Obwohl es gute Ideen gibt... Tante Emma tut sich schwer

Eine Seniorin
trägt ihren
Einkauf nach
Hause. Ein
Laden im Dorf
- das ist mehr
als nur Nahversorgung.
Besonders
die älteren
Semester
wissen das
Angebot zu
schätzen.
Eine Seniorin trägt ihren Einkauf nach Hause. Ein Laden im Dorf - das ist mehr als nur Nahversorgung. Besonders die älteren Semester wissen das Angebot zu schätzen.  © DPA

Sachsen - Politischer Wille kann Berge versetzen und Landlust statt -frust produzieren. Beim Breitbandausbau, der Nahversorgung und der Schulplanung muss dringend gegengesteuert werden, um Fehler der Vergangenheit auszumerzen. Erste hoffnungsvolle Zeichen gibt es.

Es geht nicht nur um die Wurst. Um Milch, Spülmittel und die ganzen anderen Artikel des täglichen Bedarfs.

So ein Tante-Emma-Laden ist auch Anlaufpunkt fürs ganze Dorf, wenn es um ein Schwätzchen geht. Seit nunmehr 25 Jahren betreibt Evelyn Stumpe (52) den Einkaufsmarkt in Kunnersdorf (bei Augustusburg, 230 Seelen).

Der Gewinn reicht gerade zum Überleben.

Seit die Kinder größer sind, hat sie noch nie länger als eine Woche Urlaub gemacht. Weil sie einfach gebraucht wird. Als im Sommer die Kühltheke repariert werden musste (1400 Euro), war die Existenz gefährdet. Evelyn Stumpe: "Doch dann haben die Kunden gespendet, sogar wildfremde Leute." Bitte, bleibe!

Zwischen 2007 und 2015 sank die Zahl der Einzelhandelsbetriebe auf dem sächsischen Lande um 982 - fast zehn Prozent. Dagegen verzeichneten die drei großen Städte ein Plus von 4,3 Prozent. Das ergab eine Erhebung der Arbeitsagentur. Auch der Onlinehandel trägt bevorzugt zum Tod von "Tante Emma" bei.

In Langenweißbach (bei Zwickau, 1300 Einwohner) gab vor zehn Jahren auch das Problem, dass niemand den alten Konsum übernehmen wollte. Die Gemeinde gründete eine eigene GmbH, sanierte das Objekt, finanzierte den Erstbestand und schrieb die Geschäftsführerstelle aus. Heute floriert der Markt, die Gemeinde hat ihre Investition längst zurück.

Berater des innovativen Projektes war damals Wolfgang Gröll, Betreuer des Dorfladen-Netzwerkes in Bayern. Deutschlandweit hat er 160 Läden in kleinen Dörfern mit auf die Beine geholfen. Er berät auch Bürgermeister, um Fördermittel abzurufen. Nur in Sachsen war das Umfeld schwer.

Gröll: "Wir hatten Gespräche mit Wirtschaftsministerium und Genossenschaftsverband, wir waren aber nicht willkommen."

Die Kühltheke konnte durch Spenden der Kunden
repariert werden. Auch Bürgermeister Dirk
Neubauer engagierte sich.
Die Kühltheke konnte durch Spenden der Kunden repariert werden. Auch Bürgermeister Dirk Neubauer engagierte sich.  © Uwe Meinhold

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