Brexit-Angst! Sächsische Unternehmen schieben Sonderschichten

Bautzen - Die Lager sind brechend voll, auch nachts wird jetzt gearbeitet: Edding in Bautzen bereitet sich mit Sonderschichten auf den Brexit vor. Der Stiftehersteller will auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Mitarbeiterin Katrin Schramm (51) hat derzeit viel zu tun. Die Maschinen rotieren ohne Unterlass.
Mitarbeiterin Katrin Schramm (51) hat derzeit viel zu tun. Die Maschinen rotieren ohne Unterlass.  © Steffen Füssel

Normalerweise laufen bei Edding nachts nur die Spritzguss-Maschinen, etwa für Kappen - ohne Personal. Doch wegen des Brexits ist alles anders.

"Wir produzieren auf Vorrat und machen alles, um den Absatz in Großbritannien nach dem Brexit nicht zu gefährden", so der Bautzner Werks-Chef Jörg Thomas Schimkus (57). Denn niemand weiß, ob Zoll- und Einfuhrkontrollen bald den Nachschub verzögern.

Ein Drittel mehr als sonst wird derzeit an Stiften, Faserschreibern oder Markern produziert. Pro Tag werden etwa 750.000 Stifte hergestellt - wie der Bestseller "Edding 300". Stifte aus Bautzen gehen in die ganze Welt, vor allem die Produkte mit Kunststoff-Hülsen.

Anfang März sollen vom Zentrallager bei Hannover an die 60 Lkw-Ladungen auf die Insel gehen. Schimkus: "Bis zum Brexit-Stichtag am 29. März müssen die Stifte in Großbritannien sein. Der Vorrat ist für ein Dreivierteljahr."

Dafür wurden extra weitere Lagerflächen angemietet.

Werks-Chef Jörg Thomas Schimkus (57) im vollen Edding-Lager in Bautzen. Bald gehen die Vorräte gen Großbritannien.
Werks-Chef Jörg Thomas Schimkus (57) im vollen Edding-Lager in Bautzen. Bald gehen die Vorräte gen Großbritannien.  © Steffen Füssel

Personell ist das Werk mit seinen 85 Mitarbeitern, darunter 40 in der Produktion, damit am Limit - nur mit Mühe können die Extraschichten abgefedert werden.

"Teilweise helfen Mitarbeiter aus anderen Bereichen aus, die früher an den Maschinen gearbeitet haben und sich auskennen", so Schimkus. Zudem wurden weitere Behindertenwerkstätten beauftragt, die dann etwa Stiftesets zusammenstellen.

Dieses Jahr peilt das Bautzner Werk die Produktion von annähernd 100 Millionen Stiften an. Und wenn der Brexit-Vorrat abgearbeitet ist, warten schon die nächsten, aufgeschobenen Aufträge.

Denn Bautzen ist der einzige eigene Produktionsstandort von Edding.

Auch Jägermeister sorgt vor

In Kamenz fertigt Jägermeister Kräuterliköre für den europäischen Markt.
In Kamenz fertigt Jägermeister Kräuterliköre für den europäischen Markt.  © dpa/Sebastian Kahnert

Kamenz - Sicher ist sicher: Auch andere Unternehmen bereiten sich auf den Brexit vor.

Etwa Jägermeister mit seinem Werk in Kamenz: "Normalerweise reicht unser Vorrat in Großbritannien für einen Monat. Um für alles gewappnet zu sein, wird er nun für drei Monate reichen", so Jägermeister-Sprecher Andreas Lehmann.

Die Lagerfläche sei flexibel anmietbar. Lehmann: "Das Wichtigste ist, die Kunden zu versorgen." Daher die Vorräte.

Das Werk in Kamenz (69 Mitarbeiter) produziert den Kräuterlikör auch für Großbritannien - aber vor allem für Osteuropa, Deutschland und Spanien. Top-Markt ist Tschechien.

Darum macht der Brexit die Sachsen so nervös

In Bautzen werden auch die Kunststoffbestandteile für die Edding-Stifte hergestellt - viele Millionen pro Jahr.
In Bautzen werden auch die Kunststoffbestandteile für die Edding-Stifte hergestellt - viele Millionen pro Jahr.  © Steffen Füssel

Dresden - Warum der Brexit so viele Unternehmen in Sachsen nervös macht, zeigen die Zahlen:

Großbritannien ist für den Freistaat der drittwichtigste Exportmarkt weltweit. Innerhalb der EU belegt Großbritannien mit einem Anteil von rund 12 Prozent die Spitzenposition, so das Statistische Landesamt.

Von Januar bis November 2018 wurden Waren im Wert von 2,3 Milliarden Euro aus Sachsen ins Vereinigte Königreich geliefert - fast neun Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Brexit lässt grüßen. Zu den Exportschlagern aus Sachsen gehören Autos und Wohnmobile.

Importseitig belegte das Vereinigte Königreich unter allen sächsischen Handelspartnern Rang neun.

Titelfoto: Steffen Füssel

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0