"Solche Typen werden seltener!" Trainer lobt Gold-Junge Bötticher

Chemnitz - Die freien Tage am Chiemsee sind vorbei, der Triumph von Glasgow ist verdaut!

Am 7. August holte Stefan Bötticher mit diesem kraftvollen Tigersprung EM-Gold im Keirin und verwies Sébastien Vigier (r.) aus Frankreich auf Rang zwei.
Am 7. August holte Stefan Bötticher mit diesem kraftvollen Tigersprung EM-Gold im Keirin und verwies Sébastien Vigier (r.) aus Frankreich auf Rang zwei.  © John Walton/PA Wire/dpa

Seit Samstag schwitzt Bahnrad-Ass Stefan Bötticher wieder im Chemnitzer Sportforum. Heimtrainer Ralph Müller nahm den Europameister freudestrahlend in Empfang.

"Überraschend. Überragend", nennt Müller die Bötticher-Gala von Glasgow. Bei den Europameisterschaften trumpfte der Athlet vom Chemnitzer PSV groß auf und kehrte mit einem kompletten Medaillensatz heim.

"Unmittelbar nach den Wettkämpfen habe ich das alles gar nicht so realisiert. Da steigst du vom Rad, hast eine Menge Mikrofone vor der Nase. Jetzt, mit zwei Wochen Abstand, realisiere ich das viel besser. Vor allem freue ich mich, dass ich durch den Sieg im Keirin meinen WM-Startplatz sicher habe", sagt Bötticher.

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Ende Oktober steht in Kanada der erste Weltcup an. Es folgen Berlin und London. Das große Ziel ist die WM 2019 Ende Februar in Polen.

Stefan Bötticher konnte nach dem Gold-Triumph sein Glück kaum fassen. Zweieinhalb Jahre musste der Chemnitzer verletzungsbedingt pausieren. In Glasgow feierte er ein bärenstarkes Comeback.
Stefan Bötticher konnte nach dem Gold-Triumph sein Glück kaum fassen. Zweieinhalb Jahre musste der Chemnitzer verletzungsbedingt pausieren. In Glasgow feierte er ein bärenstarkes Comeback.  © John Walton/PA Wire/dpa

2013 sahnte Bötticher bei den Weltmeisterschaften schon einmal groß ab, erkämpfte Gold im Sprint und Teamsprint. In den vergangenen Jahren tauchte sein Name in den internationalen Startlisten aber kaum noch auf.

Immer wieder musste er mit Verletzungen und gesundheitlichen Rückschlägen kämpfen, das Karriereende drohte. "Das waren extreme Belastungen, spielt jetzt aber keine Rolle mehr. Ich fühle mich fit", betont Bötticher.

Das bewies er in Glasgow mit seinem bärenstarken Comeback. "Dass Stefan bei dieser Konkurrenz und Leistungsdichte im Keirin am Ende ganz oben steht, ist auch das Ergebnis seines unglaublichen Willens, seiner absolut professionellen Einstellung. Solche Typen, die so viele Entbehrungen auf sich nehmen, werden immer seltener", sagt Müller.

Bötticher hat die European Championships nicht nur wegen seiner Erfolge genossen. "Wir waren von der Dimension echt überrascht. Die Hallen waren rappelvoll. Wir Athleten wurden auf der Straße angesprochen, um Autogramme und Selfies gebeten. Die Leute waren sehr nett und hilfsbereit", berichtet Bötticher:

"Auch die Medienpräsenz war extrem. Endlich haben die Leute daheim mitbekommen, dass es auch noch andere Sportarten außer Fußball gibt."

Die freien Tage sind vorbei. Bahnrad-Ass Stefan Bötticher mit seinem Heimtrainer Ralph Müller am Samstag im Chemnitzer Sportforum.
Die freien Tage sind vorbei. Bahnrad-Ass Stefan Bötticher mit seinem Heimtrainer Ralph Müller am Samstag im Chemnitzer Sportforum.  © Harry Härtel/Haertelpress

Titelfoto: Harry Härtel/Haertelpress