Holzpreis im Keller: Borkenkäfer-Plage lässt Forstleute verzweifeln

Sachsen - Verheerende Stürme, Schneebruch, Dauerdürre - und jetzt noch eine Borkenkäfer-Plage biblischen Ausmaßes: Um Sachsens Wälder steht es übel wie nie. Der Waldbesitzerverband schrieb dieser Tage einen Notbrief an den Ministerpräsidenten. Einige fordern gar ein nationales Katastrophen-Hilfsprogramm.

Revierförster Torsten Kripfgans zeigt die Schäden unter der Rinde. Der Borkenkäferbefall bedeutet ein flächendeckendes Drama für Sachsens Wälder.
Revierförster Torsten Kripfgans zeigt die Schäden unter der Rinde. Der Borkenkäferbefall bedeutet ein flächendeckendes Drama für Sachsens Wälder.  © Erz-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Benno von Römer aus Neumark (Vogtland) geht über eine abgeholzte Waldfläche: "Es dauert 30 Jahre, bis hier wieder ein Wald steht."

Der stellvertretende Chef des sächsischen Waldbesitzerverbandes betreut 1700 Hektar Wald im Vogtland. Und er weiß: "In den kommenden Monaten werden hier weitere ausgedehnte Kahlflächen entstehen."

Bereits 2018 war ein Rekordjahr der Borkenkäfer-Population. Die aktuelle Zählung aus den Käferfallen war jedoch schockierend. Von Römer: "Das sind absurd hohe Zahlen, das Fünf- bis Sechsfache des Vorjahres. Und es geht gerade erst richtig los."

Laut Sachsenforst übersteigt die aktuell registrierte Befallsmenge im Freistaat das Vierfache des Vorjahres - sie steht aktuell bei 110.000 Kubikmetern.

Waldarbeiter sind seit Monaten ununterbrochen mit den Schäden beschäftigt. Benno von Römer: "Normale Forstwirtschaft fällt derzeit aus". Hinzu kommt, dass der Holzpreis wegen des hohen Anfalles auf ein Drittel gefallen ist. Der Erlös reicht nicht, die Wiederaufforstung zu bezahlen.

"Beim Hochwasser gab es ein nationales Sofortprogramm - pragmatisch, unbürokratisch", erinnert von Römer. "So eine nationale Anstrengung benötigen wir dringend für den Wald. Hier brennt der Kessel!"

Die "Moritzburger Erklärung", in der fünf CDU-Minister einen "Masterplan" anregten, sieht der Waldbesitzer eher als ein zukünftiges Wunschkonzert. Von Römer: "Wir benötigen jetzt sofort Hilfe." So hätten es die Behörden des Freistaates über Jahre nicht geschafft, größere Nasslagerplätze zu genehmigen, um in Krisenzeiten wenigstens das Qualitätsholz zu retten.

Doch selbst die Trockenlagerplätze sind derzeit hoffnungslos überfüllt. "Das befallene Holz muss dringend raus aus dem Wald", moniert von Römer. "Doch neue Lagerplätze scheitern an der Bürokratie und einzelnen Behörden, welche das Drama immer noch nicht erfasst haben."

Hier bei Oberrothenbach stand im vorigen Jahr noch ein erhabener Wald. Der Besitzer musste die Fläche roden lassen.
Hier bei Oberrothenbach stand im vorigen Jahr noch ein erhabener Wald. Der Besitzer musste die Fläche roden lassen.  © Erz-Foto/Georg Ulrich Dostmann
Das Holz muss dringend aus dem Wald! Benno von Römer fordert ein nationales Sofortprogramm zur Rettung des Bestandes.
Das Holz muss dringend aus dem Wald! Benno von Römer fordert ein nationales Sofortprogramm zur Rettung des Bestandes.  © Erz-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Titelfoto: Erz-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0