Diese Sperma-Therapie soll bald Krebs heilen

Das Forscherteam (v.l.): Oliver Schmidt, Daniil Karnaushenko (TU Chemnitz) und Dr. Denys Makarov (IFW Dresden).
Das Forscherteam (v.l.): Oliver Schmidt, Daniil Karnaushenko (TU Chemnitz) und Dr. Denys Makarov (IFW Dresden).  © TU Chemnitz

Chemnitz/ Dresden - 4600 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Gebärmutterhalskrebs. Ein kreatives Forscherteam aus Chemnitz und Dresden packt die Krankheit jetzt buchstäblich bei den Hörnern - sie bugsieren Krebsmedikamente mit Sperma in die Gebärmutter. Bislang allerdings nur mit Rindersperma im Labor.

Erfunden hat's ein Sachse. Oliver Schmidt (46), Professor an der TU Chemnitz und Direktor des Leibniz-Instituts für Integrative Nanowissenschaften in Dresden, forschte ab 2013 zum Thema künstliche Befruchtung.

In seinem 80 Mitarbeiter starken Team kam 2017 die Idee auf, Spermien mit Krebsmedikamenten zu beladen. "Erste Versuche waren erfolgreich", sagt Oliver Schmidt.

So geht's in der Theorie: Die Forscher beladen einen Samen mit einem Medikament, ummanteln ihn mit einer feinen Mikroröhre und schicken ihn auf die Reise.

Diese Skizze zeigt, wie der Krebsmittel-Transport mit Sperma funktioniert.
Diese Skizze zeigt, wie der Krebsmittel-Transport mit Sperma funktioniert.  ©  Leibniz IFW Dresden

Den Weg in die Gebärmutter finden Spermien von allein. Mit Magneten gelenkt, laden sie ihre Fracht in den Krebszellen ab.

Für Oliver Schmidt sind Samen ideale Transporter: "Sie verweilen lange in der Gebärmutter, können große Mengen transportieren und haben einen leistungsfähigen Selbstantrieb." Tests mit Menschen-Sperma stehen noch aus.

Für seine Forschung erhält Oliver Schmidt im März in Berlin den renommierten Leibniz-Preis - und 2,5 Millionen Euro. Dennoch bleibt der Sachse auf dem Boden: "Wir stehen ganz am Anfang."

Das sieht Klinikums-Chefarzt Mathias Hänel (53) genauso: "Ein interessanter Ansatz. Aber ein Nutzen muss in klinischen Studien gezeigt werden."

Oliver Schmidt hatte die bahnbrechende Idee.
Oliver Schmidt hatte die bahnbrechende Idee.  © Christian Schenk
An der Chemnitzer TU wird erfolgreich gegen den Krebs geforscht.
An der Chemnitzer TU wird erfolgreich gegen den Krebs geforscht.  © Maik Börner

WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0