Radioaktive Wolke über Europa: Wurde ein Atomunfall verschleiert?

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace vermutet eine mögliche Verschleierung eines Atomunfalls. (Symbolbild)
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace vermutet eine mögliche Verschleierung eines Atomunfalls. (Symbolbild)  © DPA

Tscheljabinsk/Russland - Wurde in Russland etwa ein Atomunfall verschleiert? Der russische Wetterdienst hat am Montag bestätigt, dass seit Ende September in weiten Teilen des Landes eine radioaktive Wolke durch die Luft zieht.

Es sei laut ntv eine äußerst hohe Konzentration von radioaktivem Ruthenium-106 ausgemacht worden. Äußerst hoch bedeutet in diesem Fall das 986-fache des erlaubten Werts. Die höchste Konzentration wurde im südlichen Ural an der Grenze zu Kasachstan ausgemacht. Die Messstation Argajasch in einem Dorf in der Region Tscheljabinsk registrierte den bedrohlichen Wert.

Bislang konnte noch nicht geklärt werden, woher die radioaktive Wolke genau kommt. Die naheliegendste Erklärung liegt 30 Kilometer von der Messstation entfernt. Dort befindet sich das Atomkraftwerk Majak, das heute als Wiederaufbereitung abgebrannter nuklearer Brennstoffe dient.

Die Organisation Greenpeace vermutet hinter der bedrohlichen Wolke möglicherweise sogar einen verschleierten Atomunfall. Deshalb forderte sie die russische Atombehörde Rosatom auf, eine umfangreiche Untersuchung einzuleiten. Zudem sollen die daraus resultierenden Ergebnisse veröffentlicht werden.

Eine äußerst hohe Konzentration von radioaktivem Ruthenium-106 wurde festgestellt. (Symbolbild)
Eine äußerst hohe Konzentration von radioaktivem Ruthenium-106 wurde festgestellt. (Symbolbild)  © DPA

Mysteriös: Mitte Oktober versicherte die Behörde, dass in Russland keine Spuren von Ruthenium- 106 gesichtet worden waren. Lediglich in St. Petersburg habe man eine niedrige Konzentration beobachtet. Europäische Institute stellten aber sehr wohl bedenkliche Werte fest. Sogar in Sachsen wurden vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zahlreiche radioaktive Isotope in der Atmosphäre gemessen (TAG24 berichtete).

Auch damals waren sich die Verantwortlichen bereits sicher, dass der Ursprungsort "mit hoher Wahrscheinlichkeit" im südlichen Ural liege. Von einem Unfall in einem Atomkraftwerk ging man allerdings nicht aus.

Das Element Ruthenium ist für den Menschen in erster Linie aber nicht unbedingt gefährlich. "Selbst bei konstanter Einatmung über den Zeitraum von einer Woche ergibt sich daraus eine Dosis, die niedriger ist als die, die durch die natürliche Umgebungsstrahlung in einer Stunde aufgenommen wird", hieß es in einer veröffentlichten Stellungsnahme des Bundesamts für Strahlenschutz.

Es werde zum Beispiel als Strahlenquelle in der Krebstherapie genutzt und habe demnach sogar eine teils positive Wirkung auf den menschlichen Körper.


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