Brandanschlag auf AfD-Büro: Punker vor Gericht

Chemnitz - Weit über 30 Anschläge gab es bisher gegen das Chemnitzer Büro der "Alternative für Deutschland" (AfD) an der Theaterstraße. Besonders blieb der Brandanschlag aus dem Oktober 2017 in Erinnerung - damals waren auch die Bewohner des Hauses in Gefahr. Am Montag musste sich der Chemnitzer Vincent L. (22) vorm Amtsgericht dafür verantworten.

Vincent L. (22) am Montag vor dem Amtsgericht in Chemnitz.
Vincent L. (22) am Montag vor dem Amtsgericht in Chemnitz.  © Harry Härtel/Haertelpress

Aus seinem Hass auf die Polizei und alles, was er für politisch rechts hält, macht Vincent L. keinen Hehl: Sein Facebook-Profil zeigt ihn unter anderem beim Urinieren gegen einen Bus der umstrittenen Rockband "Freiwild" sowie mit einem brennenden Molotowcocktail vor einem polizeifeindlichen Graffiti.

In der Nacht zum 21. Oktober 2017 lief der Punker nach einem Konzertabend im Szenelokal "Lokomov" nach Hause. Dabei kam er am AfD-Büro vorbei.

Was dann geschah, zeigen die Überwachungskameras: Vincent L. riss einen Papierkorb an der Haltestelle vorm Büro herunter, legte ihn vor die Eingangstür des Büros. Dann zündete er den Inhalt an.

Doch damit nicht genug: Weil es nicht genug brannte, rollte der 22-Jährige eine größere Restmülltonne heran, stellte sie auf den brennenden Papierkorb. Dann lief der Brandstifter Richtung Kaßbergauffahrt weg.

Auf das AfD-Büro in der Theaterstraße gab es schon mehrfach Anschläge. (Archivbild)
Auf das AfD-Büro in der Theaterstraße gab es schon mehrfach Anschläge. (Archivbild)  © Harry Härtel/Haertelpress

Eric M. (19) saß gegenüber in einer Shisha-Bar: "Wir sahen die Flammen. Mit Wassereimern konnten wir das Feuer löschen. Der Mann rannte weg." Polizeibeamte schnappten Vincent L. wenig später an der Markthalle. Die Bewohner hatten großes Glück: Weil das Feuer schnell gelöscht wurde, griffen die Flammen nicht auf das Wohnhaus über. Verletzt wurde niemand.

Vincent L., der zum Tatzeitpunkt knapp zwei Promille Alkohol intus hatte, gestand den Anschlag. An Details erinnerte er sich nicht mehr: "Ich kann es mir nicht erklären." Eines stritt der Mann gestern ab: "Das war nicht politisch motiviert."

Im Amtsgericht ist der Punker kein Unbekannter: Vor wenigen Tagen kassierte er bereits fünf Monate Knast, ausgesetzt zur, Bewährung, weil er mit einem Bekannten auf das Gelände des Heizkraftwerks eingebrochen war. Dort demolierten die beiden eine Entschwefelungsanlage, sprayten Graffiti und richteten rund 8000 Euro Schaden an.

Vincent L. landete nach dem Brandanschlag für mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Inzwischen hat er einen festen Job als Elektromonteur, wohnt wieder bei seiner Mutter. Deswegen kam er mit einem Jahr und drei Monaten Haft davon, ausgesetzt zu 30 Monaten Bewährung. Außerdem muss er 1000 Euro ans "Alternative Jugendzentrum Chemnitz" zahlen.

Nach dem Prozess entschuldigte sich der Punker noch bei anwesenden AfD-Mitglieder für die Tat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress


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