Deshalb beneiden unsere Fahnder die Kollegen in Tschechien

Josef Havelka (31) von der Liberecer Polizei arbeitet täglich mit der automatisierten Kennzeichenerkennung.
Josef Havelka (31) von der Liberecer Polizei arbeitet täglich mit der automatisierten Kennzeichenerkennung.

Von Anneke Müller

Dresden/Görlitz/Prag - Seit drei Jahren sind die Kennzeichen-Jäger der Polizeidirektion Görlitz unterwegs. Ihre Technik zur automatisierten Kennzeichenerkennung (System CatchKen) darf nur nach den Vorschriften des Sächsischen Polizeigesetzes eingesetzt werden - und die sind streng.

Die Chancen, Ganoven zu fangen, steigt mit der grenzübergreifenden Zusammenarbeit. In Tschechien lässt das Gesetz den „Jägern“ mehr Spielräume.

Eine unauffällige Kamera steht am Straßenrand. Mit zwei Linsen und Infrarotlicht ausgestattet, nimmt sie vorbeifahrende Autos ins Visier. Drei Fahrspuren auf einmal und auf eine Entfernung von bis zu 55 Metern.

Sie machen gemeinsame Sache, wenn es um Grenzkriminalität geht: Die Polizisten aus Liberec und der Polizeidirektion Görlitz.
Sie machen gemeinsame Sache, wenn es um Grenzkriminalität geht: Die Polizisten aus Liberec und der Polizeidirektion Görlitz.

Auf ihrem mit der Kamera per Kabel verbundenen Auswertesystem im Auto werden die Daten der vorbeifahrenden Kennzeichen eingespeist. Das geschieht in nur 0,3 Sekunden.

„Gespeichert werden nur Treffer, alle anderen werden automatisch sofort gelöscht“, erklärt Pressesprecher Thomas Knaup (38). „Treffer“ sind diejenigen Kennzeichen, die zur Fahndung in der Datenbank des Schengener Informationssystems (SIS) eingepflegt wurden (etwa 7,8 Millionen Kennzeichen). Das geschieht stündlich, ansonsten ist die Datenbank offline.

Problem: Autodiebe sind manchmal schneller.

In Tschechien lässt das Rechtssystem mehr Freiheit. Im Bereich der Polizeidirektion Liberec arbeitet man seit über zehn Jahren mit Kennzeichenerkennungssystemen. Gespeichert sind automatisch alle in Tschechien registrierten Autos, ausnahmslos alle Aufnahmen von der Straße werden zusätzlich abgelegt.

„Wir überprüfen täglich etwa 2000 Fahrzeuge“, so Polizeisprecherin Vlasta Suchankova. Über 20 drahtlose Geräte (System „Look“) sind permanent im Einsatz. Zum Vergleich: Die Polizeidirektion Görlitz hat nur eines.

Immerhin: Das sächsische System kam seit 2013 etwa 700-mal zum Einsatz, hat 40 gestohlene Autos und 20 geklaute Kennzeichen erkannt.

Thomas Knaup: „Für uns ist die grenzüberschreitende Arbeit wichtig, nur in der Zusammenarbeit sind wir erfolgreich.“

In Sachsen darf die Kamera nicht dauerhaft oder flächendeckend eingesetzt werden, aufgrund der Rechtslage.
In Sachsen darf die Kamera nicht dauerhaft oder flächendeckend eingesetzt werden, aufgrund der Rechtslage.

Fotos: Ove Landgraf


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