Knast statt rotem Teppich für schwules Glamour-Pärchen

Chemnitz - Vor mehr als drei Jahren sorgte das Glamour-Pärchen Stefan S. (28) und Manuel K. (32) für Furore in Chemnitz. Das homosexuelle Ehepaar war angetreten, um ein nobles Hochglanz-Magazin herauszubringen, plante eine große Gala zur Eröffnung. Am Ende klickten die Handschellen - es standen schwere Betrugsvorwürfe im Raum. Am Mittwoch begann der Prozess gegen die beiden vorm Amtsgericht.

In diesem noblen Bürohaus begannen die beiden ihre kurze Verleger-Karriere.
In diesem noblen Bürohaus begannen die beiden ihre kurze Verleger-Karriere.  © Sven Gleisberg

Die beiden Männer stammen aus Baden-Württemberg. 2015 kamen sie mit großen Plänen nach Chemnitz. Sie gründeten im noblen Bürohaus Markt 5 die Agentur "3 for factory", stellten sieben Mitarbeiter ein, planten ihre große Premiere mit einer riesigen Feier.

Dort sollte dann auch ihr neues Magazin vorgestellt werden - finanziert durch Werbeanzeigen.

Das Luftschloss platzte. Erst wurden die Büros zwangsweise leergeräumt - Technik und Möbel waren nicht bezahlt. Dann kam die Kripo mit einem Haftbefehl - inzwischen lagen mindestens 15 Anzeigen gegen die beiden Männer vor. Nach kurzer Haft kamen sie wieder auf freien Fuß - und tauchten bei diveren Prozessterminen nicht auf.

Im März 2018 klickten dann die Handschellen in Prag (Tschechien). Im jetzigen Betrugsprozess drehte sich alles um nicht bezahlte Rechnungen für die neu gegründete Firma. Technik, Umbauten, Büromaterial - laut Anklage kam ein fünfstelliger Betrag zusammen.

Stefan S. (28, l.) und Manuel K. (32) kamen am Mittwoch in Handschellen zu ihrem Betrugsprozess ins Amtsgericht
Stefan S. (28, l.) und Manuel K. (32) kamen am Mittwoch in Handschellen zu ihrem Betrugsprozess ins Amtsgericht  © Sven Gleisberg

Doch war es Betrug? Manuel K. behauptet: "Ich hatte keine Geldsorgen, wir wollten niemanden betrügen." Seinen Lebensstil - die Männer lebten in einer noblen Wohnung in der City - finanzierte er seit Jahren als Callboy. "Ich hatte Stammkunden in der Politik, am Bodensee, kassierte pro Nacht bis zu 750 Euro." Allein ein Stammkunde überwies dem Mann innerhalb von fünf Monaten rund 22.000 Euro - das belegen Kontoauszüge.

Knackpunkt sind diesmal die Tage nach der Festnahme im März 2015. Manuel K.: "In meinem Tresor lagen mehr als 20.000 Euro Bargeld. Davon wollte ich die offenen Rechnungen, die alle noch in der Zahlungsfrist lagen, bezahlen."

Bei der Festnahme wollen die beiden Männer ihre Firmenschlüssel der damaligen Sekretärin überlassen haben. Als die Mutter von Manuel K. Tage später das Büro kontrollierte, sei der Tresor offen und das Geld weg gewesen. Das Gericht muss jetzt klären: Hatten weitere Personen Zugriff auf das Geld? Die Sekretärin sagte auch als Zeugin aus, konnte sich an einen Tresor aber nicht erinnern. Allerdings offenbarte die junge Chemnitzerin massive Erinnerungslücken, widersprach sich teilweise.

Auf der Anklagebank sitzt auch die Mutter von Manuel K., sie hatte im Hintergrund das Konto angemeldet, soll Farbpatronen im Wert von 1400 Euro bestellt und nicht bezahlt haben.

Bereits in ihrer alten Heimat hatten die Männer verbrannte Erde hinterlassen. Im baden-württembergischen Albstadt (44 .000 Einwohner) planten sie 2013 eine Parade für Homosexuelle, einen "Christopher Street Day", in ihrem Heimatort. Doch es gab Probleme mit der Finanzierung - am Ende war das Paar untergetaucht. Künstler wie Lucy (42, Ex-"No-Angels"), "Culture Beat" oder Ross Antony (43) sollen zwar mit Verträgen, aber ohne Gage dagestanden haben. Auch ein Druckerei-Verlag sei auf 60.000 Programmheften sitzen geblieben.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Wegen Betrugs drohen den Angeklagten bis zu fünf Jahre Haft.

Titelfoto: Sven Gleisberg


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