Prozess um S-Bahn-Schubser: Opfer lässt AfD abblitzen

Hier wurde Rene J. (41) auf die Gleise geschubst.
Hier wurde Rene J. (41) auf die Gleise geschubst.  © Norbert Neumann

Dresden - Es ist unfassbar! Die AfD versuchte, das Opfer einer Straftat vor den politischen Karren zu spannen. Rene J. (41), der von den so genannten S-Bahn-Schubsern attackiert wurde, bekam dieser Tage Post von Jens Maier (55). Selbst Richter am Landgericht und für die AfD im Bundestag.

„Herr Maier schrieb, dass die AfD für ihn ein Spendenkonto einrichtet und Geld sammelt“, so Gesa Israel (50), Anwältin von Rene J.

„Im Schreiben erklärte er, dass er den Prozess verfolge und selbst auf seinem Blog schon beschrieben habe, wie schwer es Geschädigte haben, die Opfer von Schutzsuchenden geworden wären. Und er beklagte die Bagatellisierung von Straftaten dieser Schutzsuchenden.“

Chakir A. (24) und Radouan K. (27), Flüchtlinge aus Marokko und Syrien, hatten Rene J. im März am Bahnhof Zschachwitz in die Gleise gestoßen.

Der Prozess um die S-Bahn-Schubser läuft am Landgericht in Dresden

Richter und AfD-Mitglied Jens Maier (55) hatte J. Spenden zugesichert. Die wollte der 41-Jährige allerdings nicht.
Richter und AfD-Mitglied Jens Maier (55) hatte J. Spenden zugesichert. Die wollte der 41-Jährige allerdings nicht.  © DPA

Vor Wut, weil er ihnen keine Zigarette gab. Als der Zug einfuhr, hinderten die Männer Rene dran, auf den Bahnsteig zu klettern. Sogar noch als die S-Bahn einfuhr. Nur, weil der Zugführer geistesgegenwärtig eine Notbremsung einleitete, hielt die Bahn noch rechtzeitig. Der Prozess wegen versuchten Totschlages gegen die Täter läuft derzeit am Landgericht Dresden.

Seit der Tat ist Rene J. traumatisiert, kann derzeit nicht arbeiten, musste sein ganzes Leben - auch finanziell - umstellen. Anwältin Israel hatte darum ein Spendenkonto eingerichtet. Viele Sachsen spendeten nicht nur Geld, sondern dazu auch aufbauende Worte. Die Familie will und wird sich dafür auch noch herzlich bei den Spendern bedanken.

„Doch auf die Solidarität der AfD verzichtet mein Mandant“, so die Anwältin im Prozess. „Er lässt sich nicht instrumentalisieren. Die Nationalität spielt für ihn keine Rolle. Und er hat auch keine Anlass, an der Justiz zu zweifeln.“ Das habe Rene J. dem Politiker über sie mitgeteilt. Überraschenderweise kam danach nichts mehr von den Populisten. Auch kein Geld...

In ihrem Schlusswort schloss sich Gesa Israel übrigens dem Antrag von Oberstaatsanwalt Christian Avenarius (58) an. Er hatte fünf und sechs Jahre Haft für die Angeklagten gefordert. Kommende Woche plädieren die Verteidiger von Chakir A. und Radouan K., bevor das Gericht am voraussichtlich am 7. Dezember sein Urteil verkündet.


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