Ungesicherte Gleise, Kranke im Zug und Türenaufreißer: So erklärt die S-Bahn das Chaos

Hamburg - Vor allem HVV-Pendler südlich der Elbe kämpfen täglich mit verspäteten, überfüllten oder ausgefallenen S-Bahnen. Das Chaos in dieser Woche brachte das Fass zum Überlaufen.

Unzählige Menschen stehen am Hamburger Hauptbahnhof und wollen in eine S-Bahn einsteigen. (Archivbild)
Unzählige Menschen stehen am Hamburger Hauptbahnhof und wollen in eine S-Bahn einsteigen. (Archivbild)  © dpa/Bodo Marks

Die Politik reagiert: Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) macht jetzt Druck auf die Deutsche Bahn, ihre S-Bahn-Anlagen in der Metropolregion Hamburg zu sanieren.

Hierzu soll es noch in diesem Monat einen Runden Tisch mit Vertretern des Berliner Bahn-Vorstandes, der Hamburger S-Bahn und der Behörde geben, kündigte Westhagemann an. "Wir müssen verbindliche Absprachen treffen und Maßnahmen schneller umsetzen."

Von Oppositionsparteien in der Bürgerschaft wurde Westhagemann aufgefordert, es nicht bei Lippenbekenntnissen zu belassen. Schließlich hapert es nicht erst seit Kurzem bei der S-Bahn.

Zahlreiche Probleme führten am Dienstag im Nahverkehr zu langen Wartezeiten, erheblichen Verspätungen und infolgedessen zu teils hämischen Kommentaren in sozialen Medien. Auch Mittwoch und Donnerstag gab es weiter Behinderungen.

"Wir haben 2019 bisher einen schlechten Lauf", räumte Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke ein.

Stadt zahlt jährlich 96 Millionen Euro an S-Bahn

Eigentlich sollten schon viel mehr Züge der neuen Baureihe 490 in Hamburg fahren. (Archivbild)
Eigentlich sollten schon viel mehr Züge der neuen Baureihe 490 in Hamburg fahren. (Archivbild)  © dpa/Axel Heimken

Statt einer vereinbarten Pünktlichkeit von 94 Prozent liege die S-Bahn derzeit bei rund 92 Prozent. Die Stadt, die die S-Bahn jährlich mit 96 Millionen Euro unterstützt, kann Geld zurückverlangen, wenn der vorgegebene Zielwert am Jahresende nicht erreicht wird.

"Gibt es auf einer S-Bahn-Linie eine Störung, schlägt es auf das gesamte System durch", erläuterte Arnecke.

Vor allem die Zunahme "externer Störungen", die den Betrieb kurzzeitig lahmlegen können, bereitet dem S-Bahn-Chef Sorgen. Immer öfter gebe es Menschen im Gleis, sagte Arnecke.

Um das zu verhindern, sollen die Strecken nach Bergedorf und Harburg mit Zäunen abgesichert werden. In S-Bahn-Stationen sollen Tunnelzugänge mit Türen dicht gemacht werden.

Angesichts steigender Fahrgastzahlen habe auch die Zahl von Rettungseinsätzen zugenommen, um erkrankte Menschen aus Zügen zu versorgen, allein am Donnerstag seien es drei Einsätze gewesen.

Die Hamburger S-Bahnen werden täglich von rund 750.000 Menschen genutzt, fast ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren.

Fast 100 Jahre alte Stellwerke noch in Betrieb

Diesen Blick auf die Hamburger S-Bahn-Gleise haben nur die Fahrer der Züge. (Archivbild)
Diesen Blick auf die Hamburger S-Bahn-Gleise haben nur die Fahrer der Züge. (Archivbild)  © dpa/Jörn Pollex

Die neue S-Bahn-Baureihe 490 sollte zahlreiche Probleme beseitigen, doch statt 60 Fahrzeugen sind erst 35 im Einsatz, weil durch den Hersteller Bombardier eine neue Software aufgespielt werden musste.

Zudem würden diese Züge lahmgelegt, wenn Fahrgäste bereits geschlossene Türen aufreißen, um doch noch mitzukommen. Mit entsprechenden Aufklebern will die S-Bahn hier Abhilfe schaffen.

Mehr Informationen und besseren Durchsagen sollen die Fahrgäste auf den Bahnsteigen und in Zügen künftig erhalten.

Länger wird es dagegen dauern, die Stellwerke zu erneuern. "Die Relais-Technik aus den 70er Jahren ist sehr anfällig, zum Teil gibt es keine Ersatzteile mehr", berichtete der S-Bahn-Chef.

Nach einer digitalisierten Stellwerksanlage für Bergedorf, ein deutschlandweites Vorzeigeprojekt, soll auch die Harburger Anlage umgerüstet werden.

Von den 17 S-Bahn-Stellwerken sind vier aus den 1920/30er Jahren.

Titelfoto: dpa/Bodo Marks

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