Sachsen bekommt endlich Gigabit-Datenleitung

Dresden/Leipzig - Das superschnelle Internet ist nun auch in Sachsen zu haben. Am Dienstag schaltete Vodafone für 280.000 Leipziger Kabelhaushalte Gigabit-Anschlüsse frei. Die Aktion ist nur der Anfang einer regelrechten Datenautobahn-Offensive im Freistaat.

Michael Kretschmer und Vodafone-Boss Hannes Ametsreiter.
Michael Kretschmer und Vodafone-Boss Hannes Ametsreiter.  © Thomas Türpe

„Ab heute werden in Leipzig 280.000 Haushalte auf 1 Gigabit geschaltet. Das ist ein großer Schritt“, sagt Hannes Ametsreiter (51) von Vodafone. Der deutsche Vodafone-Chef und andere Mobilfunk-Bosse trafen sich am Dienstag mit Vertretern der sächsischen Staatsregierung.

Ziel: Sachsen endlich auf die Höhe der Zeit bringen. Dahin, wo andere weniger wirtschaftsstarke Länder bereits sind, weg vom Flickenteppich aus weißen Flecken, der viele Regionen noch überzieht.

Entsprechende Freude bei Ministerpräsident Michael Kretschmer (43, CDU): „Schnelle Datenverbindungen sind die Basis moderner Gesellschaften. Sachsen ist ein Modell dafür. Jetzt geht’s los.“

Tatsächlich haben Vodafone und der Freistaat ein Pionier-Projekt gestartet, das es so bislang so nur in Bayern gibt: Weil der Landtag mit der Änderung des Privatrundfunkgesetzes analoge Leitungen abschalten ließ und damit „Platz“ für den superschnellen Digitalstrom der Daten machte, kann Vodafone flächendeckend loslegen. Zunächst wie erwähnt in Leipzig, wo übrigens auch 300 Schulen profitieren; es sollen laut Kretschmer Dresden, Chemnitz und Görlitz folgen.

Bis Ende 2018 sollen es in ganz Sachsen 500.000 Haushalte sein, Ende 2019 soll sich die Zahl der Haushalte auf 600.000 erhöhen, die potenzielle Nutzer des Gigabite-Netzes sein können, so Vodafone. KÖNNEN! Denn natürlich müsse man erst Kunde sein, betont Ametsreiter, dessen Firma auch KabelDeutschland gehört.

Startschuss war in Leipzig.
Startschuss war in Leipzig.  © Thomas Türpe

Und das kostet. In Leipzig 19,99 Euro im Monat im ersten Jahr, im zweiten Jahr 69,99 Euro. Der Tarif heißt „Red Internet & Phone 1000 Cable“. Wer in den kommenden drei Monaten bucht, spart ab dem zweiten Jahr pro Monat 20 Euro (Kosten also 49,99 Euro).

Dazu nehmen muss man noch ein rotes Modem der Firma, das kostenlos ist, aber mit eingeschalteter WLAN-Funktion 2,99 Euro/Monat extra kostet. Nur Schnell-Bucher bekommen die WLAN-Option kostenlos, so das Unternehmen.

Weitere Barriere: Das Netz KANN 1 Gigabite bieten, meist werden es laut dem Mobilfunkboss aber um die 70 bis 80 Prozent sein – je nach Anzahl der Nutzer im jeweiligen Gebiet.

Trotzdem freut sich der Leipziger OB Burkhard Jung (60, SPD): „Datenleitungen sind Lebensadern unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Ein schnelle Datenübermittlung ist mittlerweile Grundvoraussetzung für Ansiedlungen und Wachstum.“ Mit dem Startschuss am Dienstag stehe Leipzig an der Spitze Deutschlands.

Das – nicht uneigennützige - Vodafone-Engagement verschafft der Staatsregierung laut MP Kretschmer Luft für die Sorgengebiete im ländlichen Raum. Immerhin reiche der Freistaat insgesamt 700 Millionen Euro Fördermittel für die Auslöschung von Lücken im Bereich Datenübertragung aus, Stichwort Breitbandausbau. Beispielsweise gebe es ein Großvorhaben zum Anschluss des Landkreises Bautzen (mit der Telekom) oder für das Vogtland oder auch für den Landkreis Nordsachsen. Weiterer Plan: Für die künftige 5G-Generation der digitalen Ära bewerbe sich Sachsen um Modellregionen, so Kretschmer.

Die Gigabit-Geschwindigkeit erlaubt das Übertragen von 1000 MB/Sekunde. Nicht zu verwechseln sind Gigabit und Gigabyte. Das eine meint das Übertragungstempo, das andere das Datenvolumen.

Titelfoto: Thomas Türpe

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