Sachsens Bürger rüsten auf: Auch Rechte kommen an die Waffen

Dresden - Im Freistaat gibt es immer mehr registrierte Schusswaffen und waffenrechtliche Erlaubnisse. Alarmierend: Auch die Zahl der Rechtsextremen, die Waffen führen dürfen, steigt, warnt die Linke. Kontrollen aber finden eher selten statt.

Der Trend zur Bewaffnung hält an. Viele örtliche Kontrollbehörden kämpfen derweil mit Personalmangel.
Der Trend zur Bewaffnung hält an. Viele örtliche Kontrollbehörden kämpfen derweil mit Personalmangel.  © 123RF

Ende 2019 gab es 177.154 registrierte Waffen und Waffenteile in Sachsen, so Innenminister Roland Wöller (49, CDU) auf Anfrage von Kerstin Köditz (52, Linke). Das sind rund 7000 mehr als Ende 2018.

Fast 90 Prozent befinden sich in Privatbesitz, verteilt auf etwa 30.300 Besitzer - etwa 600 mehr als Ende 2018. Auch die Zahl der waffenrechtlichen Erlaubnisse stieg im gleichen Zeitraum von 47.700 auf 49.500.

Der Verfassungsschutz weiß von 99 Rechtsextremen, die im Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis sind, so Wöller. Das sind 20 mehr als im Vorjahr. Die meisten von ihnen leben im Erzgebirgskreis (19), im Kreis Bautzen (11) und im Kreis Görlitz (10). Hinzu kommen 18 Reichsbürger.

Köditz: "Von einer Entwaffnung der extremen Rechten kann unterm Strich jedenfalls keine Rede sein, die Zahlen sprechen eher für einen Trend hin zur Wiederbewaffnung." Die Kontrollmöglichkeiten würden nicht ausgeschöpft, es seien weniger als drei Prozent der Waffenbesitzer unter die Lupe genommen worden.

41 Rechtsextreme und/oder Reichsbürger wurden laut Wöller im vergangenen Jahr auf ihre waffenrechtliche Zuverlässigkeit überprüft. "In acht Fällen führten die Überprüfungen zum Widerruf bzw. zur Rücknahme der waffenrechtlichen Erlaubnisse, welche die Abgabe der erlaubnispflichtigen Waffen zur Folge hatte." Drei hätten sie freiwillig abgegeben.

Seit einigen Jahren überprüfen die Behörden gezielt die Waffenscheine von Reichsbürgern und NPD-Mitgliedern bzw. -Anhängern. Sie seien grundsätzlich als waffenrechtlich unzuverlässig einzustufen, hatte Sachsens früherer Innenminister Markus Ulbig (55, CDU) verfügt (TAG24 berichtete).

In Sachsen steigt die Zahl der registrierten Schusswaffen und so genannter waffenrechtlicher Erlaubnisse.
In Sachsen steigt die Zahl der registrierten Schusswaffen und so genannter waffenrechtlicher Erlaubnisse.  © dpa/Patrick Pleul
Innenminister Roland Wöller (49, CDU) gelingt es nicht, Rechtsextreme zu entwaffnen, kritisiert die Linke.
Innenminister Roland Wöller (49, CDU) gelingt es nicht, Rechtsextreme zu entwaffnen, kritisiert die Linke.  © Thomas Türpe

Titelfoto: dpa/Patrick Pleul

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