn 14 stehen wir im Einkaufszentrum "Treff Portitz" gemeinsam mit etwa 20 Menschen vor der automatischen Tür zu einem Discounter, der in dieser Form einmalig in Deutschland ist. Auf knapp 1000 Quadratmetern werden neben Lebensmitteln auch Haushaltsutensilien und Drogerieartikel angeboten. Allerdings zu Preisen, bei denen selbst die günstigsten Discounter nicht mithalten können.

Nur eine gute Viertelstunde nach Eröffnung des "Mere" befinden sich etwa 150 Kunden in den vier Hauptgängen des Marktes. Hier werden Milch, Konserven und Fruchtsäfte auf Paletten angeboten, Wurstwaren und Käse befinden sich übereinander gestapelt in der Kühltheke. Die Originalverpackungen sind teilweise mit deutschen Etiketten überklebt. Die Artikelhersteller kommen vornehmlich aus Polen und Tschechien.

Nach etwa einer Stunde haben zahlreiche Kunden vollgepackte Einkaufswagen zu ihren Autos gekarrt. Und was sagen die zum Discounter-Neuling?

"Wir sind ohne Vorstellung hergekommen und wollten einfach schauen, was es Günstiges gibt", sagt eine junge Mutter, die mit Bekannten zur Eröffnung gekommen war. "Wir sind Familien mit Kindern, da muss man auf den Preis schauen." Bei ihr habe es Probleme an der Kasse mit der Wurst gegeben. "Es wurde der Kilopreis abgezogen, nicht das tatsächliche Gewicht", so die Kundin. Besonders über den um etwa ein Drittel günstigeren Kaffee im Vergleich zu anderen Supermärkten freute sie sich aber.

Wocheneinkauf nicht möglich - Heftige Kritik von der Gewerkschaft

500 Gramm eingeschweißter Hackbraten aus dem Lustlos-Kühlregal kostet 98 Cent.
500 Gramm eingeschweißter Hackbraten aus dem Lustlos-Kühlregal kostet 98 Cent.  © Nico Zeißler

Was wir auf unserer Erkundungstour vergeblich suchten, waren zum Beispiel Butter, Nudeln, Reis, Eier, Mehl, Zucker, Salz und vor allem Obst und Gemüse. Das kritisierte auch ein älteres Ehepaar aus dem benachbarten Taucha. "Das Sortiment ist ausbaufähig. Wir hoffen, dass es noch angepasst wird", so die Rentner.

Im Gegensatz zu ihnen hätten viele Menschen, die in den Stadtteilen Plaußig, Portitz oder dem nördlichen Schönefeld wohnen, "sicher damit gerechnet, dass sie hier ihren Wocheneinkauf erledigen können." Für ihren vollen Einkaufswagen haben sie knapp 34 Euro bezahlt. "Das hätte woanders das Doppelte gekostet", sind sich die Eheleute sicher.

Aber wie können sich solche Preise rentieren? Die TS-Markt 101 GmbH versichert: "Wir halten uns an deutsche Verordnung und Gesetze." Die Waren seien zertifiziert, so ein Sprecher.

Doch es gibt auch die andere Seite. Heftige Kritik hagelte es nämlich von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die "Mere"-Eröffnung sei ein "Alarmsignal", sagte der Vorsitzende Guido Zeitler. "Wer mit dem Versprechen antritt, die ohnehin schon günstigen Lebensmitteldiscounter in Deutschland drastisch zu unterbieten, der dreht weiter an der Preis-Abwärts-Spirale. Aber Lebensmittel sind Qualitätsprodukte, die nicht unter Wert verkauft werden dürfen", so Zeitler.

Bei "Mere" gibt's von Montag bis Samstag, 9 bis 19 Uhr, zum Beispiel H-Milch ab 49 Cent und 400 Gramm Konserven-Mais für 0,44 Euro. Für den Kaffee sind knapp über 2 Euro fällig, die 24er Packung Kamillentee gibt es für unfassbare 21 Cent. Wenn die existierenden Ramschpreise noch einmal um 20 Prozent getoppt werden, seien die Kosten für Mensch und Umwelt enorm, so der Gewerkschafter: "Lebensmittel dürfen keine Ramschware sein!"

Neben seinen etwa 800 Filialen in Osteuropa und Asien will die TS-Markt 101 GmbH bundesweit etwa 100 Filialen - zunächst in Ostdeutschland - eröffnen. Höchstwahrscheinlich wird im westsächsischen Zwickau der nächste Markt eröffnet. Getreu dem Motto: "Tiefstpreise jeden Tag".

Unter grellen Neonröhren müssen sich die Kunden die Artikel direkt von der Palette oder aus Gitterboxen nehmen.
Unter grellen Neonröhren müssen sich die Kunden die Artikel direkt von der Palette oder aus Gitterboxen nehmen.  © Nico Zeißler
Zwei Tage lang galt der Mere-Markt als ausverkauft. Am Mittwoch öffnet er seine Türen mit einem neuen Waren-Angebot.
Zwei Tage lang galt der Mere-Markt als ausverkauft. Am Mittwoch öffnet er seine Türen mit einem neuen Waren-Angebot.  © Nico Zeißler
An den drei Kassen herrschte zur Eröffnung ordentlich Betrieb.
An den drei Kassen herrschte zur Eröffnung ordentlich Betrieb.

Mehr zum Thema Leipzig Wirtschaft:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0