Russland startet Luftangriffe auf Syrien

Russlands Präsident Putin greift in Syrien ein.
Russlands Präsident Putin greift in Syrien ein.

Russland/Syrien - Erst am Mittwochvormittag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin (62) seinen Förderationrat um die Erlaubnis gebeten, Syrien militärisch angreifen zu dürfen. Noch am frühen Nachmittag fielen die ersten Bomben in der Region um Homs.

Laut Meldungen der Deutschen Nachtichten-Agentur (dpa) habe Syriens Präident Baschar al-Assad (50) Russland um Militärhilfe gebeten, so Sergej Iwanow, Chef der Präsidialverwaltung. Nach ersten Angaben von Menschenrechtsbeobachtern wurden bei diesem ersten Angriff 27 Menschen getötet, darunter sechs Kinder.

"Der Einsatz kann natürlich nicht endlos sein", machte Iwanow schnell deutlich. Informationen über die Anzahl der Flugzeuge, die Russland entsenden will und wie lange der Einsatz dauern soll, gab er nicht. Auch syrische Kampfpiloten mit russischen Jets sollen Angriffe auf den IS fliegen.

Russland habe die USA eine Stunde vorher über entsprechende Pläne informiert. Bodentruppen sollen nicht eingesetzt werden.

Allerdings verdichten sich Meldungen (u.a. bei "Tagesschau.de"), wonach die Stellungen, die die Russen bombardieren, nichts mit der IS zu tun haben. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, die russischen Kampfjets zielen auf Stellungen der Freien Syrischen Armee (FSA). Diese Splittergruppe kämpft auch gegen den IS, will aber auch Präsident Assad stürzen.

In Syrien herrscht schon seit 2011 ein kaum durchschaubarer Bürgerkrieg. In den letzten Jahren ist im nördlichen Teil des Landes die IS erstarkt - eine radikal-fundamentalistische Religionsmiliz. Bislang kamen mehr als 250.000 Menschen ums Leben.

Die Kämpfe sind auch der Auslöser für die große Flüchtlingswelle in Europa.

Update 15:45 Uhr: Wie der Stern berichtet, sollen Kampfjets 200 Meter von Damaskus entfernt vor allem Munitionsdepots und Treibstofflager der IS bombadiert haben. Das hatte der Generalmajor Igor Konaschenkow gegenüber der Agentur Interfax verkündet.

Update 16:12 Uhr: Kritische Stimmen werden laut. Bundesinnenministerin Ursula von der Leyen (65, CDU) sieht eine innenpolitische Motivation hinter den Angriffen Russlands.

Die Staatsanwaltschaft in Frankreich leitete derweil ein Ermittlungsverfahren gegen die syrische Regierung und Baschar al-Assad ein. Der Vorwurf lautet "Verbrechen gegen die Mennschlichkeit". Zugrunde liegen den Vorwürfen rund 55.000 Fotos und Aussagen eines früheren syrischen Militärpolizisten, der im Sommer 2013 aus dem Land geflohen war.

Frankreich hatte bereits am Sonntag einen ersten Luftangriff gegen den IS in Syrien gestartet, bei dem laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte rund 30 IS-Kämpfer getötet wurden.

Präsident Putin kündigte an, "die syrische Armee so lange [zu] unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet habe". Das Eingreifen Russlands in den Konflikt sei für ihn der "einzige Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus".

Die Zahlen der ersten Opfer gehen inzwischen auseinander. Während die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte von 27 Toten berichtet, melden Aktivisten bereits 35 Opfer.

Via Twitter verkündete Khaled Khudscha, Vorsitzender des Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition, gebe es weder IS- noch Al-Kaida-Kämpfer.

Auch in Westeuropa gibt es die Befürchtung, dass der umstrittene syrische Präsident Assad die russischen Truppen für seinen Kampf gegen die Opposition und die Zivilbevölkerung einsetzen könnte.

Die Bevölkerung Russlands steht - anders als die russisch-orthodoxe Kirche - mehrheitlich nicht hinter einer Intervention in Syrien. Bei einer aktuellen Umfrage gab es lediglich von 6 Prozent der Russen ein "Ja" zum Eingriff in den Konflikt.

Wsewolod Tschaplin, ein einflussreicher Oberpriester, sagte deutlich: "Der Kampf gegen den Terror ist ein heiliger Kampf. Und unser Land ist heute wohl die aktivste Kraft weltweit, die gegen ihn vorgeht – nicht im eigennützigen Interesse, sondern weil der Terrorismus unmoralisch ist."

Die Luftangriffe am Mittwochmittag im Video

Fotos: dpa/Yuri Kochetkov, Screenshots/Youtube, imago

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