Invest-Stau, Personalmangel, Kosten: Wie krank sind Sachsens Krankenhäuser wirklich?

Dresden - Angespannte Finanzlage, Investitionsstau und Personalmangel: Wie schlimm ist die Situation von Sachsens Krankenhäusern wirklich? Für Unruhe sorge noch Verkaufspläne in Ostsachsen.

Baustelle Krankenhaus: Die sächsische Krankenhausgesellschaft sieht viele Baustellen an Sachsens Kliniken.
Baustelle Krankenhaus: Die sächsische Krankenhausgesellschaft sieht viele Baustellen an Sachsens Kliniken.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Mehr privatisierte Häuser, weniger Kliniken: In Sachsen gibt es statt 100 Kliniken Anfang der 1990er nur noch 78, davon 34 in öffentlicher Trägerschaft. "Wir haben viele offene Baustellen", sagt aber der Chef der sächsischen Krankenhausgesellschaft, Sven U. Langner (49).

Viele Häuser geraten zunehmend unter Druck. Langner schätzt, dass mindestens 10 Prozent der Einrichtungen in einer schwierigen Lage sind. "Das wirtschaftliche Bedrohungspotenzial für die Häuser nimmt zu." Wie berichtet, schreibt etwa das Städtische Klinikum Dresden wiederholt Millionenverluste. Für 2019 rechnete das Klinikum mit einem Minus von 8,9 Mio. Euro.

Langner hält die Krankenhausförderung im Land nicht für ausreichend. Zuletzt waren es knapp 159 Millionen Euro. Erschwerend wirkten die neuen Pflegebudgets des Bundes, so Langner: Kosten für das Pflegepersonal würden zwischen Klinik und Krankenkassen aufgrund des Bedarfs in den Häusern verhandelt - das bedeute neue Planungsunsicherheit.

Zusammenlegungen oder Schließungen von Kliniken erachtet Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) indes als nicht notwendig: "‎Wir haben eine Kliniklandschaft, die solide und konsolidiert ist." Das sei der Unterschied zu vielen anderen Bundesländern‎.

Allerdings sorgt in Sachsen die Ankündigung der Malteser für Unruhe. Sie will aus Kostengründen die Kliniken in Görlitz und Kamenz verkaufen. Die Chefin der Techniker Krankenkasse in Sachsen, Simone Hartmann (54), appelliert, dass sich ländliche, abgelegene Kliniken qualitative Alleinstellungsmerkmale suchen, um zu überleben.

Und dann ist da noch der Personalmangel: Das Bergarbeiterkrankenhaus in Schneeberg muss ein halbes Jahr früher schließen als geplant - wegen Ärztemangel. Die stationäre Versorgung wird nun schon zum 15. Januar eingestellt. Die Notaufnahme macht schon am heutigen Dienstag dicht.

Die städtischen Kliniken in Dresden - hier Friedrichstadt - gehören der Stadt. Sie machen hohe Verluste.
Die städtischen Kliniken in Dresden - hier Friedrichstadt - gehören der Stadt. Sie machen hohe Verluste.  © Ove Landgraf
Sven U. Langner (49), Chef der sächsischen Krankenhausgesellschaft, bemängelt die Förderung.
Sven U. Langner (49), Chef der sächsischen Krankenhausgesellschaft, bemängelt die Förderung.  © PR
Malteser-Krankenhaus in Kamenz: Die Verkaufspläne sorgen für große Unruhe in Ostsachsen.
Malteser-Krankenhaus in Kamenz: Die Verkaufspläne sorgen für große Unruhe in Ostsachsen.  © xcitepress/rl

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