Stippvisite im Gedächtnis der Stadt: Unglaublich, was hier alles lagert

Chemnitz - Hier wird Geschichte bewahrt: Das Stadtarchiv (Aue 16) öffnete seine Pforten und zeigt TAG24 Prunkstücke aus über 700 Jahren Chemnitz.

Herr der Urkunden: Der auch im Vatikan geschulte Stadtarchiv-Leiter Dr. Paolo Cecconi (34) zeigt die Verschriftlichung der Bleichprivilegien von 1357.
Herr der Urkunden: Der auch im Vatikan geschulte Stadtarchiv-Leiter Dr. Paolo Cecconi (34) zeigt die Verschriftlichung der Bleichprivilegien von 1357.  © Maik Börner
  • Am ältesten ... ist eine Urkunde von Anno 1296. "Es handelt sich um eine Stiftung im Wert von 2 Mark Silber", etwa 500 Gramm, "an die Jakobikirche des Chemnitzer Bürgers Gottfried an der Mauer", erläutert Archivar Dr. Stephan Pfalzer (63). Gottfried ist somit der erste namentlich bekannte Bürger der Stadt, sein Namenszusatz meint die Stadtmauer. Bestätigt wurde die Schenkung vom deutschen König Adolf von Nassau (1255-1298).
  • Apropos Urkunde: Die größte im Stadtarchiv-Bestand stammt aus dem Jahr 1402. "Es handelt sich um einen Vertrag zwischen dem Bergkloster und der Stadt", sagt Archivleiter Dr. Paolo Cecconi (34). Mit dem 50 mal 43 Zentimeter großen Pergament erwarb Chemnitz damals Land rings um den heutigen Innenstadtbereich.
  • Ganz niedlich ... sind die Sammlerpins zur Chemnitzer 800-Jahr-Feier im Jahr 1965. Die etwa zwei Zentimeter breiten und knapp drei Zentimeter hohen Anstecker sind die kleinsten Archiv-Objekte. Ein Set umfasst sieben Pins, darunter das obligatorische DDR-Emblem, den damaligen Stadtnamensgeber Karl Marx sowie historisch wichtige Gebäude.
Er hat den Überblick: Archivar Dr. Stephan Pfalzer (63) sortiert Stadtrat-Akten.
Er hat den Überblick: Archivar Dr. Stephan Pfalzer (63) sortiert Stadtrat-Akten.  © Maik Börner
  • Alles Mathe, oder was?! In einem Handelsbuch von 1802 finden sich neben arabischen Zahlen nur griechische Buchstaben. Herr Pfalzer: "Es gehörte mazedonischen Kaufleuten, die im 18. Jahrhundert nach Chemnitz kamen. Einer war der Urgroßvater des Dirigenten Herbert von Karajan." Die Chemnitzer Mazedonier handelten Baumwolle, ihre Buchführungsunterlagen gehören zu den Archiv-Exoten.
  • Da ist Platz: Alle hier gelisteten Archivstücke passen in die "Neefelade". Die Eisen-Schatztruhe der alteingesessen Chemnitzer Familie Neefe stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist mit einem Zentner Gewicht das schwerste Stadtarchiv-Objekt.
  • Das Stadtarchiv befindet sich seit 1953 hinter dem Falkeplatz. Vorher wurden aufzubewahrende Gegenstände wie Urkunden und Ratsprotokolle im Rathaus gelagert. Insgesamt kommen alle Archivobjekte aneinander gelegt auf rund 20 Kilometer Länge. Die Masse: Stadt-Unterlagen, von den Anfängen bis heute. Das Archiv ist verpflichtet, diese zu bewerten und "archivwürdiges" dauerhaft zu bewahren. Darum kümmern sich 18 Mitarbeiter an vier Standorten. Zwei davon (Aue 16, Reichsstraße 1a) sind für Benutzer geöffnet. Das Archiv-Budget für 2018: etwas mehr als 1,1 Millionen Euro.

"Bei uns kommt nichts raus", schmunzelt Dr. Paolo Cecconi (34). Der gebürtige Italiener ist seit Februar 2017 Leiter des Stadtarchivs, studierte Literatur und Geschichte in der Toskana und absolvierte eine archivwissenschaftliche Ausbildung im Vatikan.

Er freut sich auf geschichtsinteressierte Chemnitzer, rät: "Stellen Sie dazu am besten eine konkrete Frage per E-Mail, damit wir einen Termin vereinbaren können." stadtarchiv@stadt-chemnitz.de

Auch Chemnitzer Fotos aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg werden aufbewahrt.
Auch Chemnitzer Fotos aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg werden aufbewahrt.  © Maik Börner
Klein, aber fein sind die Pins zur Chemnitzer 800-Jahr-Feier.
Klein, aber fein sind die Pins zur Chemnitzer 800-Jahr-Feier.  © Maik Börner
Großes Siegel, größte Urkunde: Damit wies sich 1402 der Abt des Chemnitzer Bergklosters aus.
Großes Siegel, größte Urkunde: Damit wies sich 1402 der Abt des Chemnitzer Bergklosters aus.  © Maik Börner
Seit 1953 befindet sich die Einrichtung in der Aue 16 hinter dem Falkeplatz.
Seit 1953 befindet sich die Einrichtung in der Aue 16 hinter dem Falkeplatz.  © Maik Börner

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