Ärgernis Internet: In Bärenstein ist die Datenautobahn ein Feldweg

Bärenstein - Überall schnelles Internet bleibt in Sachsen ein Traum. Vor allem auf dem Land sind viele Orte auch im Jahr 2018 abgehängt. Was das zum Beispiel für Firmen bedeutet, zeigt sich in Bärenstein bei Altenberg. TAG24 war vor Ort.

Steffen Findeisen (39), Informatiker bei der Firma Herbrig, ärgert sich über die lahme Internetverbindung. Sie behindert die Arbeit.
Steffen Findeisen (39), Informatiker bei der Firma Herbrig, ärgert sich über die lahme Internetverbindung. Sie behindert die Arbeit.  © Steffen Füssel

Steffen Findeisen (39) sitzt in einem Besprechungsraum der Herbrig & Co. GmbH Präzisionsmechanik. Der Informatiker zeigt auf einen Bildschirm, der die aktuellen Internet-Übertragungsraten anzeigt.

Einer DSL-6000er-RAM-Leitung wohlgemerkt. "Das entspricht längst nicht mehr dem aktuellen Standard und heutigen Erfordernissen", so Findeisen. Die Leitung bietet 6 Mbit pro Sekunde. In städtischen Privathaushalten ist inzwischen schon das dreifache üblich.

"Seit Jahren tut sich nichts. Das ist ein echter Standortnachteil. Wir müssen täglich große Datenmengen bewältigen", so Findeisen. Mal eben Mails mit großen Anhängen verschicken sei nicht drin und dauere qualvoll lange.

Überlegungen, schnelles Internet über Funk zu bekommen, seien gescheitert - zu teuer und aufwendig für den Betrieb mit 160 Mitarbeitern. Eine Standleitung mit bescheidenen 10 Mbit (maximal!) habe 7500 Euro netto gekostet - pro Jahr. Auf Dauer zu teuer.

Roy Greif (49) muss viel Geduld mitbringen, wenn er große Datenmengen verschicken will. Doch das ist ein Muss.
Roy Greif (49) muss viel Geduld mitbringen, wenn er große Datenmengen verschicken will. Doch das ist ein Muss.  © Steffen Füssel

Er spricht von einer Posse, denn eigentlich ist schnelles Internet für Bärenstein vorgesehen. Bürgermeister Thomas Kirsten (64, Freie Wähler) habe sich dafür eingesetzt. "Es nervt. Glasfaser liegt mittlerweile bereits hier im Haus. Schon drei verschiedene Telekom-Mitarbeiter waren hier. Doch es geht nicht weiter", so Findeisen. Die Firma mache permanent Druck.

Ähnlich Probleme im idyllischen Örtchen im Müglitztal plagen Roy Greif (49), Chef der Greif Metallbearbeitung GmbH mit 20 Mitarbeitern. "Zurzeit haben wir eine Übertragungsrate von vier Megabit pro Sekunde - wenn es gut läuft", so der Firmen-Chef, der Kunden mit Großküchentechnik beliefert. Er muss ebenfalls große Datenmengen, etwa mit 3-D-Modellen, verschicken. "Das dauert Stunden." Auch er hat Glasfaserkabel schon bis zum Haus. "Doch das war es. Keiner sagt, wann es endlich losgeht mit dem schnellen Internet", ärgert sich Greif.

Mit dem mit Steuergeld geförderten Breitbandausbau in Bärenstein wurde im September 2017 begonnen. Bürgermeister Kirsten: "Auch Bärenstein wird in der Kapazität auf 50 bis 100 Megabit pro Sekunde erweitert."

Immerhin: Roy Greif bekam nach dem TAG24-Besuch Post von der Telekom. Im Mai soll es schnelles Internet im ganzen Gewerbegebiet geben...