Neues Gesetz hält Rathäuser auf Trab: Tausende Sachsen haben plötzlich Recht auf Wohngeld

Dresden - Eine Flut von Wohngeldanträgen überrollt seit Januar das Dresdner Rathaus. Grund dafür ist eine Gesetzesänderung. Sie begünstigt vor allem junge Familien, Senioren und Menschen mit Handicap. "In Sachsen könnten weitere 14.000 Haushalte von Wohngeld profitieren – wenn sie einen entsprechenden Antrag stellen", rechnet Bau-Minister Thomas Schmidt (58, CDU) vor.

Kristin Kaufmann führt im Dresdner Rathaus als Bürgermeisterin den Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen.
Kristin Kaufmann führt im Dresdner Rathaus als Bürgermeisterin den Geschäftsbereich Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen.  © Ove Landgraf

Das neue Bundeswohngeldgesetz trat am 1. Januar 2020 in Kraft. Im Kern beinhaltet es eine überarbeitete Wohngeldformel zum Ermitteln von Ansprüchen.

Die Miet-Obergrenzen haben sich erheblich erhöht, z.B. für einen 3-Personen-Haushalt in Dresden (Mietenstufe 3) von 563 Euro auf 614 Euro. Gestiegen sind auch die Obergrenzen für das Einkommen. Die 32.489 Wohngeld beziehenden Haushalte in Sachsen erhielten am Jahresanfang entsprechend neue Bescheide.

Nach der Regeländerung erlebten viele Sozialämter in den vergangenen Wochen einen Run aufs Wohngeld. Beispiel Landeshauptstadt: In Dresden beziehen insgesamt 4289 Haushalte Wohngeld (Stand 31. Januar 2020).

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"Im Januar 2020 sind insgesamt 6856 Wohngeldanträge eingegangen. 3773 davon betreffen die Höhe des bereits gezahlten Wohngelds ab 2020. 3083 Wohngeldanträge wurden im Januar 2020 neu gestellt. Das sind rund 1800 Anträge mehr als im Jahr 2019 durchschnittlich im Monat eingereicht wurden", berichtet ein Referent der Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann 43, Linke).

An der Elbe geht man davon aus, dass viele Leute, die in den letzten Jahren - wegen etwas zu hohem Einkommens - kein Wohngeld erhielten, jetzt wieder Hilfen bekommen könnten. Der Sächsische Mieterverein schätzt das auch so ein: "Wir empfehlen deshalb jedem, jetzt seinen Wohngeldanspruch neu prüfen zu lassen." Das betrifft beispielsweise auch Eltern in Elternzeit.

Tipp: Kinder aus Familien mit Wohngeldanspruch haben zusätzlich auch Anrechte auf Leistungen aus dem sogenannten "Bildungs- und Teilhabepaket". Seit 2020 können Wohngeldempfänger einen Dresden-Pass erhalten.

Staatsminister Thomas Schmidt im Landtag. Im Jahr 2019 wurden in Sachsen insgesamt 55,3 Millionen Euro Wohngeld ausgezahlt.
Staatsminister Thomas Schmidt im Landtag. Im Jahr 2019 wurden in Sachsen insgesamt 55,3 Millionen Euro Wohngeld ausgezahlt.  © dpa/Sebastian Kahnert
Blick auf Wohnhäuser im Dresdner Neubaugebiet Gorbitz. Künftig werden die Wohngeldzahlungen regelmäßig nach zwei Jahren an die Miet-Entwicklung angepasst.
Blick auf Wohnhäuser im Dresdner Neubaugebiet Gorbitz. Künftig werden die Wohngeldzahlungen regelmäßig nach zwei Jahren an die Miet-Entwicklung angepasst.  © dpa/Monika Skolimowska
Viele Mütter und Väter nehmen in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder Elternzeit und verzichten dafür auf Einkommen. Speziell für den Zeitraum, in dem beide Eltern zur gleichen Zeit daheim bleiben, lohnt es sich zu prüfen, ob Anspruch auf Wohngeld besteht
Viele Mütter und Väter nehmen in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder Elternzeit und verzichten dafür auf Einkommen. Speziell für den Zeitraum, in dem beide Eltern zur gleichen Zeit daheim bleiben, lohnt es sich zu prüfen, ob Anspruch auf Wohngeld besteht  © imago images/Westend61

Titelfoto: dpa/Monika Skolimowska

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