Gute Aussichten, schlechte Aussichten: Was kommt 2020 auf Sachsens Wirtschaft zu?

Dresden - Während die Industrie über die sich abschwächende Konjunktur klagt, starten Sachsens Handwerker mit reichlich Optimismus und langen Wartelisten ins neue Jahr.

Gute Aussichten: Handwerk startet mit vollen Auftragsbüchern ins neue Jahr

Wochenlanges Warten auf den Fliesenleger. Sachsens Handwerks-Präsident Roland Ermer freut sich über proppevolle Auftragsbücher der Betriebe.
Wochenlanges Warten auf den Fliesenleger. Sachsens Handwerks-Präsident Roland Ermer freut sich über proppevolle Auftragsbücher der Betriebe.  © dpa/Martin Schutt, Ove Landgraf

„Branchenübergreifend sind die Auftragsbücher in den meisten Betrieben gut gefüllt“, verkündet Roland Ermer, Präsident des Sächsischen Handwerkstages, freudig.

Mit einem Konjunktureinbruch sei daher in der Binnenwirtschaft nicht zu rechnen. Nach wie vor profitiere das Handwerk von einer hohen Konsumbereitschaft unter Privatkunden, unterstützt durch niedrige Zinsen, so Ermer.

Wer dringend Handwerker braucht, muss sich daher weiter auf lange Wartezeiten einrichten: Durchschnittlich elf Wochen müssten sich Kunden gedulden, die einen Auftrag an Klein- und Kleinstbetriebe vergeben wollen, weiß der Handwerks-Präsident.

Der Handwerkstag vertritt mehr als 56.000 Betriebe im Freistaat, in denen rund 320.000 Menschen beschäftigt sind.

Probleme bereitet der Branche weiterhin der Fachkräftemangel. „Nicht nur in größeren Städten, sondern von vornherein auch im ländlichen Raum muss es gleichwertige Rahmenbedingungen für duale Berufsbildung und berufliche Selbstständigkeit geben“, fordert Ermer von der Politik.

Nur so sei es langfristig möglich, wieder mehr Fach- und Führungskräfte zu bekommen.

Schlechte Aussichten: Öko-Hype treibt Sachsens Autoindustrie in die Krise

Verdrängt E-Mobilität die in Sachsen ge- und verbauten Verbrennungsmotoren? Sachsens Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner sieht schwere Zeiten auf die Autoindustrie im Freistaat zukommen.
Verdrängt E-Mobilität die in Sachsen ge- und verbauten Verbrennungsmotoren? Sachsens Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner sieht schwere Zeiten auf die Autoindustrie im Freistaat zukommen.  © imago images/Cavan Images, dpa/VSW/Steffen Füssel

Der Brexit, US-Sanktionen und die politisch gehypte E-Mobilität machen Sachsens Metall- und Automobilindustrie zu schaffen. Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner schlägt Krisen-Alarm.

Sie ist die stärkste Säule der sächsischen Wirtschaft: die Automobil- und Zulieferindustrie mit ihren mehr als 105.000 Arbeitsplätzen in rund 800 Betrieben. Und wenn sie in der Krise ist, schüttelt es die gesamte Wirtschaft im Freistaat.

„Der Auftragseingang ist bei uns innerhalb eines Jahres um knapp 20 Prozent eingebrochen“, sagt Brückner. Die Entwicklung belaste auch zahlreiche Zulieferer, deren Aufträge ebenfalls zurückgingen.

Was der stark exportabhängigen Branche neben Brexit und US-Handelssanktionen besonders zu schaffen macht, sind die Veränderungen in der Mobilität durch die politischen Vorgaben zur Klima- und Energiewende.

„Natürlich müssen die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen“, sagt Brückner. Dafür brauche es aber eine Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialen Aspekten. So müssten etwa auch die Sorgen der Menschen auf dem Land ernst genommen werden. „Dort wird man ein bezahlbares Auto auch künftig brauchen.“

Brückner warnt vor einem Strukturbruch und fordert die Politik auf, nicht an unrealistischen Vorgaben festzuhalten: „Um das Klimaproblem zu lösen, braucht es Technologie-Offenheit.“

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