In Sachsen wird der Impfstoff knapp

Vor allem für Kinder ohne abgeschlossene Grundimmunisierung könnte der Engpass problematisch werden.
Vor allem für Kinder ohne abgeschlossene Grundimmunisierung könnte der Engpass problematisch werden.

Von Mandy Schneider und Pia Lucchesi

Chemnitz/dresden - Mangelwirtschaft in der Medizin? In Sachsen werden gerade verschiedene Impfstoffe knapp. Besonders eine Vierfach-Prophylaxe ist betroffen.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im hessischen Langen ist das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel.

Die Bundesoberbehörde veröffentlicht im Internet tagesaktuell eine Übersicht von Impfstoffen, bei denen ein Lieferengpass besteht.

Insgesamt über 20 Präparate sind dort gegenwärtig auf den Mangel-Listen verzeichnet.

Von B wie Begripal (gegen Grippe) bis V wie ViATIM (gegen Typhus und Hepatitis A in Kombination) reicht die Aufzählung.

Der Mehrbedarf an Impfstoffen durch die Flüchtlinge war nicht absehbar.
Der Mehrbedarf an Impfstoffen durch die Flüchtlinge war nicht absehbar.

Sachsen ist dabei besonders betroffen vom Lieferengpass eines Vierfach-Impfstoffes gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung. Auch eine Grippeschutzimpfung für Kinder, die als Nasenspray angeboten wird, ist nicht lieferbar.

Dietmar Beier (66), Vorsitzender der Sächsischen Impfkommission: „Bereits seit dem Frühjahr gibt es Lieferengpässe, weil bei zwei Firmen Chargen der Vierfach-Impfung ausgefallen sind.

Und damals war der Mehrbedarf, der durch die Impfung vieler Flüchtlinge entstanden ist, noch gar nicht absehbar.“

Annett Hofmann (40), Sprecherin des Sozialministeriums bestätigt: „Die bestehenden Reserven des Vierfach-Impfstoffes sind fast vollständig aufgebraucht. In einigen Erstaufnahmeeinrichtungen kann die Impfung nicht mehr angeboten werden.“

Wer seine Impfungen auffrischen lassen will und beim Hausarzt vergeblich nachfragt, kann sich auch an sein städtisches Gesundheitsamt wenden. Dort berät man zu möglichen Alternativen.

Impfexperte Dietmar Beier:

„Es ist nicht schlimm, eine Auffrischungsimpfung mal für zwei Jahre zu verschieben. Für Kinder ohne abgeschlossene Grundimmunisierung ist die derzeitige Situation allerdings problematisch.“

Fotos: imago, Ralf Hirschberger


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