In neun Jahren schaltet Sachsen die ersten Kraftwerke ab

Berlin/Dresden - Bund und Länder haben sich beim Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (65, CDU) beim Kohleausstieg geeinigt. Was heißt das für Sachsen? Die ersten Kraftwerksblöcke im Freistaat gehen 2029 vom Netz - und zwar in Boxberg.

Braunkohlekraftwerk Boxberg: Die ersten Blöcke gehen hier 2029 vom Netz - der Abschalt-Zeitplan steht.
Braunkohlekraftwerk Boxberg: Die ersten Blöcke gehen hier 2029 vom Netz - der Abschalt-Zeitplan steht.  © imago images/photothek

Beim Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig ist das Ausstiegsdatum auf Ende 2035 festgelegt. Die beiden restlichen Blöcke in Boxberg folgen Ende 2038.

Kraftwerksbetreiber bekommen dafür Entschädigungen in Milliardenhöhe. Die Kohle-Kommission hatte den Ausstieg bis spätestens Ende 2038 festgelegt.

Die Kohleregionen sollen parallel 40 Milliarden Euro für den Umbau ihrer Wirtschaft bekommen - etwa ein Viertel davon geht nach Sachsen. Bis Mai soll es nun eine Bund-Länder-Vereinbarung geben, die die Umsetzung regelt.

Die Länder-Chefs hatten auf verbindliche Zusagen für die Strukturhilfen gepocht, auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) - der übrigens einen Wiedereinstieg Deutschlands in die Atomkraft für denkbar hält: "Wir können mit diesem Ergebnis gut leben." Auch die Ansiedlung von zwei Helmholtz-Forschungszentren in der Lausitz und bei Leipzig seien ein Erfolg.

Zudem betonte Kretschmer eine Vereinbarung für die Infrastruktur: "Es werden deutlich mehr Planungskapazitäten aufgebaut, damit wir zügig zu unseren ICE-Strecken, zu unseren Autobahnen und Bundesstraßen kommen." Etwa die Elektrifizierung der Bahnstrecken von Chemnitz - Leipzig und Dresden - Görlitz.

2026 und 2029 soll überprüft werden, wie es mit dem Kohleausstieg läuft und ob Stilllegungen vorgezogen werden können. Kohle-Beschäftigte in Kraftwerken und Tagebauen sollen bis 2043 von einem sogenannten Anpassungsgeld profitieren können.

Dies könnte noch einmal Milliarden kosten. Für die Naturschützer vom BUND ein "Scheingefecht". Die Zahl der wirklich Betroffenen dürfte klein sein, hieß es. Viele Beschäftigte würden vor der Abschaltung in Rente gehen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU): "Wir haben jetzt die Chance, Dinge zu tun, die bisher nicht möglich sind."
Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU): "Wir haben jetzt die Chance, Dinge zu tun, die bisher nicht möglich sind."  © dpa/Ronald Bonß
Das Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig soll Ende 2035 abgeschaltet werden.
Das Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig soll Ende 2035 abgeschaltet werden.  © dpa/Jan Woitas

Titelfoto: dpa/Jan Woitas


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